Stand: 10.02.2018 19:30 Uhr

"Die Brüder Karamasow": Premiere in Lübeck

von Katrin Bohlmann

Am Theater Lübeck inszeniert Schauspielchef Pit Holzwarth Fjodor Dostojewskis letzten großen Roman "Die Brüder Karamasow". Schwere Kost, Krimi und Tragödie zugleich - am Sonnabend hatte das Stück auf der Großen Bühne Premiere.

Szenen aus "Die Gebrüder Karamasow"

Es geht um die Suche nach Glück, Liebe und den Sinn des Lebens - ein philosophisches Stück. Und - um Dostojewski zu zitieren: "Das Paradies liegt in jedem von uns, wir wollen es bloß nicht begreifen". "Die Brüder Karamasow" ist die Geschichte einer unharmonischen Familie. Es geht um drei Brüder wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Aljoscha, der Mönch geprägt von einem tiefen Glauben und der Liebe zu seinen Mitmenschen. Iwan, der Intellektuelle stellt sich die existenziellen Sinnfragen ist großer Zweifler und Nihilist - und schließlich Dmitrij, der Lebemann, Trinker und impulsiver Raufbold, der seinen Vater Fjodor abgrundtief hasst, zumal sie beide die gleiche Frau lieben. Brennend vor Eifersucht wünscht Dmitrij seinem Vater lautstark den Tod. Als dieser tatsächlich tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht natürlich sofort auf ihn. Aber ist er wirklich der Mörder?

Wie kommt das Böse in die Welt?

Dostojewski gibt mit den Brüdern Karamasow den Blick in die Abgründe der Seele: Hass, Gier, Neid, Bosheit. Der Schauspielchef des Theaters Lübeck Pit Holzwarth bringt seine ganz eigene Fassung auf die Bühne. "Die zentrale Frage ist: Wie kommt das Böse in die Welt? In einer Gesellschaft, die im Umbruch ist, die in einer Bewusstseinskrise steckt, die ökonomisiert und auf Geldwirtschaft umgestellt wird. Das ist ein Strang. Der andere Strang ist der Roman - mit der großen Liebes-Religion, die Dostojewski formuliert. Das zusammenzubringen, das ist für mich wichtig", sagt Holzwarth. Das tut der Schauspielchef mit vielen Dialogen, prallen Figuren und starken Emotionen.

"Es ist ein anspruchsvolles Stück"

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Die verschiedenen Räume und Ebenen des Bühnenbildes machen die Vielschichtigkeit in Dostojewskis Geschichte deutlich.

Publikumsliebling Andreas Hutzel spielt Iwan, den Intellektuellen. "Es ist ein anspruchsvolles Stück - auch für den Zuschauer", sagt der Schauspieler. Sein Tipp: intensiv zuhören. "Es sind schon Flächen, die sich da auftun. So richtig weite Perspektiven, durch die russische Steppe sozusagen. Da kann einiges nachhallen beim Zuschauer, er kann vieles mitnehmen", so Hutzel weiter. "Es ist einfach eine schöne Sprache, ein toller Text."

Schauspiel mit Live-Band

Das Stück ist auch ein musikalischer Abend mit einer Live-Band. Auf der Bühne stehen im Bauhausstil weiße Hauswände mit großen Fenstern. auf deren Jalousien Videoinstallationen abgespielt werden. "Es sind ausgehend von einem Triptychon, von einem umgestürzten Siegespodest sehr verschiedene Räume", erklärt Pit Holzwarth. "Es ist ein Kreis, der das Ganze umschließt, der die Sehnsucht nach einer einheitlichen Welt ausdrückt, nach einer Welt, die noch ganz ist."

Nicht unbedingt leicht verdaulich

Dostojewskis Geschichte, der letzte Roman des russischen Schriftstellers gleicht einem Krimi. Es steckt aber viel mehr in ihm. "Die Brüder Karamasow" ist so kompliziert und vielschichtig, dass die Schauspieler gleich zu Beginn gemeinsam das Stück kurz erklären. Also: Schwere Kost am Theater Lübeck in der typischen Holzwarth-Manier inszeniert, nicht unbedingt leicht verdaulich. Wer es philosophisch mag, sollte hingehen.

"Die Brüder Karamasow": Premiere in Lübeck

Nicht gerade leicht verdauliche Kost am Theater Lübeck: Das Stück "Die Brüder Karamasow" nach Dostojewskij ist kompliziert, vielschichtig sowie Krimi und Tragödie zugleich.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Theater Lübeck, Kammerspiele
Beckergrube 16
23552  Lübeck
Preis:
Von 15 bis 49 Euro
Öffnungszeiten:
Theaterkasse Di. bis Fr. 10–18.30 Uhr, Sa. 10–13 Uhr, 
Abendkasse im Großen Haus jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn, in den Kammerspielen und im Jungen Studio jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Kein Vorverkauf an der Abendkasse.
Kartenverkauf:
Theaterkasse
Beckergrube 10–14, 23552 Lübeck
Kartentelefon 0451/399600 · Fax 0451/7088-222
E-Mail kasse@theaterluebeck.de
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Dieses Thema im Programm:

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