Stand: 23.08.2020 10:29 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Clubs in MV wollen Kulturstätten werden

Die Clubs in Mecklenburg-Vorpommern sind schon lange keine reinen Tanz-Schuppen mehr. Hier treten Nachwuchsbands auf, es gibt Lesungen oder Diskussionsrunden. Nach der deutschen Baunutzungsverordnung gelten Clubs jedoch nicht als Kulturstätten. Knapp 60 Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern haben sich zusammengetan und wollen das nun ändern. Dafür kommt nun auch Unterstützung aus der Bundespolitik.

VIDEO: Clubs wollen eine Anerkennung als Kulturstätte (4 Min)

Baurechtliche Regelungen für Clubs verbessern

Laut Baunutzungsverordnung sind Clubs Vergnügungsstätten und stehen somit auf einer Stufe mit Bordellen oder Spielotheken. Das will auch Paul Ulitzsch, der Geschäftsführer von Helgas Stadtpalast in Rostock, nicht hinnehmen. Für ihn ist klar, warum die Clubs für das Label "Kultur" kämpfen: "Erstmal ist es eine Anerkennungssache, dass wir Kultur machen." Ein Songwriter, ein Gitarrist, eine Band werde auch als Kultur wahrgenommen. Wichtig für Ulitzsch sind auch die baurechtlichen Regelungen, die für Kulturstätten wie Opern oder Theater gelten.

Mehr als 100 Bundestagsabgeordnete ziehen mit

Diese Regelungen würden auch den Clubs im Nordosten helfen. Der Club "Helgas Stadtpalast" beispielsweise ist mittlerweile umzingelt von Neubauten. Die Stadtpalast-Betreiber befürchten nun - wie auch viele andere Clubs bundesweit - dass sie von Bauprojekten aus den Innenstädten verdrängt werden. Eine Einstufung als Kulturstätte könnte etwas Schutz dagegen bieten. Unterstützung kommt aus dem Bundestag. Mehr als 100 Abgeordnete fast aller Parteien haben kürzlich an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geschrieben.

Bundesinnenminister Seehofer bezieht Stellung

Die Forderung: Musikclubs sollen baurechtlich als Anlagen für kulturelle Zwecke anerkannt werden und es soll flexible Lösungen im Lärmschutz geben, erklärt FDP-Politiker Hagen Reinhold aus Barth. "Clubs haben gesellschaftlich einen riesen Stellenwert für uns alle. Nicht nur für die, die im Club feiern gehen." Das sehe man dort, wo neue, hippe, Stadtviertel entstehen - wo Clubs, Künstler und Kreative sind. "Es kann nicht sein, dass Clubs - wenn sie sich neu ansiedeln - in die Industriegebiete abgeschoben werden", so Reinhold weiter.

Bundesinnenminister Seehofer hat schon geantwortet. Clubs als kulturelle Einrichtungen in der Bauordnung - für ihn nicht zielführend. Nicht schlimm, so Hagen Reinhold, Gesetze entscheide am Ende das Parlament. Seehofer habe sich aber immerhin für eine Experimentierklausel zum Lärmschutz ausgesprochen. Für Rostock ist das wichtig, denn die Stadt bekommt immer wieder Lärmbeschwerden wegen der Clubs.

Rostocks Bausenator bezieht Position

Bausenator Holger Matthäus (Grüne) bezweifelt, dass eine offizielle Einstufung als "Kultur" daran etwas ändern könnte: "Das die Veranstaltungen relativ spät zu Ende sind, dass die Leute auch gut drauf sind. Und auch rauchen und laut sprechen. Da gehört es einfach dazu, dass man auch guckt, wie leitet man diese Besucherströme auch in konfliktfreie Territorien raus."

Die Hälfte der Clubs in MV vor dem Aus

Die Clubs sind über dies auch von der Corona-Krise betroffen. Das Kulturwerk MV, der Verband der Clubs im Land, fürchtet, dass die Hälfte der Einrichtungen durch die Krise verschwinden könnte. Trotzdem wollen die Häuser weiter für das Label "Kultur" trommeln. Ob sie es bekommen, diese Entscheidung muss der Bundestag noch treffen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.08.2020 | 13:00 Uhr

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