Stand: 22.08.2020 20:35 Uhr  - Hamburg Journal

"Der Tatortreiniger": Kultstoff feiert Bühnenpremiere

von Peter Helling

Die Comedy-Fernsehserie des NDR mit Bjarne Mädel als knuffig-liebenswertem Mann fürs ganz Unreine - sie war sieben Jahre und sieben Staffeln lang Kult. Jetzt hat eine kleine private Bühne den Stoff als Theaterstück inszeniert. Im Kleinen Hoftheater Horn hatte am Freitag der „Der Tatort-Reiniger“ in der Regie von Stefan Leonard Premiere, als Hamburger Erstaufführung.

VIDEO: Theaterpremiere für Kult-TV-Serie "Der Tatortreiniger" (3 Min)

"Wir haben überlebt"

Stefan Leonard hat sie sich alle angesehen, 31 "Tatortreiniger" - Folgen , und fand: Das ist ein perfekter Stoff für die Bühne. Er hat beim Henschel Verlag in Berlin angefragt und den Zuschlag bekommen. Ein echter Coup für das kleine Haus in Horn. Die ersten Aufführungen waren sofort ausverkauft.

Das Theater, das gerade 35 Jahre Bühnenjubiläum unter der Leitung von Claudia Isbarn und Petra Behrsing feiert, kann diesen positiven Schub gut gebrauchen, nach fast sechs Monaten Theaterschließung! "Wir haben überlebt", sagt Claudia Isbarn dankend in Richtung Kultursenator Carsten Brosda und Elke Westphal von der Kulturbehörde - beide sitzen im Saal.

Drei Schauspieler spielen die Fernsehserie an die Wand

Die Probe im Kleinen Hoftheater zum Stück "Der Tatortreiniger". © Kleines Hoftheater Foto: Lennart Fabian Müller
Die Schauspielerin Barbara Stieg und Frank Piotraschke alias "Schotty" leben ihre Rolle.

Mit "Der Tatortreiniger" ist dem Theater ein geradezu perfekter Neustart geglückt: Die liebevoll selbstgebaute Bühne, ein Raum, der sich mit einfachsten Mitteln, ein paar blutbefleckten Gemälden und Möbeln leicht verwandeln lässt. Dort spielen drei wundervolle Schauspieler mit Lust, mit Verve, mit Intelligenz die Fernsehserie geradezu an die Wand.

Frank Piotraschke als Heiko Schotte, genannt "Schotty": Im blauen zerknautschten Arbeiterlook sorgt er dafür, dass nach Kommissaren und Spurensicherung auch die allerletzten Krümel eines Mordes beseitigt werden. Die gelernte Reinigungskraft mit Spezialausbildung hat für die hartnäckigsten Blut-, Schleim- und Verwesungsflecken die richtigen Mittel im Metallkoffer. Darauf prangt stolz das HSV-Vereinslogo, ihn bringt nichts so leicht aus der Fassung. "Ein erdiger Typ, der gerne mal ein Bierchen trinkt oder Fußball spielt, den kennt jeder", sagt der Regisseur, "und mit dem können wir auch mitfühlen". Piotraschke spielt mit breitem Hamburger Akzent eine ehrliche Haut.

Die schreiend komischen Abgründe der Lebenden

Die Probe im Kleinen Hoftheater zum Stück "Der Tatortreiniger". © NDR Foto: Annette Matz
Schauspielerin Barbara Stieg schlüpft in viele Rollen. Hier spielt sie zusammen mit "Schotty" Frank Piotraschke eine 87-jährige alte Dame.

Drei Fälle hat er zu lösen: Und der Kniff bei diesen Geschichten aus der Feder von Mizzi Meyer ist ja, dass es gar nicht so sehr um die Leichen geht, sondern um die schreiend komischen Abgründe der: Lebenden. In der Episode "Nicht über mein Sofa" trifft er in den Elbvororten auf eine steinreiche Witwe, die einen Einbrecher eiskalt mit dem Golfschläger hingerichtet hat. Er war mit Straßenschuhen auf ihr kostbares Sofa gestiegen.

Barbara Stieg spielt sie, die verschlagene Killerin. Dann der zweite Teil: "Sind Sie sicher" - das Blut eines Selbstmörders im Büro einer Consulting Firma. Wirklich große Klasse, wie Philipp Weggler den sadistischen Manager gibt, der jeden und jede seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Burnout treibt.

Eine Lüge wird zur Liebeserklärung

Den Höhepunkt gibt es nach der Pause: "Pfirsichmelba". Ein italienischer Eisdielenbesitzer ist von seiner Ehefrau zerhackt worden. Schotty muss das Schlamassel beseitigen, bis Robert auftaucht. Ein seltsamer Besucher, der jeden Sonntag seinen Pfirsich-Melba-Becher bestellt. Robert ist Autist, sein Vater hat ihn als Kind nicht nur schwer misshandelt, sondern ihn auch sitzengelassen, als die Mutter "nach Ochsenzoll musste".

Die Probe im Kleinen Hoftheater zum Stück "Der Tatortreiniger". © Kleines Hoftheater Foto: Lennart Fabian Müller
Für die Folge "Pfirsich Melba" im Eiscafe in Horn: Frank Piotraschke alias "Schotty" und als "Robert" Phillipp Weggler (links).

Als Schotty sich aus Versehen im Kühlraum der Eisdiele einsperrt, greift er zu einer List, um Robert zu überreden, ihn zu befreien. Im Kühlraum habe er einen Brief seines Vaters gefunden. Schotty schreibt ihn selbst und macht daraus eine Liebeserklärung an den Jungen. Eine Lüge, die ein Leben rettet, oder gleich zwei. Ein Gänsehautmoment. Am Ende ist der Applaus groß: "Eine Schnotter-Schnauze, fast wie im Film", lobt ein Zuschauer den Bühnen-Tatortreiniger. "Das ist alles so aus einer Hand, so ein Theaterensemble, spitzenmäßig. Keine dazugekauften Größen. Und echte Typen!"

Das Kleine Hoftheater hat bewiesen, wie viel Leben in ihm steckt.

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Die Probe im Kleinen Hoftheater zum Stück "Der Tatortreiniger". © Kleines Hoftheater Foto: Lennart Fabian Müller

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 21.08.2020 | 19:30 Uhr