Stand: 28.02.2019 18:08 Uhr

Caroline Barth: Neue Leiterin des Caspar-David-Friedrich-Zentrums

Caspar David Friedrichs Bilder sind einzigartig: Licht, Schatten, Landschaften. Sein Erbe aufrecht zu erhalten, das ist die Aufgabe der Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft in Greifswald, die seit 2004 auch ein Zentrum eingerichtet hat, das seit 2011 auf das gesamte ehemalige Wohn- und Geschäftshaus der Familie erweitert wurde. Caroline Barth hat jüngst die Leitung übernommen und ist damit Nachfolgerin der langjährigen Leiterin Susanne Papenfuß.

Frau Barth, das Caspar-David-Friedrich-Zentrum feiert in diesem Jahr 15-jähriges Bestehen. Caspar David Friedrich wurde 1774 an diesem Ort geboren, also vor 245 Jahren. Werden diese Daten bei Ihnen gefeiert?

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Caroline Barth ist die neue Leiterin des Greifswalder Caspar-David-Friedrich-Zentrums.

Caroline Barth: Seit 2004 ist das Hinterhaus des ehemaligen Werkstattkomplexes als Zentrum in Betrieb, aber erst seit 2011 ist auch der Vorderteil des Gebäudes, also das gesamte Ensemble, als Zentrum angelegt. Von daher feiern wir dieses Jubiläum in diesem Jahr nicht groß. Allerdings feiern wir - wie jedes Jahr - den Geburtstag von Caspar David Friedrich am 5. September, und drei Tage später findet der Tag des offenen Denkmals statt, an dem wir auch Veranstaltungen anbieten, bei denen man sich über die Geschichte des Hauses und des Zentrums informieren kann.

Wir kennen seine Landschaftsbilder, die Stimmungen im und am Meer, die Sonnenuntergänge, seine Ölgemälde, seine Zeichnungen. Wie würden Sie die Kunst von Caspar David Friedrich beschreiben? Was macht Friedrichs Kunst für Sie aus?

Barth: Seine Kunst allgemein zu beschreiben, ist schwierig, weil er ein sehr vielseitiger Maler und Zeichner war. Ich habe mich schon in meiner Jugend mit Caspar David Friedrich auseinandergesetzt, und für mich waren es die Stimmungen, die vor allem in den Landschaftsgemälden zu finden sind, die mich sehr angesprochen haben. Das hängt sehr mit der Farbigkeit, aber auch mit dem Diffusen, dem Nebulösen, dem Düsteren zusammen - das hat mich seit meiner Jugend sehr fasziniert.

Die Caspar-David-Friedrich-Gesellschaft wurde erst nach dem Mauerfall gegründet. Wie wurde denn dieser unangepasste Landschaftsmaler zu DDR-Zeiten rezipiert?

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Das Caspar-David-Friedrich-Zentrum befindet sich an einem historischen Ort, dem Geburtsort des Malers.

Barth: Es ist nun mal so, dass der Künstler auf dem Gebiet der DDR gewirkt hat, und die Rezeption war tatsächlich zurückhaltend. Allerdings gab es auch 1974, zum 200-jährigen Geburtstag von Caspar David Friedrich, in Greifswald bereits die erste Romantik-Konferenz an der Universität. Es fand eine Rezeption statt, aber es war schwierig, zumal auch eine gewisse Besetzung durch die Nationalsozialisten bei Friedrich stattfand, die in der DDR sehr schlecht ankam.

So richtig "populär" wurde Friedrich - im Westen wie im Osten - erst in den letzten vergangenen 30 Jahren. Mit ihm konnten regelrechte "Blockbuster"-Ausstellungen veranstaltet werden. Sind das vergessene Sehnsüchte, die mit seinen Bildern bedient werden konnten? Woran liegt das?

Barth: Dadurch, dass Friedrich sehr naturalistisch gemalt hat, obwohl diese Gemälde komponiert sind und nicht in der freien Natur entstanden sind und sie Ausdruck seines Empfindens sind, wird das auch an den Betrachter transportiert. Der Betrachter kann umgekehrt ganz viele Dinge auf diese Landschaften projizieren. Es bietet sich an, vor diesen Gemälden zu meditieren, in sich in sie hineinzuversenken und die Gedanken schweifen zu lassen. Insofern wird diesen Gemälden immer wieder eine Sinnoffenheit zugeschrieben, die aber auch dazu führt, dass man Wünsche, Sehnsüchte aller Art ganz gerne darauf projiziert. Und das macht sie sehr gut zugänglich für ganz viele Menschen.

Welche Rolle spielt Caspar David Friedrich heute in Greifswald? Ist er so etwas wie eine Identitätsfigur? Oder anders gefragt: Inwieweit ist ein Künstler von damals Erzähler für das, was gerade passiert?

Barth: Caspar David Friedrich ist auf jeden Fall ein berühmter Sohn der Stadt Greifswald. Er ist noch nicht die Marke, wie zum Beispiel Goethe für Weimar. Aber vielleicht kommt das ja noch. Er ist aber auf jeden Fall ein Maler, der in Greifswald aufgewachsen ist, dessen Heimat Greifswald ist, der hier sozialisiert wurde. Die Landschaft Greifswalds und auch der Umgebung prägen seine Bilder, sein Schaffen, und man kann sie heute auch vor Ort nachempfinden. Das sind Sachen, die wir als Zentrum anbieten: Es gibt die Caspar-David-Friedrich-Bildweg-Führung, auf der man an Originalschauplätzen die heutige Landschaft mit den Bildern abgleichen kann und sehen kann, was er gesehen hat.

Ein prägendes Ereignis für mich persönlich war, als ich in Greifswald ankam, dass ich einen Sonnenuntergang erlebt habe und erstaunt feststellen musste, dass es hier tatsächlich Sonnenuntergänge in fahlem Gelb gibt, so wie Friedrich sie gemalt hat - und das ist ein Erlebnis.

Das Gespräch führte Claudia Christophersen

Caroline Barth © fotofecktory

Caroline Barth über Caspar David Friedrich

NDR Kultur - Journal Gespräch -

Die Kunsthistorikerin Caroline Barth hat jüngst die Leitung des Caspar-David-Friedrich-Zentrums übernommen. Auf NDR Kultur spricht sie über den Künstler der deutschen Frühromantik.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 28.02.2019 | 19:00 Uhr

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