Stand: 16.03.2019 15:13 Uhr

"Autoland": VW, die Region und ihre Zukunft

von Janek Wiechers
Das Theaterstück "Autoland", angelegt als Kongress, will ein möglichst breites Bild von Meinungen zur Mobilität zeigen.

Volkswagen ist der größte Arbeitgeber Niedersachsens mit Werken in Emden, Hannover, Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter. Wirtschaftliche Kraft und Wohlstand der Region wären ohne VW nicht denkbar. Alles, was der Konzern tut, wird dort sehr genau registriert - auch die Entwicklung zu mehr Elektroautos und vernetztem, irgendwann auch autonomem Fahren. Konzepte, an denen auch Forschungsinstitutionen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Technische Universität Braunschweig verstärkt arbeiten. Was dieser Wandel für die Autoregion Wolfsburg/Braunschweig bedeutet, ob die Menschen ihn wollen und ob er überhaupt gelingen kann - das sind einige der Fragen, mit denen sich ein neues Stück am Staatstheater Braunschweig beschäftigt. "Autoland" hatte am Freitag Premiere.

Fiktiver Zukunftskongress auf der Theaterbühne           

Im ausverkauften Kleinen Haus des Staatstheaters vollzieht sich vor den Augen der Zuschauer gleichsam im Schnelldurchlauf, was auch außerhalb des Theaters viele Menschen bewegt. Angelegt als fiktiver Zukunftskongress wird die Kernfrage verhandelt: Was bedeutet der sogenannte Mobilitätswandel, wie kann er erreicht werden, und das nicht nur für die Region Braunschweig?

Johannes Kienast und Larissa Semke sitzen auf der Bühne beim Stück "Autoland" beim Staatstheater Braunschweig © Joseph Ruben Foto: Joseph Ruben

"Willkommen zum Kongress 'Future Mobility'"

NDR Info -

Wie klappt der Mobilitätswandel - und wollen wir den überhaupt? Was bedeutet er für die VW-Region? Das Theaterstück "Autoland" widmet sich in Braunschweig diesen und anderen Fragen.

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Macher haben ein Jahr Interviews geführt

"Herzlich willkommen zu unserem Kongress 'Future Mobility'": Im durchgestylten Ambiente einer Hochglanz-Firmenpräsentation führen hippe Moderatoren durch den Abend und präsentieren ein ganzes Panorama an Meinungen und Ideen. Etwa, ob wir uns künftig selbstfahrende Autos vorstellen können. Und es geht nicht nur um VW. Das Stück kreist um Technologien, Politik und Gesellschaft - und um das, was jeder von uns bereit ist, für den nötigen Wandel zu tun. Die Theatermacher haben dazu ein Jahr lang in der Region Braunschweig mit vielen Menschen gesprochen: mit Autokonstrukteuren, Software-Spezialisten, Bandarbeitern und deren Familien. Mit Zukunftsforschern, Politikern, Bürgerinitiativen und Umweltaktivisten.

Unterschiedliche Ansichten werden dargestellt                       

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E-Autos ja oder nein? Das Stück bildet entgegengesetzte Ansichten ab.

Im Stück tritt dann etwa ein fiktiver leitender Batterie-Ingenieur auf, basierend auf einer realen Figur aus dem VW-Konzern. Er fabuliert über die Herausforderungen beim Bau von E-Autos. Angesichts vieler Probleme fragt sich ein Bandarbeiter, was das alles bringen soll mit den E-Autos: "Die Stückzahlen gehen jetzt durch diesen Elektro-Hype, den es hier in Deutschland gibt, massiv nach oben. Also ich halte das für höchsten Blödsinn." Andere Figuren im Stück zeigen sich offen konzernkritisch. Sie fragen sich, ob VW es überhaupt ernst meint mit der Mobilitätswende. Ein Schauspieler schlüpft in die Rolle eines Zukunftsforschers und behauptet auf der Bühne, dass die gesamte Gesellschaft auf Autos ausgerichtet und ein Wandel daher kaum möglich sei: "Weil wir alternative Infrastrukturen nicht geschaffen haben."

Regisseurin: "Ergebnisoffenes, breites Meinungsbild"

In "Autoland" gehe es nicht um plumpe Meinungsmache, betont Regisseurin Nina Gühlstorff. Sie wolle vielmehr ein ergebnisoffenes, möglichst breites Bild öffentlicher und privater Meinungen zum Thema Zukunft der Mobilität präsentieren.

Es ist ein interaktiver Theaterabend. Über Fernbedienungen können sich die Premierenbesucher in das Bühnengeschehen einbringen. Und nach der Vorstellung können die Besucher bei Interesse auf die Bühne kommen und mit realen Mobilitäts-Experten sprechen. Ein Angebot, das viele Premierenbesucher nutzen. Es ist ein spannender, zum Nachdenken und Reden anregender Theaterabend in ungewöhnlicher Form. Unterhaltsam, witzig und mitunter provokant.

Johannes Kienast (von links) Saskia Petzold, Götz van Ooyen , Larissa Semke, Yevgenia Korolov und Valentin Erb im Stück "Autoland" beim Staatstheater Braunschweig © Joseph Ruben Foto: Joseph Ruben

"Autoland" am Staatstheater Braunschweig

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Ein ungewöhnliches Stück hat am Staatstheater Braunschweig Premiere gefeiert. "Autoland" präsentiert sich als fiktiver Kongress. Es geht um VW, E-Autos und was das alles bringen soll.

Datum:
Ende:
Ort:
Staatstheater Braunschweig
Am Theater
38100   Braunschweig
Telefon:
Kartentelefon: (0531) 123 45 67
Preis:
10,50 bis 31,50 Euro
Hinweis:
Regie: Nina Gühlstorff
Bühne: Thomas Rustemeyer
Kostüme: Marouscha Levy
Dramaturgie: Franziska Betz
Schauspieler: Valentin Erb, Johannes Kienast, Yevgenia Korolov, Götz van Ooyen, Saskia Petzold, Larissa Semke

Mit: Khanyiso Gwenxane, Ivi Karnezi, Narine Yeghiyan, Jelena Kordic, Jelena Bankovic, Ekaterina Kudryavtseva, Carolin Löffler, Milda Tubelyte, Ernesto Morillo
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 16.03.2019 | 06:55 Uhr