Daniel Karasek, Generalintendant am Theater Kiel auf der Bühne bei Proben zum Corona-Stück "Balkonien" an der Oper Kiel

Test-Öffnungen der Kultur in SH: Vorverkauf beginnt

Stand: 14.04.2021 18:00 Uhr

Ab dem 19. April dürfen 13 Kultureinrichtungen in Schleswig-Holstein bis Ende Mai öffnen, der Online-Vorverkauf hat zum Teil begonnen, etwa im Theater Kiel. Mehr zu Spielplänen und Reaktionen aus dem Norden.

Daniel Karasek, Generalintendant am Theater Kiel auf der Bühne bei Proben zum Corona-Stück "Balkonien" an der Oper Kiel
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von Anina Pommerenke und Constantin Gill

Die Modell-Öffnungen gelten nur, solange die Sieben-Tage-Inzidenz vor Ort unter 100 bleibt. Ein tagesaktueller, negativer Corona-Test nebst Tragen einer Maske ist für alle Veranstaltungen Pflicht, darüber hat die Landesregierung hat am Dienstag für die Kulturöffnungen ab 19. April informiert. Die 13 ausgewählten Modell-Einrichtungen aus ingesamt 40 Bewerbungen sind in Rendsburg, Kiel, Lübeck, Flensburg, Reinbek, Laboe, Lütjenburg und Brunsbüttel. Theater, Opernbesuche, Kinoabende: All das wird dann vereinzelt wieder möglich sein.

"Land Schleswig Holstein: Kontaktnachverfolgung ist entscheidend"

Bei der Auswahl ging es vor allem darum, ob das Konzept der Bewerber stimmt. Kulturministerin Karin Prien erklärt: "Eine verbindliche Strategie zur Kontaktnachverfolgung auf digitaler Basis musste gewährleistet sein. Wir haben keine künstlerische Auswahl getroffen, es war also keine klassische Jury-Entscheidung, wie wir sie aus sonst dem Kulturbereich kennen."

Daniel Karasek, Generalintendant am Theater Kiel auf der Bühne bei Proben zum Corona-Stück "Balkonien" an der Oper Kiel
Daniel Karasek, Generalintendant in Kiel, kommt das Modellprojekt sehr gelegen.

Für die Kulturschaffenden etwa am Theater Kiel bedeutet das nun, Hoffnung auf ein Stück Normalität - aber auch neue Herausforderungen. "Das ist mit einer Heidenarbeit verbunden", sagt Daniel Karasek, Generalintendant am Theater Kiel. "Ich habe mir in meinem Leben nicht vorgestellt, dass ich jetzt so viel über Hygiene, über Zufahrtswege, wer wo gehen, wo stehen darf wissen muss. Wie welcher Künstler stehen muss, damit der andere singen kann, damit der Hornist sein Horn spielen kann und so, - also das sind ganze Verkehrspläne", so Karasek. Diese würden einem vielleicht in ferner Zukunft absurd vorkommen werden, seien aber momentan lebensnotwendig, damit die Dinge irgendwie funktionierten. Absurd sei es aber auch, wie lange die Schauspieler schon auf ihr Publikum verzichten mussten. Das Modellprojekt kommt da sehr gelegen: "Das ist für uns ein großes Glück, dass wir jetzt die Möglichkeit erhalten, sozusagen test-technisch, im doppelten Sinne, einen Weg in die Normalität zurückzufinden oder zu erproben", sagt Karasek.

Das Kieler Theater hat mit Vorverkauf begonnen

Das Kieler Theater startet gleich mit drei Spielstätten - und vollem Programm, so Karasek. "Wir sind wild entschlossen einen möglichst breiten, normalen Spielplan anzubieten." Der Vorverkauf ist um 10 Uhr gestartet auf der Seite des Theaters Kiel. Dort war man schneller als zum Beispiel bei der Niederdeutschen Bühne Flensburg oder dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Dort gibt es noch keine Infos online, wie es jetzt weitergeht. Besucher bekommen nur ihr Ticket, wenn sie einen negativen Test vorweisen. Kontakte werden digital nachverfolgt. Und die Projekte werden wissenschaftlich begleitet. Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder einem Kreis über 100, wird das Projekt abgebrochen - vom Gesundheitsamt.

Auswirkung auf Corona-Infektionsgeschehen: "Modellprojekte werden evaluiert"

Die Politik erhofft sich von den Modellprojekten Erkenntnisse darüber, was in Pandemiezeiten geht - und was nicht. Kulturministerin Prien nennt noch ein weiteres Ziel: "Wir wollen sehen, wie reagiert eigentlich unser Publikum? Was machen diese besonderen Rahmenbedingungen mit den Menschen, die ins Theater gehen oder ins Konzert gehen? Auch das wollen wir uns anschauen, wie resistent die Menschen sind, wenn es darum geht, eben die besonderen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen einhalten zu müssen, um den Kulturgenuss wahrnehmen zu können." Die Frage sei: "Was können wir unseren Zuschauern zumuten? Das wird ein weiterer Aspekt sein", so Prien.

Benjamin Reiners: "Wir alle freuen uns tierisch!"

Kiels Generalmusikdirektor Benjamin Reiners hat im Gespräch mit NDR Kultur erzählt, wie er sich gefühlt hat, als er die gute Nachricht bekommen habe: "Ich freue mich einfach wahnsinnig. Das ist das, worauf wir jetzt viele Wochen und Monate hingearbeitet haben." Nachdem sie in letzter Zeit immer nur für Mikrofone oder Videokameras gespielt hätten, komme endlich der Moment, dass das Publikum wieder in greifbare Nähe rücke. "Ich kann einfach nur sagen, wir alle freuen uns tierisch! Ich habe schon ganz viele Nachrichten von meinen Musikern, Kolleginnen und Kollegen bekommen. Alle sind ganz heiß drauf, endlich wieder für unser Publikum zu spielen!"

Der Modell-Zeitraum geht bis Ende Mai. In Kiel werden alle fünf Sparten des Theaters mit Produktionen an den Start gehen, teils mit bekannten Produktion aus dem vergangenen Herbst, aber auch mit Premieren. "Natürlich. Wir sind vorbereitet. Wir haben die ganzen letzten Wochen ganz viel probiert und produziert und haben natürlich einen Spielplan erstellt für dieses Pilotprojekt. Bei uns wird es direkt am nächsten Dienstag im Opernhaus losgehen. Mit einer echten Premiere, einer Operettengala zum 'Vetter aus Dingsda'. Für unser Philharmonisches Orchester Kiel geht es direkt dann auch am nächsten Wochenende weiter mit einem Sonder-Philharmonischen Konzertprogramm mit tollen Werken von Beethoven und Emilie Mayer," sagt Reiners.

Diese Aufführungen für April und Mai am Theaters Kiel stehen fest:

  • "Der Vetter aus Dingsda", Operette von Eduard Künneke, am Dienstag, 20. April im Opernhaus
  • "Bin nebenan. Monologe für Zuhause" von Ingrid Lausund, am Freitag, 23. April im Schauspielhaus
  • "Herzensstücke", Ballett von Yaroslav Ivanenko, am Sonnabend, 24. April im Opernhaus
  • "Stepping Forward #Junge Choreograf*innen" Tanzabend, am Mittwoch, 28. April im Opernhaus
  • "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" von Adam Long, Daniel Singer, Jess Winfield, am Samstag, 8. Mai im Schauspielhaus
  • Gastspiel-Premiere "Dirk Schäfer: Hinter den Wölfen", am Donnerstag, 13. Mai im Schauspielhaus
  • "Anatevka", Musical von Jerry Bock, am Sonntag, 30. Mai im Opernhaus

Volkstheater Rostock - Öffnungen ungewiss

Ein Blick auf die Hansestadt Rostock zeigt allerdings, dass es auch anders laufen kann, als geplant. Rostock galt bisher ein bisschen als die Vorzeigestadt in der Pandemie mit einer extrem niedrigen Inzidenz. Nun ist aber auch dort der Wert auf über 100 gestiegen. Am Volkstheater wollte man am Freitag eigentlich mit dem Schauspiel "Die Marquise von O." Premiere feiern. Am Sonnabend sollte die Oper "Das schlaue Füchslein" folgen. Auf Nachfrage von NDR Kultur wusste man dort am Mittwoch aber nicht, ob die Premieren stattfinden könnten - oder abgesagt werden müssen. Aktuell können sich Interessierte für die Vorstellung auf der Internetseite des Theaters nur auf eine Warteliste eintragen lassen.

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Der Kleine Kiel mit dem Opernhaus und dem Rathausturm im Hintergrund © NDR Foto: Berit Ladewig

Kulturpartner: Theater Kiel

Mit den fünf eigenproduzierenden Sparten, drei verschiedenen Theaterhäusern und zirka 500 Beschäftigten gehört das Theater Kiel zu den großen Theatern in Deutschland. extern

Das Große Haus des Volkstheaters Rostock © dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner

Kulturpartner: Volkstheater Rostock

Das Volkstheater Rostock ist Kulturpartner von NDR Kultur. Aktuelle Informationen und Aktionen finden Sie hier. extern

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Die Tische in der Bar im Kieler Luna Club sind besetzt. © NDR Foto: Maja Bahtijarević

Corona-Lockerungen: Kiel hält an Modellversuchen fest

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 14.04.2021 | 07:40 Uhr