Stand: 28.02.2020 17:41 Uhr

Coronavirus: Für Hamburgs Theater kein Grund zur Panik

von Margarethe Neubauer

Am Donnerstagabend wurde in Hamburg die erste Infektion mit dem Coronavirus bekannt. Übertragen wird das Virus von Mensch zu Mensch. In den Hamburger Theatern und Konzertsälen kommen jeden Abend Hunderte Menschen auf engstem Raum zusammen, bezahlen dicht gedrängt ihre Pausenbrezeln an der Bar.  Was bedeutet die Epidemie nun für die Kulturorte? Margarethe Neubauer mit Stimmen aus der Szene:

Der Eingang zum Ohnsorg Theater im Hamburger Bieberhaus © NDR Foto: Petra Volquardsen
Die Hamburger Theater verlassen sich auf die offiziellen Informationen der Behörden.

Im Ohnsorg Theater steht am Sonntag die Premiere von "Champagner to’n Fröhstück" an. Intendant Michael Lang sieht die Aufführung nicht in Gefahr: "Im Moment ist es so, dass nicht empfohlen wird, ausdrücklich, Großveranstaltungen, abzusagen. Wir gehen davon aus, dass wir im Moment unsere Vorstellungen ganz normal spielen werden."

Wie das Ohnsorg Theater verlassen sich viele Bühnen in Hamburg auf die offiziellen Informationen der Behörden. Allen voran denen des Robert-Koch-Instituts. Das Institut ist die zentrale Forschungsstelle für Infektionskrankheiten in Deutschland und mahnt bisher vor allem zu gründlicher Hygiene.

Mehr! Theater stellt Desinfektionsmittel zur Verfügung

Das Mehr! Theater nimmt sich die Hinweise schon für die Vorpremieren von "Harry Potter" zu Herzen. "Wir haben überall in unserem Theater Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, das betrifft die Besucher genau wie unser gesamtes Personal", sagt Pressesprecherin Julia Reichel. "Auch unsere Mitarbeiter werden verstärkt über erforderliche Hygienemaßnahmen aufgeklärt."

Türklinken, Tresen und Toiletten sollen nun öfter gereinigt werden. Und die Besucher finden online eine Art Corona-Knigge:  Hände waschen, in die eigene Armbeuge niesen. Wie in jeder herkömmlichen Grippesaison. "Wer in den Premieren oder in Veranstaltungen rumhustet, der gehört grundsätzlich schonmal nicht ins Theater", sagt Ohnsorg-Chef Michael Lang. "Von daher liegt es auch in jedem einzelnen Verantwortungsbereich - gehe ich nun zu einer Veranstaltung oder nicht."

Coronavirus: Die Nervosität vor dem Unbekannten

Das Robert-Koch-Institut schätzt die Gefahr durch das neuartige Virus für Deutschland aktuell als eher gering ein. "Es ist tatsächlich so, dass ich immer wieder die Grippezahlen dagegenhalte, die so viel größer sind, mit so deutlich mehr Toten", sagt Karin Beier, Intendantin des Deutschen Schauspielhauses. "Ich glaube, was uns alle nervös macht, ist, dass wir es nicht kennen."

Die Hamburger Theatermacher bleiben auch nach dem ersten bestätigten Fall am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erst einmal gelassen. Bisher werden in Hamburg alle geplanten Theatervorstellungen und Konzerte wie angekündigt stattfinden. Möglicherweise mit längeren Schlangen vor den Waschbecken und Seifenspendern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.02.2020 | 19:00 Uhr