Stand: 20.05.2020 16:54 Uhr

Hamburger Privattheater erfahren große Solidarität

von Peter Helling

Die Theater Hamburgs sind wegen der Corona-Pandemie bis Ende Juni geschlossen. Die staatlichen Bühnen müssen sich weniger Sorgen machen, sie erhalten reguläre Unterstützung. Aber wie geht es den privaten Theatern?

Beim zweiten Hamburger „Plattdüütsch Dag“ tritt die plattdeutsche Musikszene im Imperial Theater auf.  Foto: Lisa Marie Lechner
Das Imperial Theater ist bei seinen Fans vor allem für seine Krimi-Inszenierungen beliebt.

Ein echter Schirm mit Geld und guten Wünschen drin, so kreativ wird das Imperial Theater unterstützt. Das Theater an der Reeperbahn ist bekannt für seine liebevollen und spannenden Bühnenkrimis. Da purzelt schon mal ein Kopf, oder es fällt eine Leiche aus einem Sarg. Unterkriegen lassen sich Leiter Frank Thannhäuser und seine knapp 30 Kollegen vom Coronavirus nicht: "Mich in irgendeine dunkle Kiste legen, das ist nicht meine Art". Er freut sich über die Solidarität, die er und sein Team derzeit oft erfahren.

Britta Duah, die Intendantin des Winterhuder Fährhauses, ist von ihrem Publikum ebenfalls begeistert: "Da gab es schon Abonnenten, die angerufen haben und sagten 'Wissen Sie was? Sie können mir gerne eine volle Rechnung schicken, ich spende die letzten drei Vorstellungen.'"

Fährhaus und Imperial Theater stolz auf Eigenständigkeit

Das Theater Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg. © Thomas Huang Foto: Thomas Huang
Das Winterhuder Fährhaus war bislang noch nie auf öffentliche Unterstützung angewiesen. In der Corona-Krise wird es zum ersten Mal von der Stadt Hamburg unterstützt.

Das Imperial Theater und das Winterhuder Fährhaus kamen bislang ohne Förderung aus und darauf legt Thannhäuser wert:"Wir sind eigentlich auch stolz darauf, dass wir 25 Jahre nicht auf öffentliche Gelder angewiesen waren." Die beiden Theater finanzieren sich in aller erster Linie aus ihren Einnahmen. Dann kam Corona und die Einnahmen fuhren auf Null. "Im ersten Moment war das ein Gefühl, als würde man von einem ICE überfahren werden, der nicht gebremst hat", sagt Duah.

Das Fährhaus produziert nicht nur selbst, sondern übernimmt vor allem Inszenierungen der Mutterbühne, dem Berliner Theater am Kurfürstendamm. Deswegen erhält es im Normallfall auch keine Förderungen von der Stadt Hamburg.

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Kulturbehörde ist Helfer in der Not

Sowohl Duah als auch Thannhäuser sind begeistert über die Unterstützung der Kulturbehörde in diesen schwierigen Zeiten. "Es ist so, dass die Kulturbehörde enorm generös uns gegenüber war und uns wirklich aus der Patsche hilft", sagt Thannhäuser. Vom ersten Augenblick an hatte man das Gefühl, dass die Kulturbehörde auch zu den privaten Theatern steht."

Für das Fährhaus ist es die erste städtische Förderung überhaupt. In beiden Häusern sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Unterstützung durch die Stadt konnte die Fixkosten abfangen, Strom, Miete, auch Gehälter.

Kosten bei teilweiser Wiederaufnahme hoch

Eine schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Sommer würde für die Bühnen aber wohl mehr Kosten als Nutzen bedeuten. Denn ein nur teilweise geöffnetes Theater kostet umso mehr. Britta Duah wünscht sich daher fast, dass der Spielbetrieb erst im September wiederaufgenommen wird.

Denn Auflagen werden in jedem Fall kommen. Beide Häuser wollen abwarten und auf Sicht fahren. "Nichts ist schlimmer als aufzumachen und wieder zuzumachen", sagt Thannhäuser. Das Imperial Theater habe in den letzten Jahren sparsam gearbeitet, das Geld reiche noch bis Jahresende, dann aber seien alle Rücklagen aufgebraucht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.05.2020 | 19:00 Uhr