Stand: 19.07.2018 13:13 Uhr

Brosda: Millionenspritze für Hamburgs Museen

von Daniel Kaiser

Die Hamburger Museen bekommen eine millionenschwere Finanzspritze. Kultursenator Carsten Brosda (SPD) sagte im Sommerinterview des NDR 90,3 Kulturjournals, dass dazu im neuen Haushalt mehr als zwei Millionen Euro extra bereitgestellt werden. Außerdem äußerte sich Brosda über den Charme eines Weltkulturerbes St. Pauli und eine mögliche Ehrenbürgerschaft für Udo Lindenberg.

Mit dem zusätzlichen Geld für die Museen will der Kultursenator nicht nur Löcher stopfen, sondern eine echte Innovations-Offensive starten. Nachdem sich Hamburg mit der Elbphilharmonie als Musikstadt profiliert hat, erhofft sich Brosda jetzt einen Aufbruch für die Hamburger Museen. "Wir werden nicht nur ein Strohfeuer entfachen, sondern auch strukturell und substanziell etwas verändern", sagte Brosda. Es soll Geld für besondere Ausstellungen und Werbung da sein, aber auch Umbauten in Museen werden möglich sein. Die Häuser seien auch architektonisch oft noch Kulturtempel, in die sich Menschen erst einmal hineintrauen müssten. "Ich glaube nicht, dass das zeitgemäß ist. Ich glaube, man muss in ein Museum beiläufig und zufällig hineingeraten können und dann feststellen, dass da mehr ist und dann auch hineingezogen werden."

"Keiner macht mehr Völkerkunde"

Brosda verteidigte die Umbenennung der Völkerkundemuseums in MARKK (Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt). Der neue Name hatte in der Öffentlichkeit heftige Kritik ausgelöst. Der Sänger Heinz-Rudolph Kunze hatte die Umbenennung eine "Barbarei naseweiser Halbgebildeter" genannt. Brosda gibt zu bedenken, dass Hamburg schon jetzt zu den letzten Städten gehöre, die überhaupt noch ein Völkerkundemuseum haben. "Keiner macht mehr Völkerkunde", sagte der Senator. Es sei wichtig, das Museum so zu benennen, dass man mit dem Namen auch in die Moderne gehen könne. Auch andere Museen hätten regionale Spezifika in ihren Namen integriert. Auf die Frage nach der Griffigkeit des neuen Namens und der Abkürzung antwortete Brosda: "Ich gehe künftig ins MARKK, wie ich auch jetzt schon ins MKG (Museum für Kunst und Gewerbe) gehe."

Substanziell mehr Geld für die freie Theaterszene

Die freie Theaterszene kann sich Hoffnungen auf mehr Fördergelder machen. Brosda verspricht, im neuen Haushalt "substanziell mehr Geld" bereitzustellen. "Wir sind gerade in der Behörde dabei feinzurechnen, um wie viel wir erhöhen können." In den kommenden Wochen und Monaten werde man sich mit Vertretern der freien Szene beraten, "um zu schauen, wie wir das Geld dort ordentlich auf die Straße bringen", sagte Brosda. Das experimentelle Bahrenfelder Lichthof-Theater hatte mitten in großen finanziellen Schwierigkeiten überraschend den mit 50.000 Euro dotierten Barbara-Kisseler-Theaterpreis erhalten. Brosda sagte, dass die Preis-Entscheidung nicht in seiner Behörde gefallen, sondern von einem selbst ihm unbekannten, anonymen Juror gefällt worden sei.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda. © NDR

Kultursenator Carsten Brosda im Sommerinterview

NDR 90,3 - Kulturjournal Spezial -

Braucht das Völkerkundemuseum wirklich einen neuen Namen? Soll Udo Lindenberg Ehrenbürger werden? Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda gibt Antworten im Interview mit NDR 90,3.

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Brosda: Denkmalschutz ist kein Racheakt

Im Streit um den Denkmalschutz für eine ehemalige Zollabfertigungshalle auf der Veddel weist der Kultursenator den Vorwurf zurück, die Entscheidung im Denkmalschutzamt sei gefallen, um sich für den Abriss der City-Hochhäuser zu rächen. "Das ist Quatsch", sagt Brosda. "Wenn man dort auf der Veddel steht, dann begreift man, warum dieser Teil des ehemaligen Freihafengeländes sehr wohl denkmalwürdig ist." Jetzt müssten die Behörden abwägen, ob und wie man die Denkmalpläne mit der geplanten Bebauung in Einklang bringen könne.

St. Pauli zusammen mit Dorfprozessionen?

Sympathien zeigt Brosda für die Idee, St. Pauli in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufzunehmen. "Immaterielles Kulturerbe sind in Deutschland beispielsweise Prozessionen, die seit dem 8. Jahrhundert stattfinden und in denen man Kruzifixe durchs Dorf trägt. In dieser Liste fände ich St. Pauli schon ganz interessant", schmunzelt Brosda. Natürlich liege hinter der Idee die wichtige Debatte, welche Art von Kiez und Stadt man eigentlich wolle und was in einer Stadt unbedingt bewahrenswert sei. "Dass der Staat irgendwann Laufhäuser finanziert, weil sie sich nicht mehr am Markt tragen, vermag ich mir jetzt noch nicht vorzustellen, aber ich nehme das als spannenden Impuls, eine Diskussion zu führen."

Für Udo Lindenberg als Ehrenbürger

Einer Ehrenbürgerschaft für Udo Lindenberg kann Carsten Brosda einiges abgewinnen. "Ich fände es spannend, wenn Udo bei offiziellen Anlässen mit Hut in der ersten Reihe neben den Honoratioren sitzen würde. Er ist schon jemand, der für Hamburg steht, ein Botschafter unserer Stadt ist und sich immer wieder engagiert in die Themen und Debatten unserer Stadt einmischt", sagt Brosda. Allerdings gebe es in Hamburg gerade den festen Willen, zunächst einmal Frauen zu Ehrenbürgerinnen zu machen. Brosda nannte dies "im Jahr 2018 ein angemessenes Anliegen". "Wenn Sie mich als Person Carsten Brosda nach eine Ehrenbürgerschaft für Lindenberg fragen, würde ich sagen: 'Gekauft!' Wenn ich für den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg sprechen müsste, kämen ein paar Kautelen dazu, die mit Formalien und Protokollen zu tun haben. Aber sicher ist dies ein Vorschlag, der eine weitere Diskussion lohnt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 19.07.2018 | 20:00 Uhr

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