Stand: 14.02.2020 12:00 Uhr

"Chess": Der Kalte Krieg auf dem Schachbrett

von Axel Seitz

In den 70er-Jahren fand der Kalte Krieg zwischen den Großmächten USA und UdSSR gewissermaßen auch auf dem Schachbrett statt. Es gab legendäre Duelle etwa zwischen den Schachgroßmeistern Bobby Fischer und Boris Spasski. 1984 nahm der britische Texter Tim Rice gemeinsam mit den beiden ABBA-Musikern Benny Andersson und Björn Ulvaeus diese Zweikämpfe zum Anlass, daraus ein Musical zu machen. Jetzt hat "Chess", zu Deutsch "Schach", Premiere am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin.

Szene aus "Chess" © Silke Winkler
Trumper (Fabio Diso) und Sergievsky (Marc Clear) kämpfen nicht nur um den Sieg auf dem Schachbrett gegeneinander.

Große Quader dominieren die Bühne, nicht in schwarz und weiß wie Schachfiguren, sondern in Grautönen. Es gibt keine klare Abgrenzung, keine eindeutige Klärung in Gut und Böse, wenn zwei Genies im Schach aufeinandertreffen. Auf der Bühne verteidigt der amtierende Weltmeister Frederic Trumper aus den Vereinigten Staaten, gespielt von Fabio Diso, seinen Titel gegen Anatoly Sergievsky aus der Sowjetunion. USA gegen UdSSR - der Kalte Krieg findet auf dem Schachbrett statt. Den Russen Anatoly Sergievsky verkörpert Marc Clear: "In dem Stück werden die Figuren von den zwei Großmächten Russland und Amerika gegeneinander ausgespielt. Quasi auf dem Schachbrett umhergeschoben."

Ein Kampf um Sieg und eine Frau

Beide Spieler lieben nicht nur Schach, sondern auch dieselbe Frau: Die Partnerin des Amerikaners, verliebt sich in den Russen. Femke Soetenga spielt diese Florence. Die Niederländerin kennt sich mit dem Musical "Chess" bestens aus. Allerdings sei das jetzt nicht nur eine neue Übersetzung, sondern auch ihre fünfte Inszenierung von 'Chess' innerhalb von zwölf Jahren. "Und weil man sich in zwölf Jahren entwickelt, war 'Chess' für mich nie gleich, weil ich nie die gleiche Person war. Und natürlich handelt es sich um Liebesbeziehungen, um Beziehungen zum Heimatland, zu den Eltern und der Familie. Diese Beziehungen verändern sich ja für uns auch immer wieder und deswegen ist die Rolle für mich nie gleich."

Polit-Thriller auf der Schweriner Bühne

Regisseur Andreas Gergen hat schon in ganz Deutschland zahlreiche Musicals inszeniert - von "West Side Story" über "Cats" bis hin zu "Jekyll & Hide". "Chess" in Schwerin ist für Andreas Gergen hingegen eine doppelte Premiere: "Ich habe 'Chess' noch nicht inszeniert und in der Beschäftigung mit dem Stoff habe ich gemerkt, was für ein Thriller dieses Stück eigentlich ist. Es geht um den Kalten Krieg, der uns heute noch betrifft. Insofern habe ich versucht, eine aktuelle Relevanz in dem Stück herauszuarbeiten."

Nach der ersten Schachweltmeisterschaft in Südtirol muss Anatoly Sergievsky, der inzwischen seine sowjetische Heimat verlassen hat, in Thailand nicht nur seinen Titel gegen einen neuen sowjetischen Herausforderer verteidigen, sondern sich zwischen der Geliebten und seiner Ehefrau entscheiden. In "Chess" geht es nicht mehr nur um Schach, sondern um Intrigen und die große Politik. "Chess" in Schwerin hat einen poppig-rockigen Sound, der an ABBA erinnert, und ist eine spannende Geschichte um Sport, Liebe und Politik.

"Chess": Der Kalte Krieg auf dem Schachbrett

Das Musical "Chess" feiert am Staatstheater in Schwerin Premiere. Es ist eine Geschichte, um den Kampf zweier Großmächte auf dem Schachbrett und auf der politischen Weltbühne.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Mecklenburgisches Staatstheater/Großes Haus
Alter Garten 2
19055Schwerin
Preis:
12,00 - 69,00
Kartenverkauf:
Kartentelefon: 0385 53 00-123
Öffnungszeiten Theaterkasse: Dienstag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag: 16.00 bis 18.30 Uhr
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 14.02.2020 | 19:00 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/Chess-am-Mecklenburgischen-Staatstheater,chess106.html