Stand: 28.03.2020 09:53 Uhr  - Hamburg Journal

Corona-Krise: Filmbranche vor großen Problemen

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Verschlossene Türen auch beim Abaton Kino im Hamburger Grindelviertel.

Es ist nun elf Tage her, dass in Hamburg die Kinos geschlossen wurden. Wie ausgestorben ist es rund um das Abaton im Hamburger Grindelviertel. "Wir haben unsere Mitarbeiter alle nach Hause geschickt, bezahlen sie weiter und hoffen, dass wir da Unterstützung vom Senat und von der Bundesregierung bekommen", sagt Felix Grassmann vom Abaton Kino.

Filmstarts nun auf Streaming-Plattformen

Anders als Theater oder Musiker können die Kinos für ihr Publikum nicht online gehen, denn das erledigen ihre größten Konkurrenten, die Streamingdienste. Manche Filmstarts finden nun dort statt. "Das ist schon bitter. Üblicherweise verdienen wir das Geld, das wir brauchen, um die Sommermonate zu überstehen, von Januar bis April. Das heißt, wir haben viele Monate mit Einnahmeausfällen vor uns. Wie wir das überstehen sollen, ist im Moment noch unklar", sagt Grassmann.

 

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat in einer Umfrage ermittelt, wie die Branche in der Region ihre Situation einschätzt. "Besonders im Kino-Bereich sieht es verheerend aus. Ungefähr die Hälfte der Hamburger Kinos sagt uns, dass sie nach circa vier Wochen in existenzbedrohliche Situationen kommen. Etwa drei Viertel der Kinos sagen, dass das ab acht Wochen Stillstand der Fall ist. Da ist dringend Handlungsbedarf, um die Kinolandschaft in Hamburg zu erhalten", sagt Helge Albers von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein.

Dreharbeiten im öffentlichen Raum sind untersagt

Auch Filmproduzenten sind betroffen. Dreharbeiten sind im öffentlichen Raum durch die Allgemeinverfügung inzwischen untersagt. Solche Regelungen sind entscheidend, um Ansprüche auf neue Finanzierungshilfen geltend zu machen. "Wir haben jetzt überall Produktionsstillstand und sind jetzt auf der Suche, wie wir für jedes einzelne Projekt, für jeden einzelnen Mitarbeiter eine gute Lösung finden können. Das ist natürlich existenzbedrohlich für viele Mitarbeiter - und insbesondere unsere freien Mitarbeiter", sagt Michael Lehmann von der Studio Hamburg Produktion Gruppe.

Unsichere Zeiten für Schauspieler

Allein die von Studio Hamburg abgesagten Dreharbeiten betreffen ein Produktionsbudget von 25 Millionen Euro, die Auswirkungen sind noch nicht zu beziffern. Denn niemand weiß, wie lange der Ausstand dauern wird. "Wenn wir den Aussagen der Virologen Glauben schenken, dann wird es ja noch lange gehen. Und dann sind wir nun mal eine Kontaktbranche. Wie soll denn eine Liebesszene aussehen, wenn wir sie drehen wollen? Wir müssen ja auch den Schauspielern Gewissheit geben, dass sie in einer sicheren Situation sind", sagt Lehmann.

Ein Rettungsschirm wird gebraucht

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Damit die Kinos überleben können, brauchen sie finanzielle Unterstützung.

Wenn das Licht also nicht endgültig ausgehen soll, braucht die Branche einen geeigneten und soliden Rettungsschirm. "Es ist völlig klar, dass geholfen werden muss. Wir als Förderung stehen da natürlich auch in der Pflicht. Wir haben Maßnahmen diskutiert, die gerade abgestimmt werden", sagt Albers von der Filmförderung.

Hilfspaket soll Kinos retten

Bundes- und Länderförderungen haben ein Hilfspaket von 15 Millionen Euro geschnürt, regionale Unterstützung soll noch hinzukommen. So ist Hans-Peter Jansen, der unter anderem das Studio Kino, das Blankenese Kino und das Koralle betreibt optimistisch, denn er will seine sechs Kinos auf jeden Fall weiterführen. "Ich habe noch nie ein Kino geschlossen. Und das wird auch in diesem Fall nicht passieren. Das schafft auch Corona nicht", sagt der Kinobetreiber.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.03.2020 | 19:30 Uhr

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