Stand: 20.08.2019 10:43 Uhr

Charles Manson - Eine düstere Ikone

von Alexandra Friedrich

Die Schauspielerin Sharon Tate war 26 und im neunten Monat schwanger, als sie ermordet wurde. Am frühen Morgen des 9. August 1969 haben vier Mitglieder der sektenähnlichen Kommune "Family" die Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski auf ihrem Anwesen in Los Angeles ermordet. Mit ihr starben vier ihrer Freunde. Initiator dieses Massenmordes war der Anführer der "Family", Charles Manson, der durch dieses Massaker mit einem Schlag weltbekannt wurde. Genau 50 Jahre liegen die sogenannten Tate-Morde zurück, aber in den Medien sind sie und ihr Urheber Charles Manson noch immer präsent.

Charles Manson - der gescheiterte Musiker

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Der später wegen mehrfachen Mordes verurteilte Charles Manson wird 1969 zur Anklageverlesung gebracht.

Charles Manson wollte die Welt zunächst mit seiner Musik erobern. "Hübsches Mädchen, höre auf zu existieren, gib Deine Welt auf und sag, dass Du mich liebst", forderte er in seinem Song "Cease to Exist". Ein Wunsch, den ihm zu einem späteren Zeitpunkt zig junge Frauen erfüllten, indem sie sich seiner "Family" anschlossen und teilweise sogar für ihn über Leichen gingen. Zu diesem Zeitpunkt war Charles Mansons ursprünglicher Traum, erfolgreicher Musiker zu werden, gescheitert.

Tate-Morde: Manson-Family wird zur Inspirationsquelle für Kunstschaffende

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Der Filmregisseur Roman Polanski und die Schauspielerin Sharon Tate heirateten am 20. Januar 1968.

Den Einzug in die Popkultur schaffte er auf blutigem Wege. Nach den Tate-Morden coverten Bands seine Songs und schrieben Lieder über ihn. Der US-amerikanische Musiker Brian Hugh Warner erfand sein Alter Ego Marilyn Manson - eine Kunstfigur zwischen Marilyn Monroe und Charles Manson. Und auch für Schriftsteller und Filmemacher diente Manson mit seiner "Family" als Inspirationsquelle. In den vergangenen 50 Jahren wurden über sie unzählige Bücher geschrieben, Filme und Serien gedreht - dokumentarische wie fiktive, von Horror bis Drama, sogar für Komödien und Musicals wurde der Stoff ausgeschlachtet.

In der NBC-Serie "Aquarius" ermittelt David Duchovny als fiktiver Cop gegen Charles Manson, und Regisseur Quentin Tarantino holt den Sektenführer wieder auf die Leinwand in dem Film "Once Upon A Time In Hollywood", der am 15. August in die deutschen Kinos kommt.

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Woher rührt diese ungebrochene Faszination? "Der normal gestrickte Mensch ist natürlich an Grenzen gebunden, nämlich die Grenzen von seinem ethischen Empfinden, von Gewissen, von Mitgefühl, Schuldgefühl und Angst. Und Täter, die so ticken wie Charles Manson, haben diese Grenzen nicht", sagt die Kriminalpsychologin Lydia Benecke. Diese Grenzenlosigkeit, so Benecke, lasse ihn übermenschlich erscheinen. Was bei Charles Manson noch unterstützt werde durch die Macht, die er über seine Anhänger ausübte.

"Manson hat bei diesen Menschen so eine Art Hirnwäsche betrieben, sodass sie glaubten, er sei der neue Jesus Christus", erklärt der Göttinger Psychiater Borwin Bandelow und fügt hinzu: "Man findet sehr häufig bei Menschen mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen, dass sie einen manipulativen Charme haben."

Ein Mann hält das Buch "Helter Skelter" in den Händen. ©  picture alliance / Photoshot

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50 Jahre liegen die sogenannten Tate-Morde zurück - ein Massaker, durch das ihr Initiator, Charles Manson, schlagartig berühmt wurde. Ursprünglich wollte er die Welt mit seiner Musik erobern.

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Vermarktung über die Medien

Manson war nur ein Mensch mit einer massiven Persönlichkeitsstörung, aber die Medien machten aus dem 1,57 Meter kleinen Mann einen Dämonen - die "Personifizierung des Bösen", "den Teufel von Hollywood", "Antichrist Superstar" etc. Er genoss jeden Neuaufguss seiner Geschichte und ließ keine Gelegenheit aus, vor laufenden Kameras eine Show hinzulegen und seine verworrenen Botschaften zu verbreiten.

"Dass er die Medien auch für sich proaktiv genutzt hat, das haben die Medien dann im Umkehrschluss sehr dankend aufgenommen, weil das gut zu vermarkten war", stellt Lydia Benecke fest: "Also eine gewissermaßen unheilige Allianz aus den Bedürfnissen der Inszenierung des Täters und den Bedürfnissen der Vermarktung der Medien."

2017 starb Charles Manson im Alter von 83 Jahren im Gefängnis - nicht als großer Popmusiker, aber als eine düstere Ikone der Popkultur.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 09.08.2019 | 06:40 Uhr