Katharina Adam sitzt an ihrem schwarzen Klavier, hat die Hände auf der Tastatur und lächelt in die Kamera. © Helgard Füchsel /NDR Foto: Helgard Füchsel

Corona erschwerte Musikerin Katharina Adam die Arbeit

Stand: 04.01.2022 12:38 Uhr

Katharina Adam ist Musikgeragogin und wohnt in Oldenburg. Sie musiziert und singt zusammen mit Menschen im höheren Lebensalter in Pflegeeinrichtungen und Seniorenwohngemeinschaften und ist darüber hinaus als Sängerin und Chorleiterin tätig.

von Helgard Füchsel

Wenn Katharina Adam mit ihrer Band auftritt, dann fangen selbst 90-jährige an zu tanzen. Die junge Frau versprüht Lebensfreude mit ihrem fröhlichen Blick und motiviert zum Mitmachen. Konzerte sind nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit. Sie lebt hauptsächlich von ihren Musik-Gruppenstunden in Seniorenheimen oder Wohngemeinschaften für ältere Menschen. Seit dem Sommer 2021 darf die 30-Jährige wieder in den Heimen arbeiten. Das sei aber anstrengender als vor der Pandemie.

Wie war dieses Jahr für Sie?

Katharina Adam: Das Jahr 2021 verlief im Großen und Ganzen für mich besser als 2020. Durch den ersten massiven Lockdown ab März 2020 gab es für uns Kulturschaffenden und für mich als Musikgeragogin, die in den Pflegeeinrichtungen arbeitet, keine Arbeitsperspektive mehr. Wir wurden nicht mehr zu den Senioren gelassen und wir hatten noch keinen Impfstoff, der einen gewissen Schutz hätte bieten können. Erst im Sommer 2021 durfte ich wieder arbeiten.

Was hat Ihnen Kraft gegeben? 

Adam: Seltsamerweise war es nicht die Musik, die mir Kraft gegeben hat. Vielmehr war ich oft in der Natur - dazu komme ich sonst nur selten. Auch Sport habe ich wieder mehr machen können. Ebenso Gartenarbeit. Weiterhin haben mich Kontakte zu Freunden und Kollegen aufgebaut. Das hat mir Kraft und Mut gegeben, weiterzumachen. Außerdem habe ich eine Spende vom Lions Club Oldenburg bekommen. Zu diesem Zeitpunkt war mein finanzielles Polster schon mehr als aufgebraucht. Wie es sich anfühlt, wenn man dann so eine Nachricht erhält und weiß, dass man seine Miete erstmal wieder bezahlen kann, ist nur nachvollziehbar, wenn man schon einmal in so einer bedrückenden Lage war.

Wie geht es Ihnen rund um den Jahreswechsel?   

Adam: Der Alltag mit den Senioren in den Pflegeeinrichtungen ist anstrengender geworden. Die Senioren sind passiver und schwerer zu motivieren. Außerdem habe ich die Sorge, dass wegen neuer Virusvarianten wieder alles schließen muss. Was mir darüberhinaus zu schaffen macht, ist, dass ich möglicherweise die staatlichen Hilfen anteilig zurückzahlen muss. Dabei habe ich noch keine erneuten Reserven aufbauen können.

Was macht Ihnen Mut?

Adam: Mut macht mir auf jeden Fall, dass sich nun doch immer mehr Menschen impfen lassen. Man fühlt sich ein Stück weit sicherer, auch wenn diese Impfung nicht den vollen Schutz bietet, den wir vielleicht bräuchten. Dadurch, dass ich mich hab impfen und boostern lassen, kann ich glücklicherweise auch weiterhin als ambulanter Dienstleister in einigen Pflegeeinrichtungen arbeiten. Außerdem habe ich Pläne für das neue Jahr. Chorkonzerte, intergenerative Projekte sowie ein Mimachkonzert für Menschen mit geistigen und körperlichen Einschränkungen sind angedacht. Möglicherweise wird aus den Mitmachkonzerten sogar eine Konzertreihe.

Diese Projekte, die jetzt anstehen, lassen mich auch positiv auf 2022 blicken und ich hoffe es wird ein guter Sommer, dass wir wieder draußen Musik machen können.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kultur trotz Corona | 04.01.2022 | 06:40 Uhr