Stand: 11.03.2020 18:16 Uhr

"Ich fürchte, dass weitere Konzerte ausfallen"

Auch die NDR Radiophilharmonie reagiert auf die Ausbreitung des Coronavirus und hat einige Konzerte verschoben: Betroffen sind die geplanten Filmmusik-Konzerte unter dem Titel "Das Böse". Sie waren für den 19., 20. und 21. März geplant und werden nun im September stattfinden. Ein Gespräch mit dem Orchestermanager Matthias Ilkenhans.

Herr Ilkenhans, was machen Besucherinnen und Besucher mit Karten, die sie bereits gekauft haben?

Matthias Ilkenhans © NDR/ Pascal Strehler Foto: Pascal Strehler
Orchestermanager Matthias Ilkenhans befürchtet, "dass weitere Konzerte verschoben werden müssen oder ausfallen."

Matthias Ilkenhans: Die Karten behalten ihre Gültigkeit. Wer aber bei dem neuen Termin verhindert ist, kann die Karte zurückgeben, und der Preis wird inklusive aller Gebühren erstattet.

Können Sie über die nächste Woche hinausblicken? Wie wird sich die Situation in der NDR Radiophilharmonie weiter entwickeln?

Ilkenhans: Wir sind da sehr gespannt; keiner weiß es. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich die Situation in der nächsten Woche plötzlich verbessert. Deswegen fürchte ich, dass weitere Konzerte verschoben werden müssen oder ausfallen.

Denken Sie vielleicht schon an neue Konzertformate, zum Beispiel Video-on-Demand oder Livestream?

Ilkenhans: Es gibt CD-Produktionen, die wir nach vorne gezogen haben. Aber der Gedanke ist richtig: Wir haben uns auch schon überlegt, wie wir es schaffen können, unser Publikum trotzdem zu erreichen. Da ist Streaming ein Mittel, und wir werden in Ruhe prüfen, inwiefern wir das hinbekommen. Ich habe letztens einen Stream gesehen, in dem das Orchester 90 Minuten lang in der Totalen zu sehen war - und ich kann mir nicht vorstellen, dass das viele Leute schauen. Wenn man so etwas anbietet, muss es auch attraktiv sein.

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Ein "Abgesagt"-Aufkleber auf einem Veranstaltungsposter © picture alliance/APA/picturedesk.com Foto: Karl Schöndorfer

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Wie ist die Stimmung im Orchester? Was macht diese Ungewissheit mit den Musikerinnen und Musikern?

Ilkenhans: Auch der Umbau der Bühne war keine schöne Zeit. Die Musiker wollen spielen - da ist eine große Leistungsbereitschaft und ein Wille da, das Publikum zu erreichen. Das war schon eine schwierige Zeit, und die wird jetzt nicht einfacher. Motivationsprobleme gibt es jedenfalls nicht - die Musiker sind hochwillig und verstehen die Situation.

Inwiefern beeinflusst dieses Auftrittsverbot womöglich die Kunst, das Künstlerische?

Ilkenhans: Auch ein Fußballspiel ohne Publikum ist nicht dasselbe, und das wird bei uns auch so sein. Auch wenn wir es schaffen sollten, zu streamen oder fürs Radio zu produzieren, fehlt da eine ganz wichtige Komponente. Wir sind natürlich ein Konzertorchester und kein Produktionsorchester und irgendwann ist das Orchester nicht mehr sinnvoll zu beschäftigen. Man mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn wir den ersten Corona-Fall unter den Musikerinnen und Musikern haben. Dann wird wahrscheinlich die Hälfte des Orchesters in Quarantäne gehen müssen und der Betrieb ist nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Das Gespräch führte Andrea Schwyzer

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 11.03.2020 | 19:00 Uhr