Stand: 30.08.2018 09:44 Uhr

Tango Nuevo in der Kunsthalle Rostock

von Matthias Schümann

NDR Kultur geht regelmäßig mit dem Foyerkonzert on Tour. Das heißt: erlesene Musik an ganz besonderen Orten. Am Mittwochabend fand ein solches Konzert in der Kunsthalle Rostock statt. Auf der Bühne stand das Isabelle van Keulen Ensemble, das 2011 von seiner niederländischen Namensgeberin gegründet wurde, und das sich voll und ganz dem Tango widmet, genauer gesagt, dem Tango Nuevo. Dieser Abend stand im Zeichen des Komponisten Astor Piazzolla.

Der Abend beginnt mit dem Libertango, dem wohl berühmtesten Tango, den Astor Piazzolla je geschrieben hat. Er komponierte ihn 1974 und seither ist er sehr oft von sehr vielen Ensembles aufgeführt worden. Das Isabelle van Keulen Ensemble spielt das Stück geräuschvoll und mit viel Schwung. Die Gründerin an der Violine lebt spürbar ihre Leidenschaft für eine Musik, von der sie schon früh, sehr früh sogar infiziert wurde: "Das ist die Langspielplatte, die ich, glaube ich, mit fünf oder sechs Jahren bekam, für Santa Claas bei uns am 5. Dezember. Im Verlauf der Jahre habe ich immer wieder Piazzolla auf meine Wunschzettel geschrieben und so am Ende tatsächlich ganz viel bekommen."

Piazzollas Werke immens fordernd

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Das Isabelle van Keulen Ensemble wurde im Jahr 2011 gegründet.

Isabelle von Keulen ist klassisch ausgebildete Musikerin. Sie tritt weltweit zusammen mit großen Orchestern auf. Beim Tango aber muss sie mitunter das klassische Geigenspiel hinter sich lassen, denn Piazzollas Werke führen die Instrumentalistin an den Rand des musikalisch Möglichen, etwa wenn sie mit dem Bogen hinter dem Steg scharf über die Saiten kratzt.

Im Zentrum des Ensembles sitzt Christian Gerber mit dem Instrument, das den eigentlichen Sound von Piazzolas Tango Nuevo bestimmt, dem Bandoneon. Dessen Geschichte ist schon oft erzählt worden, und doch überrascht immer wieder, dass es zuerst in Sachsen gebaut wurde. Einfach zu spielen ist es auch nicht, erklärt Christian Gerber: "Das ist ein altes Griffsystem, das eben aus dem Rheinland stammt. Man nennt es rheinische Lage, und das sind tatsächlich wechseltönige Instrumente, das heißt, man hat beim Aufziehen eine andere Anordnung der Töne als beim Zudrücken - wie bei einer Mundharmonika."

Das Foyerkonzert in Bildern

Piazzolla hätte Tanzen verboten

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Ludwig Hartmann liest die Fragen des Publikums vor.

Gemeinsam mit Ulrike Payer am Flügel und Isabelle van Keulens Ehemann Rüdiger Ludwig am Kontrabass liefert das Ensemble einen Piazzolla-Querschnitt von melancholisch bis furios.

Zum Foyer-Konzert gehört auch die traditionelle Runde mit Fragen aus dem Publikum. NDR Kultur Musikredakteur Ludwig Hartmann reicht sie gut gelaunt an die Musiker weiter. So will ein Konzertgast wissen: "Darf man Tango tanzen?" Die Antwort aus dem Ensemble: "Jetzt heute hier? Also, wenn Piazzolla da wäre, hätte er mit Sicherheit gesagt: Nein!"

Nach einigen Fragen und Antworten gibt es dann wieder Musik, und auch eine ausgiebige Zugabe erklatschen sich die rund 160 Gäste dieses Abends.

NDR Kultur sendet das Konzert am Sonntag (2.9.) um 18 Uhr.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 30.08.2018 | 06:20 Uhr

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