Stand: 09.07.2020 16:49 Uhr  - NDR Kultur

Niedersachsens Tänzer wollen wieder auf die Bühne

Die Tanzschaffenden in Niedersachsen fordern in einer gemeinsamen Petition: Lasst uns endlich wieder tanzen - die Corona-Einschränkungen bringen uns um unsere Existenz! Einer der Federführer der Aktion ist Christian Bloßfeld, der stellvertretende Direktor des Staatsballetts Hannover.

Herr Bloßfeld, allen Kulturschaffenden, die auf Publikum angewiesen sind, steht mit der Corona-Krise seit Mitte März das Wasser Oberkante Unterlippe. Alle wollen wieder auf die Bühne und brauchen auch ein Publikum. Sie sagen, bei Ihnen sei es besonders hart - warum?

Bild vergrößern
"Die Tänzer möchten tanzen und haben gefragt, was sie tun können, um unsere Situation zu verbessern", berichtet Christian Bloßfeld.

Christian Bloßfeld: Ich bin der Meinung, dass wir eine der wenigen Berufsgruppen sind, die auf Körperkontakt angewiesen ist. Ich kann im Büro Abstand halten. Wenn ich einkaufen gehe, kann ich Abstand halten und eine Maske tragen - aber beim Tanz wird es sehr schwer.

Sie sagen, jede Tänzerin und jeder Tänzer sollte lieber eigenverantwortlich handeln. Aber eine Pandemie ist keine Privatangelegenheit, oder?

Bloßfeld: Ja, da haben Sie natürlich vollkommen Recht. Aber es kommen Tänzer auf mich zu und bitten mich, eine Möglichkeit zu finden, von den jetzigen Regeln zu einer Verbesserung zu kommen. In Ballettschulen muss man zum Beispiel nur 1,50 Meter Abstand halten - wir müssen sechs Meter Abstand halten. Das sind Dimension, wo auch das Choreografieren schwierig wird. Wir haben das Training von einer auf drei Einheiten pro Tag aufgestockt. Wir haben das Glück, große Studios zu haben. Das heißt aber auch, dass es für andere Tanzschaffende, die nicht diese großen Studios haben, noch schwieriger ist.

In Ihrer Petition schreiben Sie, dass aufgrund der üblichen Produktionsbedingungen die Gemeinschaft einer Kompanie einer Familie ähnelt. Sie gehen aber auch raus und treffen andere Menschen. Ignorieren Sie dabei nicht ein bisschen die virologischen Gegebenheiten, die wir im Moment haben?

Weitere Informationen

Corona-Regeln für die Kultur: Theater auf, Clubs dicht

In Hamburg dürfen nach Museen und Galerien nun auch Theater, Opern, Konzerthäuser und Musicaltheater öffnen. Clubs und Diskotheken bleiben allerdings geschlossen. Ein Überblick. mehr

Bloßfeld: Wir ignorieren das auf keinen Fall. Wir haben strenge Hygiene- und Abstandsregeln bei uns im Haus. Unsere Tänzerinnen und Tänzer werden aufgefordert, dies auch außerhalb des Hauses weiter anzunehmen. Im Haus herrscht bei uns Maskenpflicht und man findet überall Desinfektionsmöglichkeiten. Das, was wir in der Petition beschreiben, ist der Zustand, den wir zum Arbeiten brauchen. Das heißt ja nicht, dass wir die Regeln komplett außer Kraft setzen würden.

Mit "Familie" meinen wir, dass ein bestimmter Mikrokosmos bei uns herrscht. Aus Kollegen werden oft auch Freunde - der innere Zirkel ist bei uns sehr wichtig. Natürlich gibt es Kontakt nach außen. Ich möchte gar nicht sagen wir, dass wir dadurch hundertprozentig sicher sind. Aber bei uns herrscht eine sehr hohe Disziplin. Die Tänzer möchten tanzen und haben gefragt, was sie tun können, um unsere Situation zu verbessern.

Sie fürchten, dass der Tanz zu einem "verzichtbaren Luxus" erklärt werden könnte. Warum so negativ?

Bloßfeld: Weil wir beobachten, dass die Lockerungen im Alltag viel weiter gehen als bei uns im Theater. Unsere Empfehlungen hinken meistens ein paar Monate hinterher. Es ist schwierig, Soli und Duette zu choreografieren - und nach einer Weile ist der kreative Raum aufgebraucht. Für uns ist es wichtig, dass wir diesen kreativen Raum haben. Tanz lebt von Körpernähe, er drückt viel dadurch aus, gibt Emotionen wieder. Für die Zukunft ist es wichtig, dass wir wieder die Möglichkeit haben, zu dieser Kunstform zurückzukehren, weil es sehr limitiert ist, was im Augenblick dargeboten werden kann.

Das Gespräch führte Jürgen Deppe.

Ein Mikrofon liegt auf einem Mischpult. © NDR Foto: Gitte Alpen

Niedersachsens Tänzer wollen wieder auf die Bühne

NDR Kultur - Journal Gespräch -

Die Tanzschaffenden in Niedersachsen fordern in einer Petition, wieder auftreten zu dürfen. Ein Gespräch mit dem stellvertretenden Direktor des Staatsballetts Hannover, Christian Bloßfeld.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 09.07.2020 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

03:09
Hamburg Journal
03:00
Hallo Niedersachsen