Stand: 17.08.2019 16:01 Uhr

"Nabucco" in Braunschweig als Ausgrabungsstätte

von Nick Sternitzke

Bevor der Sommer endgültig vergeht, lockt das Staatstheater Braunschweig mit einem mediterranen Ambiente auf den Braunschweiger Burgplatz - das "Klein-Verona" des Nordens. Am 17. August war hier Premiere von Giuseppe Verdis Oper "Nabucco". Das Stück wird danach über gut zwei Wochen lang durchgespielt. Bei fast jedem Wetter setzt sich das Sängerensemble der hochexplosiven Musik Verdis aus.

Giuseppe Verdi ist Mitte zwanzig, da sterben seine beiden Kinder und seine erste Ehefrau Margeritha. Die Komponisten-Karriere will er an den Nagel hängen. In der Retrospektive schreibt Verdi "Vom Unglück gebeugt, durch Misserfolge verbittert, redete ich mir ein, dass in der Kunst kein Trost für mich sei, und fasste den Entschluss, nie wieder eine Note zu komponieren."

Nabucco am Staatstheater Braunschweig

Trauriger Verdi erklimmt mit "Nabucco" Opern-Olymp

Zum Glück hat Verdi seine Prinzipien überdacht: Mit "Nabucco" katapultiert sich der 28-Jährige in den Opern-Olymp. Die schroffen, melodiösen Klänge fluten ganz Italien nach der Premiere. Das "Nabucco"-Fieber breitet sich weiter aus und erobert Anfang der 1840-er die europäischen Metropolen. 

Donnernde Schicksalsschläge aus dem Orchester schießen beinahe in jeder Szene auf die Sängerinnen und Sänger ein. Die Fortissimi lauern an jeder Ecke in dieser schroffen und kantigen Partitur, sie sind unberechenbar. Verdi jagt seine Charaktere von einer Gefühlswallung zur nächsten. Kein Wunder, dass König Nabucco, dauernd unter Starkstrom, vom Blitz getroffen wird - eine emotionale Notbremse sozusagen. Aber: Kann man das alles glaubhaft erzählen? Klaus Christian Schreiber inszeniert "Nabucco"" auf dem Braunschweiger Burgplatz und erzählt: "Das hat ein junger Mann geschrieben, der sehr viel erlebt hat und trotzdem am Anfang seines Lebens und seiner Karriere stand. Wenn man jung ist, ist jedes neu erlebte Gefühl ein Wahnsinn. So ist die ganze Oper."

Schreiber: "Volltönende Eruption mit überspannten Charakteren"

Der Schlüssel liegt also darin, diese hochemotionale Geschichte voller Unwahrscheinlichkeiten als das zu sehen, was sie ist: eine volltönende Eruption mit bis zum Wahnsinn überspannten Charakteren aus dem ersten Jahrtausend. Ist "Nabucco" also ein zeitloses Märchen? "Wir befinden uns in Braunschweig quasi mitten im Zweistromland. Das ist einer meiner ersten Gedanken gewesen, dass ich das nicht verarbeiten will in eine heutige Welt. Ich will das Märchen, die Geschichte, da belassen, wo sie ist", sagt Schreiber.

Deswegen lässt Klaus-Christian Schreiber seinen Nabucco im wahrsten Sinne des Wortes allabendlich aus dem Sand schaufeln. Der Burgplatz hat sich in eine archäologische Ausgrabungsstätte verwandelt. Überall Relikte der Vergangenheit. Zwischen ihnen: zutiefst menschliche Konflikte, denen man den Staub der Jahrhunderte wohl kaum anmerkt. Psychologischer Realismus mit einem Hauch von Verona. Mitten in Braunschweig.

"Nabucco" in Braunschweig als Ausgrabungsstätte

Mediterranes Ambiente auf dem Burgplatz Braunschweig: Verdis Oper "Nabucco" feierte dort am Sonnabend Premiere. Die Bühne ist Schauplatz einer babylonischen Ausgrabungsstätte.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Staatstheater Braunschweig / Burgplatz Open Air
Burgplatz
38100  Braunschweig
Telefon:
(0531) 1234 567
Preis:
ab 26 bis 57 Euro
Kartenverkauf:
Vorverkaufsstellen:
Theaterkasse Großes Haus. Staatstheater Braunschweig
Konzertkassen der Braunschweiger Zeitung
Braunschweig Stadtmarketing GmbH
Musikalienhandlung Bartels
Wolfsburger Allgemeine
Wolfsburg Kulturbund Wolfenbüttel
Konzertkasse Gifhorn
Anmeldung:
Online-Kartenverkauf unter: www.staatstheater-braunschweig.de
Hinweis:
Nabucco - Dramma lirico in vier Teilen von Giuseppe Verdi
Musikalische Leitung: Srba Dinić
Regie: Klaus Christian Schreiber
Nabucco: Juan Orozco
Abigaille: Dragana Radaković
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 17.08.2019 | 06:40 Uhr

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