Stand: 12.01.2020 00:01 Uhr  - NDR Info

Die Community der Influencer

von Merlin van Rissenbeck

Zwischen 70.000 und über 130.000 Followerinnen und Follower folgen Emilia und Coco auf Instagram. Die meisten kennen die beiden 13-Jährigen nicht persönlich – es ist auch nicht klar, wie viele tatsächliche Personen hinter jedem einzelnen Account stehen. Aber einige sind echte Fans, die den Mädchen online auf Schritt und Tritt folgen.

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Einige Fans von Emilia und Coco betreiben sogar Fanseiten und posten auf Instagram sogenannte Edits.

Coco und Emilia sind beide 13 Jahre alt und Influencerinnen auf Instagram. Mit einem treuen Kern ihrer Followerinnen und Follwer sind sie täglich in Kontakt, etwa wenn sie auf deren Kommentare zu ihren Beiträgen reagieren. Anfang 2019 hat Emilia ein Fantreffen über ihren Instagram-Account ausgerufen und mit ihrer Mutter zusammen organisiert. "Ich glaube, ich hatte damals ungefähr 30.000 Follower und es waren etwa 100 bei dem Treffen", erzählt sie. "Ich hatte es zwei Tage vorher angekündigt. Die Follower in echt zu sehen, ist krass. Sonst sieht man immer nur, was für Kommentare die Leute dir schreiben, was extrem süß ist. Aber sie mal in echt zu sehen, ist natürlich was ganz anderes."

Fans antworten mit Edits

Einige der Fans betreiben sogar Fanseiten: Extra Instagram-Accounts, auf denen sie sogenannte Edits erstellen. Das heißt, die Fans bearbeiten Emilias Fotos und Videos mit besonderen Filtern und Effekten und laden sie dann in ihrem eigenen Account wieder hoch. 10 bis 30 solcher Edits erreichen Emilia täglich. Dafür bedankt sie sich dann wiederum in ihren Storys. "Ich finde das ist auch selbstverständlich, weil sie da so viel Arbeit reinstecken", sagt sie. "Klar, wenn es mal einen Tag nicht klappt, das ist ja menschlich. Aber, ich versuche ansonsten jeden Tag, einen Edit in meine Story zu packen, um ihnen was zurückzugeben."

Ein junges Mädchen sitzt auf einer Couch und schaut auf ein Smartphone. © picture alliance/chromorange

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Die meisten ihrer Fans sind so alt wie sie, also 13, manche älter, einige auch jünger. Viele bewundern Emilia wie einen Popstar. "Wie kann man nur so hübsch sein, du bist mein Idol", steht in den Kommentaren unter ihren Beiträgen. Oder: "Du bist so toll Emilia! […] Du bist wunderschön und einzigartig und keiner kann irgendwas gegen dich sagen. Du gibst dir so Mühe mit deinem Account und nimmst dir so viel Zeit für deine Fans - echt bewundernswert! Hab dich ganz doll lieb."

Influencer geben soziale Orientierung

"Influencerinnen und Influencer haben oft eine Orientierungsfunktion", sagt Amelie Duckwitz, Professorin für Medien- und Webwissenschaften. Das gilt gerade für junge Followerinnen und Follower, Kinder und Jugendliche, die auf der Suche nach sozialer Orientierung sind." Das fängt beim Konsumverhalten an, wie wir uns kleiden, was wir gut finden, was wir nicht gut finden", sagt sie. "Da bieten Influencer natürlich Orientierung und sind nicht so weit weg wie die Stars. Das sind sozusagen Leute, wie du und ich, die es geschafft haben, durch irgendetwas Besonderes eine größere Öffentlichkeit zu schaffen."

Aber was ist das Besondere?

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Die 13-jährige Coco will mit ihren Postings ein positives Lebensgefühl vermitteln.

Dieses Besondere ist manchmal gar nicht so leicht festzumachen. Oft behandeln Influencer bestimmten Themen wie Reisen, Mode, Ernährung, eine gewisse Art zu leben. Häufig punkten sie gerade auch mit ihrer Persönlichkeit. Coco und Emilia aus der Generation TikTok tanzen in ihren Videos häufig, sie interessieren sich für Mode und Lifestyle. Wichtig ist, immer gute Laune zu vermitteln. Coco vermittelt ihre Botschaft, immer positiv auf das Leben zu blicken auch in den Sinnsprüchen unter ihren Posts wie etwa "Bringe jeden Tag etwas Konfetti in dein Leben!" oder "Denk nicht zu viel nach, mach einfach, was dich glücklich macht!"

Hochglanz-Alltag kann Fans auch stressen

Viele Influencerinnen und Influencer zeigen, wie sie in schicken Restaurants essen gehen, in Markengeschäften shoppen oder im Urlaub am Hotelpool liegen. Dieser Hochglanz-Alltag kann die Followerinnen und Follower auch stressen. Emilias Mutter Christina ist sich dessen bewusst: "Ich denke, dass sich durchaus auch manche schlecht fühlen. Vielleicht haben sie Vorbilder, wollen genauso sein wie ihr Vorbild, sie sehen solche und solche Klamotten, und viele haben nicht die Möglichkeiten, sie zu kaufen. Das macht die anderen Kinder traurig."

Studien haben zuletzt Zusammenhänge zwischen der Nutzung von Social-Media und Depressionen nahegelegt, gerade bei Mädchen. Es soll auch Verbindungen zwischen einer hohen Social-Media-Nutzung und schlechtem Schlaf, niedrigem Selbstbewusstsein und einem verzerrten Körperbild bei Teeangern geben. Nicht immer handelt es sich also um eine rein positive Inspiration, die Influencerinnen und Influencer bieten können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 15.01.2020 | 07:00 Uhr

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