Benjamin Quabeck © dpa Foto: Monika Skolimowska

Benjamin Quabeck über sein Hörspiel "Der stumme Tod"

Stand: 06.10.2020 17:23 Uhr

Nächste Woche startet die dritte Staffel der TV-Serie "Babylon Berlin" im Ersten. Vorher gibt es diese packende Geschichte als Hörspielserie in drei Teilen. Ein Gespräch mit dem Regisseur Benjamin Quabeck.

Herr Quabeck, über zwei Millionen Downloads haben Sie bei der ersten Staffel erreicht - damit war "Der nasse Fisch" ein echter Hörspiel-Blockbuster. Hätten Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Benjamin Quabeck: Nein, ich hätte nicht mit dem Erfolg gerechnet. Das ist für mich anfangs auch ein Punkt gewesen, über den ich lange nachgedacht habe: Wenn es das schon als Fernsehserie gibt, finden wir dann überhaupt ein Publikum dafür? Und wie können wir unsere eigenen Wege gehen? Insofern war ich sehr erfreut und angetan, dass die erste Staffel so erfolgreich war. Die Arbeit selbst hat wahnsinnigen Spaß gemacht: den eigenen Weg durch diesen Stoff zu finden und eine eigene Vision zu entwickeln.

Was hat sie letztlich an dem Stoff gereizt?

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Grafik zur Hörspielserie "Der stumme Tod". © Frederic Batier/dpa/WDR Foto: Frederic Batier/dpa/WDR

ARD Hörspielserie: Der stumme Tod

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Quabeck: Ich mag dieses Setting der ersten Staffel, Ende der 20er-, Anfang der 30er-Jahre, dieses Raue, diese Welt, die auseinanderbröckelt, die schon wie ein Spiegel für die heutige Zeit funktionieren kann. Ich mochte an den Volker-Kutscher-Büchern schon immer diese Handfestigkeit, dieses Derbe - obwohl sie fein erzählt sind. Aber sie haben trotzdem so einen gewissen "Pulp Fiction"-Aspekt, eine gewisse Brutalität und Rohheit, was ich sehr gerne mag. Das auszumodellieren und ein Sound-Universum dafür zu finden - das ist eine tolle Arbeit bei einer so umfassenden Produktion.

Sie sind auch Filmemacher - was ist die besondere Herausforderung daran, wenn man so einen Stoff nur fürs Ohr umsetzt?

Quabeck: Für mich ist das Wichtigste beim Hörspielinszenieren, dass ich weiß, dass jeder seine eigene Fassung hören wird. Das ist anders als beim Film, wo man die Bilder vorgibt. In der heutigen Zeit haben wir unglaublich viele Bilder, die wir jederzeit aufsaugen, die sich auch manchmal abgegriffen anfühlen, die also nicht so sehr in die Tiefe gehen können wie die Bilder, die man selber im Kopf produziert. Ich versuche immer, einen Weg zu finden, wie man diese Geschichten erzählen kann, ohne dass man einen Erzähler hat, der einen an die Hand nimmt. Sondern dass man als Hörer die entsprechende Freiheit hat, sich selbst zu orientieren, und durch die atmosphärische Dichte und Spannung reingezogen wird. Man muss es auch aushalten, eine Minute nicht genau zu wissen, wo es gerade hingeht - um in der nächsten Szene wieder zu merken, dass da ein Kreis geschlossen wird.

Die Hörspielproduktion war sehr aufwendig. Mögen Sie ein paar Einblicke hinter die Kulissen geben?

Der stumme Tod

Hörspielserie des gleichnamigen Romans von Volker Kutscher.

Mit Sebastian Blomberg, Uwe Ochsenknecht, Reiner Schöne, Fabian Busch, Denis Moschitto, Rudolf Kowalski, Jakob Diehl, Peter Nottmeier, Lou Strenger, Malte Arkona, Alice Dwyer, Ole Lagerpusch
Bearbeitung: Thomas Böhm, Benjamin Quabeck
Regie: Benjamin Quabeck
Musik: Verena Guido
Gemeinschaftsproduktion WDR/Radio Bremen/rbb 2020 für die ARD-Hörspielprogramme und Deutschlandradio

Bei NDR Kultur hören Sie die Serie am 07.10., 14.10. und 21.10.2020 immer um 20.00 Uhr.
Bei NDR Info hören Sie die Serie am 11.10., 18.10. und 25.10.2020 immer um 21.00 Uhr.
Und schon jetzt in der ARD Audiothek.

Quabeck: Das Tolle bei so einer Hörspielproduktion ist, dass man mit einem ausgezeichneten Cast arbeiten kann. Die Arbeit mit den hochkarätigen Schauspielern im Tonstudio ist insofern sehr dankbar, weil dieser ganze technische Überbau etwas kleiner ist als beim Film. Wir können uns also sehr auf Textaussprache konzentrieren. Ich inszeniere immer im Raum, die Sprecher kleben also nicht an ihrem Pult, sondern wir spielen diese Szenen. Das sind sehr große Studios, in denen ich arbeite, und wir haben für die Szenen etwas mehr Zeit als beim Film, weil man keine Maske, kein Kostüm hat und dementsprechend noch mehr Lebendigkeit erzeugen und noch noch näher an die Figuren herankommen kann.

Wie funktioniert die Arbeit mit den Schauspielern? Stehen die alleine im Studio und sprechen ein, oder gibt es ein gemeinsames Arbeiten?

Quabeck: Unbedingt gemeinsames Arbeiten - ich nehme seltenst einzeln auf, nur dann, wenn es sich manchmal nicht vermeiden lässt. Das Wichtigste ist, mit allen Schauspielern gleichzeitig diese Atmosphäre im Studio zu erzeugen und die Szenen gemeinsam zu erarbeiten. Das ist in Corona-Zeiten etwas anders gelaufen als in den Jahren davor, weil die Studios dafür zertifiziert werden mussten und wir Mindestabstände einhalten mussten. Das hat den ganzen Prozess ein bisschen verändert, denn ich konnte nicht mit sechs Leuten gleichzeitig ins Studio gehen. Man fängt also an, die Szenen ein bisschen aufzusplitten, macht das nur mit dreien, die den entsprechenden Abstand halten. Zwischendurch werden alle Mikros und ganze Bereiche desinfiziert, und dann kommen die nächsten drei Sprecher. Das hat es irgendwie spannend gemacht, aber ich konnte das ganz gut thematisch in diese Ausnahmesituation integrieren.

Das Interview führte Alexandra Friedrich.

Benjamin Quabeck © dpa Foto: Monika Skolimowska

AUDIO: Benjamin Quabeck über sein Hörspiel "Der stumme Tod" (8 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 06.10.2020 | 18:00 Uhr