Zwei Teenager stehen vor einem Jugendmedientag-Plakat.  Foto: ARD

Das war der Jugendmedientag 2020

Stand: 11.11.2020 14:34 Uhr

Die Talks und Workshops des zweiten ARD-Jugendmedientags 2020 sind in diesem Jahr Corona-bedingt direkt in die Klassenzimmer übertragen worden.

Rund tausend Schülerinnen und Schüler haben bei den 14 digitalen Workshops und drei Web-Talks des NDR mitgemacht. Die Teilnehmenden der NDR Livestreams beim Jugendmedientag 2020 kamen nicht nur aus ganz Norddeutschland, sondern waren teilweise auch aus anderen Bundesländern zugeschaltet.

Workshops und Talks rund um Journalismus und Produktion

Was ist Investigativjournalismus genau und wie funktioniert er? Was ist der Unterschied zwischen Fake News und echten Meldungen? Binge Watching, Cliffhanger, Spannungsbogen - wie funktionieren Serien? Welche Ausrüstung braucht der NDR für Liveübertragungen? Zu diesen und anderen Themen haben NDR Redakteurinnen und Redakteure sowie Produktionsmitarbeitende den Schulklassen Einblick in ihre Arbeit gegeben.

In vielen Workshops gab es dabei auch grundlegende Fragen zum Berufsbild von Journalist: Wie viel verdient man in dem Beruf? Wie wird man Journalistin? Und macht die Arbeit Spaß? Auch das interessierte die Klassen.

Außerdem haben die NDR Datenjournalisten erklärt, wie die Zahlen zum Verlauf der Corona-Pandemie zu verstehen und zu interpretieren sind. Darüber hinaus war auch Comedy Teil des NDR Angebots zum Jugendmedientag: mit der Produktion einer Folge von "Wir sind die Freeses" für NDR 2.

Was machen Taucher beim NDR?

Einen der ungewöhnlichsten Jobs machen sicherlich die Kameraleute vom NDR Taucherteam. Kameramann Uli Baron und Redakteur Thomas Mauch haben in ihrem digitalen Talk ausführlich die Fragen der Schülerinnen und Schüler zur Arbeit unter Wasser beantwortet. Das Team hat im Livestream zudem zahlreiche Ausrüstungsgegenstände wie verschiedene Kameras, Anzüge und Sauerstoffflaschen vorgeführt und die Nachfragen dazu aus dem jungen Publikum beantwortet.

Getrennt gemeinsam: Das NDR Elbphilharmonie Orchester während Corona-Pandemie

Auch ein Spitzenensemble wie das NDR Elbphilharmonie Orchester muss viele Stunden üben - und hören, wie es gemeinsam klingt. Wie das während der Corona-Epidemie geht, hat NDR Tonmeisterin Nora Brandenburg den Teilnehmenden im Web-Talk gezeigt: Die 80 Musikerinnen und Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters hatten zu Hause, jeder für sich, einen Ausschnitt ihres Parts aus Brahms Erster Sinfonie aufgenommen.

Die insgesamt 130 Audiodateien hat die Tonmeisterin schließlich zu einem klingenden Ganzen zusammenfügt. Im lebendigen Austausch mit hundert Schülerinnen und Schülern ging es dann um Balance, Intonation, Klangfarben, Tempo, technische Tücken, aber vor allem auch darum, warum der Beruf der Tonmeisterin niemals langweilig ist.

Auf Achse mit dem Ü-Wagen

ARD Jugendmedientag
Wie sendet der NDR von unterwegs? Das Team der Außenübertragung hat es erklärt.

Soll live von einem großen Ereignis berichtet werden, ist der NDR mit Übertragungswagen vor Ort. Wie eine Live-Schalte zu einer Reporterin funktioniert und welche Ausrüstung dafür erforderlich ist, hat ein Team der Außenübertragung vier Schulklassen aus dem gesamten Bundesgebiet erklärt - natürlich per Live-Schalte. Die Schülerinnen und Schüler haben zudem gelernt, welche verschiedenen Sendetechniken es gibt.

Wie entsteht eine Instagram-Story?

Clickbaiting, Snap oder Swipe up - den Schülerinnen und Schüler waren diese Begriffe des digitalen Workshops vom Landesfunkhaus Hannover über Instagram geläufig. Sie konnten gleich mitmachen und Fotos, Videos und Texte liefern, aus denen die Socialmedia-Autorin Johanna Ohlau dann eine Story gebaut und bei Instagram hochgeladen hat.

Web-Talks zu Nachrichten, ESC und STRG_F

Wie entstehen Nachrichten? Wer entscheidet, ob es ein Thema in die Tagesthemen schafft? Antworten auf diese und andere Fragen der Schüler gab Moderatorin Pinar Atlay gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des vom Bayerischen Rundfunk produzierten Instagram-Formats "News WG".

Musik stand im Mittelpunkt eines weiteren Angebots: ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber und Sänger Michael Schulte berichteten über ihre Erfahrungen und Erlebnisse beim Eurovision Song Contest. Tolle Resonanz gab es auf den aktuellen Song, den der Sänger im Livestream auf der Gitarre spielte - zugeschaltet aus seinem heimischen Wohnzimmer.

ARD Jugendmedientag
Nadia Kailouli und Han-Ul Park haben darüber gesprochen, wie eine Recherche abläuft und wann aus einem Thema ein Film werden kann.

Wie investigative Recherchen ablaufen, haben Nadia Kailouli und Han-Ul Park aus dem Team von Strg_F in ihrem Web-Talk erzählt. "Wie lange dauert eine Recherche wie die zu dem Film über Joko und Klaas?", wollten die Schüler etwa wissen. Welche Fragen am Anfang einer Recherche stehen und was es braucht, um ein Thema zum Film zu machen, wurde aus dem Gespräch mit den beiden Autoren deutlich.

Nachrichten verstehen und selbst verfassen

Mit einer Mischung aus informativen und unterhaltsamen Elementen, verbunden mit praktischen Aufgaben, hat Nachrichtenredakteur Martin Reckweg aus dem Landesfunkhaus Niedersachsen Schülerinnen und Schülern vermittelt, wie Nachrichten entstehen. Teil des dreistündigen Workshops war zudem, welche Kriterien Nachrichten erfüllen müssen und woran man Fake News erkennt.

Wo sind die altersgerechten Radioangebote für junge Leute?

Junge Menschen hören immer seltener Radio. YouTube und Spotify sind deutlich beliebter. Das belegen nicht nur verschiedene Studien, das ist auch das Ergebnis einer spontanen Umfrage unter den Teilnehmenden des Talks von NDR 2 zum Thema "Radio und Streamingdienste". 229 Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe und verschiedener Berufsschulen aus ganz Deutschland waren bei dem Online-Event angemeldet. Auf dem Podium saßen neben NDR 2 Moderator Sascha Sommer auch Norbert Grundei, der im NDR den Programmbereich Audio-Strategie leitet, sowie der Datenexperte Marco Maas (Geschäftsführer der Firma Datenfreunde).

VIDEO: ARD-Jugendmedientag: NDR 2 Talk Radio vs. Streaming (46 Min)

Im Laufe des Gesprächs wurde klar: Die Schüler vermissen bei den Öffentlich-Rechtlichen ein altersgerechtes Angebot und vor allem ein viel breiter gefächertes Musikangebot. "Diese Inhalte gibt es in der ARD", räumte der Datenexperte Marco Maas ein und fügte lakonisch hinzu: "Nur - findet die keiner."

Dieses Dilemma haben Norbert Grundei und sein Team längst erkannt. Er erläuterte den Schülerinnen und Schülern ausführlich die Zukunftsstrategie der Öffentlich-Rechtlichen. "Wir werden uns bewegen", versprach er, "damit unsere guten Inhalte die Wege zu den Nutzerinnen und Nutzern finden, und nicht umgekehrt."

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Die NDR Radiophilharmonie probt im Kuppelsaal Hannover. © Carsten P. Schulze Foto: Carsten P. Schulze

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