Eine Frau mit Mundschutz betrachtet in einer Ausstellung ein Bild. © photocase Foto: Hugo

Corona-Maßnahmen: Auch Museen müssen schließen

Stand: 02.11.2020 12:45 Uhr

Mit den neuen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie müssen auch die Museen in Deutschland schließen. Was die Museumsmacher zu diesem erneuten Herunterfahren sagen - Meinungen und Kommentare.

von Susanne Birkner

Dass auch Museen wieder schließen müssen, war zunächst nicht klar, weil sie in der Vereinbarung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten nicht ausdrücklich erwähnt sind.

Aber dann wurde deutlich gemacht: Museen fallen unter Freizeit, nicht unter Bildung. "Man hat das Gefühl, man wird immer hinter die Wirtschaft zurückgestellt", klagt der Präsident des Deutschen Museumsbunds Eckart Köhne. Und Museen eine Freizeiteinrichtung? Man sei viel mehr, so Köhne: "Wir sind Bildungsinstitutionen, wir vermitteln zwischen Wissenschaft und den Bürgerinnen und Bürgern, wir bewahren kulturelles Erbe. Wir sind weit mehr, als nur ein Appendix der Freizeitkultur, und es wäre schön, wenn die Politik das einsieht und dementsprechend handelt."

Museen als sichere und Trost spendende Orte

Und bei jedem Verständnis für die Maßnahmen: Die Museen seien sicher, so Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle, und Marion Schael, Geschäftsführerin des Kunstmuseums Ahrenshoop. "Das ist jetzt aber natürlich erst mal Psychologie. Das soll allen Menschen deutlich machen, wie dringend die Situation ist", interpretiert Klar die harten Maßnahmen. "Dass wir nicht gemeint sind, weil bei uns irgendwelche Superspreader-Events oder Kontakte stattgefunden haben, die die Pandemie vorwärtsgetrieben haben, das wissen wir alle."

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Marion Schael verweist auf die Bedeutung der Kultur gerade in schlechten Zeiten wie diesen: "Wir haben Türen, die man öffnen kann, bei uns kann man ausreichend Abstand halten. Die Kunst und Kultur so komplett aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen, halte ich für bedenklich. Viele Menschen brauchen uns auch als Anker in dieser trostlosen und tristen Zeit."

Kunsthalle Hamburg: "Wir kehren auf Null zurück"

Zwei Millionen Euro Minus war die Prognose der Hamburger Kunsthalle nach dem sechswöchigen Shutdown im März. Doch dann ging es aufwärts. Und insbesondere seit September hatte man wieder sehr gute Besucherzahlen, bis zu 1.700 täglich in der Spitze, erzählt Alexander Klar. "Teilweise waren wir, wo wir vor Corona waren, deswegen entspannten wir uns. Jetzt kehren wir wieder ein bisschen auf Null zurück, aber diese Zwei-Millionen-Defizit-Prognose ist nicht unwahrscheinlich", so der Kunsthallen-Direktor.

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Die Besucher hätten sich besonnen verhalten, Masken getragen und Abstand gehalten. Aber: "Wir konnten das Kommen der Maßnahmen wie bei einem Fieberthermometer erkennen." Wie im März seien seit einer Woche die Besucherzahlen kontinuierlich am Sinken gewesen. "Was für mich übrigens ein ganzes starkes Argument dafür ist, dass man nicht alles immer so heftig regeln muss", meint Klar.

Angst vor Sparrunden

Die Krise trifft die Museen nicht ganz so hart, wie etwa die Kinos oder Clubs. Sie durften bereits nach sechs Wochen im Mai wieder aufmachen und bieten viel Platz und Bewegungsspielräume. Einige Kommunen haben allerdings bereits ihre Stadtmuseen dichtgemacht.

Außerdem haben einige Museen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. "Auch das halte ich für ganz problematisch, weil eben Museumsarbeit nicht nur Publikumsarbeit ist. Die Sammlungen sind zu erhalten, man muss sie konservatorisch betreuen", sagt Eckart Köhne. "Unsere große Sorge ist vor allem die Zeit danach. Denn wir werden sicher die eine oder andere Sparrunde erleben, und wir machen immer wieder die Erfahrung, dass man an der Kultur besonders gerne spart."

Klar: "Gesellschaft gründet sich auf Kunst und Kultur"

"Dass wir bei der Verlautbarung der Bundeskanzlerin vergessen werden, das hat die gesamte Kulturgemeinde zumindest mal zum Augenbrauen hochziehen gebracht", meint Klar und betont: "Unsere Gesellschaft gründet sich auf Kunst und Kultur. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das erste, was die Menschen wieder haben wollten - nach dem Essen - die Aufführung ihrer Sinfonieorchester. Damit wollten sie sich selbst zeigen, dass sie noch eine kulturelle Gesellschaft sind. Dass das jetzt während der Pandemie so aus den Augen verloren wird, das ist schon ein Zeichen einer sehr schlechten Zeit."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 02.11.2020 | 15:55 Uhr