Stand: 28.02.2020 15:08 Uhr

Schauspielhaus plant politische Spielzeit

von Daniel Kaiser

Mit einem Paukenschlag startet das Deutsche Schauspielhaus in die kommende Theatersaison. Nach 21 Jahren wird zum ersten Mal wieder ein neues Theaterstück von Rainald Goetz auf die Bühne gebracht. 1999 wurde "Jeff Koons" am Deutschen Schauspielhaus aufgeführt, danach pausierte Goetz als Theaterautor.

In "Reich des Todes" hat Rainald Goetz nun den 11. September 2001 in Blick auf Demokratie und Rechtsstaat verarbeitet. Intendantin Karin Beier inszeniert das Stück, dessen Uraufführung passenderweise auch für den 11. September geplant ist. "Goetz thematisiert darin, wie funktionsfähig und widerstandskräftig unsere Demokratie ist", erklärt Beier. Ein Großteil des Stücks werde im Weißen Haus und im Gefängnis von Abu Ghraib spielen.

Ringen um Demokratie und Rechtsstaat

Deutsches Schauspielhaus in Hamburg © dpa Foto: Markus Scholz
Intendantin Karin Beier wird in der kommenden Spielzeit zwei Stücke selbst inszenieren.

Das Ringen um Demokratie und Rechtsstaat ist ein roter Faden in der neuen Spielzeit. Auch in Shakespears "Richard III." - eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen - soll es in der Inszenierung von Karin Henkel um Machtpolitik gehen. Die Regisseurin Heike M. Goetze wird die "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Horváth inszenieren. Intendantin Karin Beier nimmt sich auch des Bestsellers "Kindeswohl" von Ian McEwan an, in dem einem Jugendlichen eine Bluttransfusion von seiner Familie verweigert wird, weil sie Zeugen Jehovas sind.

Oliver Frljić wird Dostojewskis "Brüder Karamasow" auf die Bühne bringen. Auch Katie Mitchell und Falk Richter werden wieder Stücke inszenieren - Details stehen aber noch nicht fest. Für René Polleschs Arbeit steht mit "J’accuse!" immerhin schon ein Titel fest.

Auf der kleinen Bühne im Malersaal thematisiert Tuğsal Moğul mit "Wir haben getan, was wir konnten" dramatische Begebenheiten aus dem deutschen Gesundheitssystem. Moğul hat selbst auch Medizin studiert. Außerdem wird dort Bonn Park ein Stück erschaffen, das von Schillers "Die Räuber" inspiriert ist.

Hamburger Dioxin-Skandal als Theaterstück

In dem Schauspielhaus-Projekt auf der Veddel "New Hamburg" wird Florian Fischer gemeinsam mit Bewohnern des Stadtteils das Stück "Monte Mortale" entwickeln, das den Dioxin-Skandal von Georgswerder aus den 80er-Jahren thematisiert. Auch die Künstler-Gruppe SIGNA kehrt an das Schauspielhaus zurück und wird ab dem 20. November mit dem Stück "Die Ruhe" in dem für sie typischen Mitmach-Theater die Prepper-Szene thematisieren, die sich auf die Apokalypse oder auch weniger schwere Katastrophen vorbereitet.

Entscheidung über Karin Beiers Zukunft steht kurz bevor

Über Karin Beiers Zukunft als Intendantin des Deutschen Schauspielhauses gibt es noch keine endgültige Entscheidung. Ihr Vertrag geht bis 2021. Offenbar laufen hinter den Kulissen intensive Gespräche. "Das ist noch nicht zu Ende verhandelt. Aber bald. Bald kann ich darüber reden", lacht Beier.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.02.2020 | 19:00 Uhr