Stand: 22.08.2019 14:34 Uhr

Comeback eines Spieleklassikers

von Anina Pommerenke

Ob Computer- oder Videospiele - Hunderte begeisterte Gamer daddeln zurzeit in Köln auf der Gamescon, was der Spielemarkt hergibt. Da wirkt ein aktueller Trend fast ein bisschen anachronistisch. Die ganz analogen Pen-and-Paper-Spiele erfreuen sich gerade größter Beliebtheit. Für die braucht man, wie der Name schon vermuten lässt, nicht viel mehr als Stift und Papier. Über das Comeback eines 80er-Jahre-Phänomens.

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Leon Thöle vom Explorers Pack übernimmt die Spielleitung bei Dungeon and Dragons.

Konzentriert lauschen die sechs Mitspieler der Gruppe Explorer's Pack ihrem Spielleiter Leon Thöle. Er bereitet sie auf ihre nächste Aufgabe in der Fantasie-Welt von "Dungeons and Dragons" vor, so wie jeden Sonntag, wenn die Gruppe in einem kleinen Kellerstudio in Stapelfeld in Schleswig-Holstein zusammenkommt, um gemeinsam "Pen-and-Paper"-Spiele zu zocken: "Also, im Endeffekt ist es eine Mischung aus Impro-Theater und Gesellschaftsspiel. Man spielt eine Figur, die sich in einer Welt bewegt, die nur in den Köpfen der Beteiligten und im Regelbuch existiert. Man würfelt und es gibt gewissen Regeln, um Interaktionen Form zu geben."

Ein Parallel-Universum in den Köpfen der Spieler

Justus Beckmanns Figur ist ein 1,40 Meter großer, grüner Goblin, also ein kleines, grünes Fabelwesen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern, darunter zwei Halb-Elfen, eine Elfe und ein Mensch, versucht er, im Sinne seines Charakters auf die Aufgaben des Spielleiters zu reagieren. Der beschreibt die Welt und was den Spielfiguren widerfährt. Und er verkörpert auch alle weiteren Figuren, denen die Gruppe auf ihrer Reise begegnet.

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Würfel beim Dungeon and Dragons Pen-and-Paper-Spiel.

Den Spielverlauf hält der Spielleiter mit Stift und Papier fest. Als Element des Chaos gibt es noch Würfel, die zum Beispiel entscheiden, ob eine Aktion erfolgreich ist oder scheitert. Ausgangspunkt für so eine Kampagne ist meist ein sehr begrenzter Ort. Doch nach und nach wächst die Fantasie-Welt immer weiter - manche Gruppen spielen ihre Kampagnen über Jahrzehnte, und so entsteht in den Köpfen der Mitspieler ein riesiges Parallel-Universum.

 Einstiegsdroge für Satanismus?

"Dungeon and Dragons" gilt als erstes "Pen-and-Paper"-Spiel. Es kommt aus den USA, die erste deutsche Version gab es 1983. Allerdings wurde das Spiel erst einmal mit Argwohn betrachtet, erinnert sich Justus Beckmann. Es stand unter Verdacht, eine Einstiegsdroge für den Satanismus zu sein: "Das wurde in den Medien sehr stark aufgegriffen und zu einem Fernsehfilm verarbeitet - das war lange in den Köpfen der Leute. Auch in denen meiner Eltern, die mich dann gefragt haben, was wir denn da eigentlich machen? Ob das denn was Gefährliches oder Religiöses sei - und das war sehr schwer zu erklären - mit 14."

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Jeden Sonntag trifft sich die Explorer's Pack-Gruppe zum Spielen.

Mittlerweile sei die Szene größer und vielfältiger geworden, findet Beckmann. Er habe in den vergangenen 25 Jahren schon mit allen möglichen Leuten quer durch alle gesellschaftlichen Schichten gespielt. Das mag auch daran liegen, dass die Spiele in erfolgreichen Serien wie "The Big Bang Theory", in der es um eine Wohngemeinschaft von genialen Physikern geht, oder auch in der Netflix-Serie "Stranger Things" aufgegriffen werden. So stehen sie zwar in der Nerd-Ecke, genießen jedoch durchaus ein kultiges Image, findet Justus Beckmann: "Ich glaube, ein Nerd ist eigentlich nur irgendjemand, der sich in irgendwas total hineinkniet, der gut Bescheid weiß über irgendetwas. Ja, es ist total nerdig, und das ist eigentlich etwas Gutes."

Außerdem stehe sowieso der Spaß im Vordergrund, finden die Spieler von Explorer's Pack. Und den haben sie auf jeden Fall auf ihrer  fantasievollen Heldenreise durch eine Parallelwelt.

Würfel beim Dungeon and Dragons Pen-and-Paper-Spiel. © Brian Sommer Foto: Brian Sommer

Revival der Pen-and-Paper-Rollenspiele?

NDR Kultur - Matinee -

Pen-and-Paper-Spiele erfreuen sich gerade größter Beliebtheit und stellen sich damit gegen die große Übermacht der PC- und Konsolespiele.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 22.08.2019 | 11:20 Uhr

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