Stand: 17.06.2019 17:02 Uhr

Theaterfestival endet mit Sieg für "Peer Gynt"

von Katja Weise

Für viele ist das "Körber Studio Junge Regie" am Hamburger Thalia Theater in der Gaußstraße ein wichtiges Sprungbrett. Jährlich schicken die Hochschulen aus dem deutschsprachigen Raum jeweils eine Inszenierung in den Wettbewerb, insgesamt elf waren es in diesem Jahr. Mit der öffentlichen Jurysitzung ist der Wettbewerb zu Ende gegangen, gewonnen hat "Peer Gynt" von Felix Krakau, das an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt in einer Koproduktion mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus entstanden ist.

"Peer, sei du selbst!" heißt es bei Ibsen - eine tolle Vorlage, fand Felix Krakau. Auch für Jugendliche, die heute erwachsen werden, die virtuos mit den sozialen Netzwerken umgehen und dabei immer wieder Selbst-Bilder produzieren. Felix Krakau erzählt:

"Es fängt wie so eine Coming-of-Age-Geschichte an, erzählt dann aber ein ganzes Leben. Und es ist eigentlich wie so eine Geschichte über Lebensentwürfe, Konstruktionen und Identität. Wir fanden es sinnvoll, das mit Menschen zu machen, die selbst gerade anfangen und sich überlegen: 'Wer will ich sein? Warum ist das manchmal so schwierig?' Da war für uns klar: Wir machen da eine Bearbeitung von dem Stoff."

Soziale Netzwerke und Selbst-Bilder

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Für seine Inszenierung "Peer Gynt" nach Henrik Ibsen wurde Felix Krakau mit dem Preis des "Körber Studios Junge Regie" ausgezeichnet.

Ein halbes Jahr lang hat der Regisseur mit den Jugendlichen gearbeitet. Es wurde ein mitreißender Abend, der geschickt den Bogen spannt zwischen den Zeiten. "Die Welt" sagt, Felix Krakau, der 1990 in Hamburg geboren worden ist, müsse durch das eigene Theater "hindurchlaufen".

Zur Shortlist der besten drei Inszenierungen zählt auch Meera Theunert von der Hamburger Theaterakademie. Ein Fassbinder-Film dient ihr als Vorlage für "leck mir die wunden", eine Inszenierung mit Anklängen ans politische Kabarett, die bissig, bösartig und energiegeladen ist.

Zu sehen ist die "Peer Gynt"-Inszenierung von Felix Krakau und Studierenden der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Thalia Theater während des Festivals Körber Studio Junge Regie 2019. © Krafft Angerer

Bilanz zum "Körber Studio Junge Regie" 2019

NDR Kultur - Journal -

Der junge Regisseur Felix Krakau hat mit seiner Inszenierung von "Peer Gynt" beim "Körber Studio Junge Regie" 2019 gewonnen. Katja Weise blickt auf das Theaterfestival zurück.

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Wie viele Theaterstücke kennt man, die von Frauen stammen?

Einen feministischen Ansatz verfolgt Marie Schleef von der Ernst Busch Schule in Berlin: Sie will - zumindest vorerst - nur Texte von Frauen auf die Bühne bringen: "Im deutschen Theater ist die Norm der heterosexuelle, weiße Mann, der Stücke schreibt. Frauen sind da sehr unterrepräsentiert. Also man kann das Spiel ja mit sich selbst spielen: Wie viele Theaterstücke kennt man, die von Frauen stammen? Und mein Ziel ist es eigentlich, weiterzuforschen und zu gucken: Wer ist noch da? Wer interessiert mich? Das sind immer wieder ganz tolle Entdeckungen."

Beim Körber Studio war "Die Fahrt zum Leuchtturm" zu sehen, nach einem Roman von Virginia Woolf. Eine klug gebaute Inszenierung mit einem beeindruckenden Raumkonzept, an deren Ende alle Wände in einer neuen Farbe gestrichen wurden.

Welche Art von Theater will ich machen? Wie sieht das Theater von morgen aus? Diese Fragen standen über dem ganzen Festival, das wie schon in den vergangenen Jahren eine ungeheure Bandbreite an Formen und Inhalten präsentierte.

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Junge Regie 2019: Interviews

Auf seinem YouTube-Kanal bietet die Körber-Stiftung eine Playlist mit Interviews mit den Regisseurinnen und Regisseuren an, die am Körber Studio Junge Regie 2019 teilgenommen haben. extern

Wie kann Theater aussehen?

Kristin Gerwien erzählte ihre Geschichte mit Songs, dazu gab es kurze Spielszenen. Moritz Hauthaler ging auf biografische Spurensuche und versuchte, den plötzlichen Tod des Vaters vor beinahe 20 Jahren anhand von Gerichtsakten zu rekonstruieren:

"Ich glaube, dass wir momentan miterleben, wie sich die Gesellschaft spaltet in diejenigen, die an Fakten glauben, und in diejenigen, die nicht mehr an Fakten glauben. Ich wollte herausfinden, wo Fake News im eigenen Kopf beginnen, weil ich glaube, dass das Große, was im Weltgeschehen passiert, eigentlich nur der Makrokosmos eines Mikrokosmos ist, der in uns selbst zu finden ist."

Suchen und Finden - das war trotz der großen Bandbreite ein großes Thema des Festivals. "Ich würde schon sagen, dass es ein Festival ist, wo es ganz stark um die Frage nach Identität geht", sagt Regisseur Alexander Riemenschneider, der Mitglied der Jury war. "Und auch um die eigene Identität der Machenden: Wie viel biografisches Material bringe ich auf die Bühne? Suche ich über die Begegnung mit einem anderen Text das Eigene? Diese Fragen nach eigener Identität sind schon ein Faden, der sich durchzieht."

Katja Weise © NDR Foto: Christian Spielmann

Gespräch zum "Körber Studio Junge Regie" 2019

NDR Kultur - Matinee -

Im Kollegengespräch mit Hans-Jürgen Mende zieht Katja Weise eine erste Bilanz nach dem Ende des Theaterfestivals "Körber Studio Junge Regie" 2019.

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Frage nach Identität

Am Max Reinhardt Seminar in Wien erarbeiteten die Schauspielerinnen und Schauspieler zusammen mit der Regisseurin Anna Marboe ein Manifest mit 246 Wunsch-Punkten für ihre Projekt-Welt. Diese Expedition war vor allem ein großer Spaß - mit einem spielwütigen, sich komplett verausgabenden Ensemble.

Beim "Körber Studio Junge Regie" hat sich ein starker Jahrgang mit vielen Fragen präsentiert, die er nicht nur an sich selbst, sondern auch an die Institution Theater stellte. Der Regisseur und Dramatiker Falk Richter sprach in seiner Eröffnungsrede über neue Strukturen und Formen. In den kommenden Jahren werde sich da noch viel bewegen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 17.06.2019 | 19:00 Uhr

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