Stand: 23.07.2019 13:15 Uhr

Brigitte Kronauer gestorben

Für viele war Brigitte Kronauer eine der brillantesten zeitgenössischen deutschen Autorinnen. Die Zahl der Preise, die sie bekommen hat, ist hoch. Mit dem Georg-Büchner-Preis, den sie 2005 erhielt, gehört auch der wohl renommierteste deutsche Literaturpreis dazu. Einem breiten Publikum wurde die seit vielen Jahren in Hamburg lebende Autorin im Jahr 2000 mit ihrem Roman "Teufelsbrück" bekannt. Am Montag ist Brigitte Kronauer im Alter von 78 Jahren gestorben.

Nur wenige Autorinnen und Autoren haben die Darstellung des Für und Wider, der Ambivalenz der Dinge so zu ihrem Credo erhoben wie Brigitte Kronauer. "In unserem menschlichen Umgang glaubt man, diese Ordnung und Klarheit zu brauchen, die aber nicht, meiner Ansicht nach, die Sache der Literatur sein sollte", sagte Kronauer: "Ich würde auch sagen, rein ästhetisch argumentiert, die Sache kriegt erst ihre Würze durch den Pfeffer des Gegensatzes. Ich habe immer das Gefühl, wenn man mit Ambivalenzen arbeitet, kommt man viel dichter an die Wirklichkeit heran."

Die Ambivalenz der Dinge als Thema

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Brigitte Kronauer wurde 1940 in Essen geboren. Ihr erster Roman, "Frau Mühlenbeck im Gehäus" erschien 1980.

Aber natürlich dürfe man sich, gerade als Autorin, das intensive Erleben nicht nehmen lassen. Seit 1974 wohnte Brigitte Kronauer im ruhigen Hamburger Westen, in Elbnähe. Das war ihr damals, als sie nach Hamburg zog, besonders wichtig. "Für mich ist Hamburg schon viele Jahre vorher so ein Traumziel gewesen", erklärte sie. "Ich bin ja im Ruhrgebiet aufgewachsen, im zerbombten auch noch, und die Vorstellung, dass es da im Norden eine Stadt gab, die so viel Wasser hatte, war reizvoll. Ich muss sagen, dieses viele Wasser in Hamburg ist für mich auch das Anziehendste in dieser Stadt geblieben."

Die Mutter als Geschichtenerzählerin

Im Ruhrgebiet hingegen gab es kaum Grün, Ausflüge mit dem spät aus dem Krieg heimgekehrten Vater in die Umgebung wurden so zu ganz besonderen Ereignissen. Sie umwarb ihn im Gegenzug mit kleinen, selbst geschriebenen Texten, die wiederum beeinflusst waren durch das große Erzähltalent der Mutter, bei der aus alltäglichen Begebenheiten regelmäßig aufregende Geschichten wurden. Brigitte Kronauer erinnerte sich: "Sie hat dasselbe gesehen, was ich auch gesehen habe, und sie macht erst das Richtige daraus. Ich kann von Prinzessinnen schreiben, aber was sie da macht, das ist ja eigentlich viel großartiger, weil es mit dem zu tun hat, was ich selbst gesehen habe. Und ich sehe, was sie da verwandelt. Und das ist für mich schon etwas sehr Aufreizendes gewesen, und da musste ich dann irgendwann meine eigenen Geschichtchen dagegen stemmen."

Schon als Schülerin veröffentlichte Brigitte Kronauer kurze Aufsätze, doch der Weg zur Autorin war lang. Sie wurde zunächst Lehrerin. Dann erschienen Erzählungen, 1980 der erste Roman, darunter viele, die sich durch emphatische Naturschilderungen auszeichnen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.07.2019 | 14:20 Uhr

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