Stand: 26.10.2017 11:29 Uhr

Die Geschichte der Lutherstatue in Moorfleet

von Daniel Kaiser

95 Thesen irgendwo in Mitteldeutschland - ein paar Jahre später ist Hamburg eine andere Stadt. Martin Luthers Reformation vor 500 Jahren hat alles umgekrempelt. Nicht nur den Glauben, auch die Politik, die Schule, die Bildung. Der 31. Oktober 1517 hat die Welt verändert. Wo man heute in Hamburg Spuren der Reformation findet, damit befasst sich eine Serie des "Abendjournal Spezial" - etwa mit der Luther-Statue in Moorfleet.

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Die Statue von Martin Luther vom Berliner Künstlers Harro Magnussen gehörte ursprünglich zur Lutherkirche. Das Gotteshaus, das in der Nähe der Landungsbrücken stand, wurde 1934/44 durch Bomben zerstört.

Sehr dünn steht er da, der Martin. An den Füßen Sandalen. "So wie ein Mönch aussah, in Mönchskutte, den mönchischen Schuhen und der Tonsur", erklärt Pastor Michael Ostendorf. Dieser Bronze-Luther steht vor einer Bronze-Tür: Es ist die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. In der rechten Hand hält er einen Hammer - und in der linken Faust die Blätter mit den Thesen. Dass damals wirklich so ein Riesenhammer im Spiel war, das bezweifeln heute viele Historiker. Beim Luther von Moorfleet ist also wahrscheinlich ein bisschen künstlerische Freiheit und Drama im Spiel.

Aufregende Geschichte der Lutherstatue in Moorfleet

"Ob es ein Anschlag mit Hammer und Nägeln war oder nur ans schwarze Brett der Universität  - das ist die Frage. Aber man kann davon ausgehen, dass am 31. Oktober 1517 die Thesen veröffentlicht worden sind." sagt Ostendorf.

Der Luther steht im Pastorats-Garten von Moorfleet - mittendrin. Die Statue hat eine aufregende Geschichte hinter sich. "Sie stand ursprünglich vor der Lutherkirche an der Karpfangerstraße in der Nähe der Michaeliskirche. Dort wurde sie eingeweiht 1906, und sie wurde 1943 mit Bomben zerstört. Die Kirche hat gar nicht lange gestanden. Dort schmückte dieser Luther das Portal. Der Luther hat den Krieg unbeschadet überstanden. Er ist die einzige Erinnerung der alten Lutherkirche an den Landungsbrücken. Später kam er dann nach Moorfleet.

Die Statue des Reformators und Bildungsexperten Johannes Bugenhagen vor der Johanneum-Schule in Hamburg Winterhude © NDR Fotograf: Daniel Kaiser

Spuren der Reformation in Hamburg

NDR 90,3 - Kulturjournal Spezial -

Vor 500 Jahren hat Martin Luther mit seinen 95 Thesen alles verändert, auch Hamburg. Bis heute findet man Spuren dieser Zeit: in der Hauptkirche St. Petri, am Johanneum und in Moorfleet.

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Luthestatue ein echter Promi - und lebendiger Bezugspunkt

Ostendorf erläutert, es habe Beziehungen zwischen Moorfleet und St. Michaelis aus den Sengelmannschen Zeiten gegeben. So sei die Statue von Luther 1966 vor das Sengelmannsche Pastorat gekommen."Heinrich Matthias Sengelmann, der spätere Begründer der Alsterdorfer Anstalten war nämlich mal Pastor in Moorfleet und später eben auch Diakon am Michel. Heute liegt Sengelmann in Moorfleet begraben. Und der Luther guckt so pi mal Daumen in seine Richtung. So versteht Pastor Ostendorf seine Kirche: Theologie und Diakonie - Glauben und Handeln gemeinsam.

In Moorfleet, der kleinen dörflichen Idylle zwischen Autobahn und Gewerbegebiet, ist der Luther ein echter Promi. Auch wenn er nach starkem Regen fast nasse Füße bekommt, weil er in einer Senke steht. "Da werden wir was dran tun, dafür sind schon Spenden gekommen. Zum Reformationstag werden wir ihn richtig feiern. Dieser Luther ist in Moorfleet eine bekannte Größe." Die Statue ist lebendiger Bezugspunkt: "Er ist Startpunkt vom Ponyreiten. Das gehört zur Gemeinde dazu".

Martin Luther selbst war allerdings nie in Hamburg. Dennoch ist die Reformation in die Hansestadt gekommen.

Serie

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 26.10.2017 | 20:00 Uhr

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