Stand: 19.07.2020 09:26 Uhr

Allein im Museum: Künstler schläft in Ausstellung

von Christina von Saß

Nachts krächzt und knarzt es schon mal, wenn Lukas Zerbst es sich in seinem Bett bequem gemacht hat. Ein Bett, das an ziemlich ungewöhnlicher Stelle steht - mitten in der aktuellen Ausstellung des Künstlers. "Es klang wie Schlüsselrascheln oder Schritte", erzählt der 32-Jährige. "Das war schon ziemlich schräg und hat mich am Anfang auch ein bisschen beunruhigt." Mittlerweile allerdings habe er sich daran gewöhnt. So klingt das eben nachts, im Museum. Im Kunstverein Hannover.

VIDEO: Künstler übernachtet in Ausstellung (3 Min)

Kunst fürs breite Publikum

Er ist die älteste Kultureinrichtung der Stadt und einer der ältesten und mit 1.200 Mitgliedern auch größten Vereine dieser Art in Deutschland. Gegründet im Jahr 1832 zur "Beförderung der bildenden Künste". Auf diese Weise wollten Bürger damals Kunst einem breiten Publikum zugänglich machen und auch die oft brotlosen Künstler unterstützen.

Ausstellung wurde vorverlegt - wegen Corona

Der Künstler Lukas Zerbst schiebt ein Bett durch den Ausstellungsraum. © NDR
Mit dem Bett in der Ausstellung: Lukas Zerbst macht es sich gemütlich.

Aus dieser Tradition heraus vergibt der Kunstverein seit 27 Jahren Stipendien an junge Künstler und Künstlerinnen, 47 von ihnen wurden auf diese Weise schon gefördert. Auch Zerbst, der mit zwei weiteren Stipendiaten gerade seine Arbeiten präsentiert. Die Ausstellung musste wegen Corona vorgezogen werden. Eigentlich hätten internationale Künstler im Sommer ihre Werke zeigen sollen - doch das musste aufgrund von Reisebeschränkungen verschoben werden.

Arbeiten und leben im Kunstverein

So war der junge Künstler Zerbst gefordert und weil der mit seiner Ausstellung noch gar nicht fertig war, machte er aus der Not eine Tugend: "Wegen der Pandemie fehlte mir die Zeit, die Exponate vorzubereiten und umzusetzen", erzählt er. So habe er vorgeschlagen, in den Räumen des Kunstvereins zu arbeiten - und vor allem auch zu leben. Während er davon berichtet, sitzt er auf seinem Stahl-Bett, das er selbst gebaut hat.

Reaktionen der Besucher unterschiedlich

Die Reaktionen der Besucher und Besucherinnen sind ganz unterschiedlich. Mit einigen habe er interessante Gespräche, andere sähen ihn eher als Ausstellungsobjekt. "Da kann ich noch so sehr versuchen, das Eis zu brechen, die sehen mich eher als Teil der Inszenierung."

Austausch und Diskurs sind wichtig

Mit Katheen Rahn, der Direktorin des Kunstvereins, führt er am frühen Abend ein Künstlergespräch, das ins Internet gestreamt wird. Auch eine Handvoll Gäste ist da, in gebührendem Abstand natürlich. Seit Anfang Mai ist der Kunstverein wieder für das Publikum geöffnet. Corona habe gezeigt, dass die Menschen ein großes Bedürfnis hätten, sich auch live zu begegnen, meint Rahn. "In die Ausstellung zu gehen ist eine Sache, aber den Menschen ist auch wichtig, den Austausch, den Diskurs darüber zu haben."

"Ist ja nicht der Louvre"

Die Aktion von Zerbst sorgt bei vielen, die am Abend ins Kunsthaus gekommen sind, für Belustigung. "Ich könnte mir nur sehr schwer vorstellen, in einer Ausstellung zu übernachten", meint Nicole Gauditz. "Aus Spaß, mal eine Nacht - ok. Aber nicht die ganze Zeit.“ Susanne Maaß findet es nicht so abwegig: "Das ist ja nicht der Louvre hier, es kommen ja viel weniger Menschen hierher." Sie findet es toll, wie locker der Künstler das Experiment umsetzt.

Bei der Ausstellungseröffnung kam auch seine Mutter, erzählt Zerbst noch. Die Art, wie er sein Bett gemacht hatte, habe ihr allerdings gar nicht gefallen: "Das entsprach nicht ihren Erwartungen eines gut gemachten Bettes, weswegen sie dann gleich selbst Hand angelegt hat."

Das Bett und weitere Exponate sind noch bis 16. August im Kunstverein Hannover zu besichtigen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.07.2020 | 19:30 Uhr