Das Maritim-Hotel in Hannover © NDR/ Agnes Bührig Foto: Agnes Bührig

Audiowalks - Alternative zum Museumsbesuch?

Stand: 24.11.2020 13:28 Uhr

Audiowalks - akustische Stadtführer aus dem Mobiltelefon - könnten eine Alternative zu geschlossenen Museen und Literaturhäusern sein.

von Agnes Bührig

Was tun, wenn Museen geschlossen sind, Literaturhäuser keine Gäste mehr begrüßen dürfen und sich an der frischen Luft am leichtesten Abstand halten lässt? Sich mit Hilfe eines Audiowalks, einem akustischen Stadtführer aus dem Mobiltelefon, zu einem Hörspaziergang aufmachen! Eine Idee, die Stefanie Krebs bereits vor einigen Jahren hatte. Die Landschaftsarchitektin aus Hannover erarbeitet seitdem akustische Rundgänge. So lässt sich bereits Kunst im öffentlichen Raum erkunden oder der Geschichte des Maschsees lauschen. In Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Hannover entsteht derzeit ein Literatur-Spaziergang.

Hörspaziergang zur Kunst im öffentlichen Raum

Stefanie Krebs in Hannover © NDR/ Agnes Bührig Foto: Agnes Bührig
Gut gelaunter Guide: Stefanie Krebs in Hannover

"Die Idee war wohl seiner Zeit, diesem großen, prominenten neuen Rathaus auf der anderen Straßenseite des Friedrichswalls ein echtes Gegenüber zu schaffen", sagt die Denkmalpflegerin Sonja Olschner über das klobige Maritim Hotel im Stil des Brutalismus am Theodor-Lessing-Platz mitten in Hannover - zu hören im Hörspaziergang zur Kunst im öffentlichen Raum, der acht Kunstwerke und ihre Positionen in der Stadt erläutert.

Jetzt ist Stefanie Krebs hierher zurückgekehrt, um im neuen Literatur-Audiowalk den Namensgeber des Platzes vorzustellen, Theodor Lessing, Wegbereiter der modernen Erwachsenenbildung und Autor.

In acht Stationen durch Hannovers Kulturherz

"Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat er ein sehr wütendes, empörtes Pamphlet gegen den Lärm der Großstadt verfasst", erzählt Krebs und fügt hinzu: "Und man kann sagen, er war ein sehr früher Umweltaktivist, der sich gegen Lärm stark gemacht hat und auch einen Bürgerverein damals dagegen gegründet hat. Aber er war eben nicht nur Aktivist, sondern auch Schriftsteller und hat dann seine Empörung auch in sehr gute, wunderbare hörbare, lautmalerische Worte gefasst."

In acht Stationen soll der neue Hörspaziergang rund um die Innenstadt Hannovers führen. Dazu erarbeitet Stefanie Krebs fünfminütige Audiodateien mit Texten, Aussagen der Portraitierten, Musik und Geräuschen. Ab dem kommenden Frühjahr sollen sie per Handy von einer Internetseite abgerufen und abgehört werden können. Ein Audiowalk für jedermann, sagt Krebs und ergänzt: "Der ist wie die Bandbreite der Literatur auch breit gerichtet. Vielleicht wird den jetzt niemand laufen, der sich überhaupt gar nicht für Literatur interessiert, aber es ist schon ein Angebot an Leute, die so ein bisschen neugierig sind, auch an junge Leute. Also man muss jetzt nicht ein total literaturbegeisterter oder -bewanderter Mensch sein, um Spaß dran zu haben, also das ist Literatur, die jedem was mitgeben kann."

Auch Poetry-Slam mit von der Partie

"In ihrer Heimat, da waren mal Bäume - jetzt verstecken sich Kinder hinter Zäune. Denn Munition fliegt durch die Luft", klingt es aus dem Audio-Guide. Nicht nur Rezitatoren und Schauspielerinnen leihen Persönlichkeiten wie dem Dichter Ludwig Hölty und der Philosophin Hannah Arendt ihre Stimme. Auch die jüngste Poeten-Generation kommt zu Wort, Poetry-Slammerinnen wie Tanja Schwarz etwa, die in der Reihe "Macht Worte!" in der Staatsoper Hannover zu hören sind.

"Hannover hat sich tatsächlich einen Ruf erworben in der Poetry-Slam-Szene - auch hier im Opernhaus", sagt Krebs und fügt hinzu: "Und das fanden wir besonders spannend, an diesem ehrwürdigen Ort Sprach-Klänge hörbar zu machen. Slam-Poetry ist eine Sprache, die klingt und es ging uns eben nicht nur darum, Literatur in Verbindung mit Hannover hörbar zu machen und vorzustellen, sondern vor allem auch klangvolle Literatur auszuwählen."

Betrachtung des Raumes in den Parks

Und da kommt Stefanie Krebs, die Landschaftsarchitektin, zum Zuge, der es auch um die Betrachtung des Raumes geht. In ihren Hörspaziergängen durch den Hermann-Löns-Park oder die Eilenriede in Hannover. Und ab dem kommenden Frühjahr am baumbestandenen Georgsplatz in der Innenstadt, an dem Werke von Sylvia Geist, Birgit Kreipe und Sabine Göttel zu hören sein werden.

"Man hört die Autos, aber dadurch, dass wir hier diese wunderschönen großen Platanen auf dem Platz haben, von denen man hier beschirmt wird, hat man das Gefühl, dass man sich hier so ein bisschen aus dem Treiben der City zurückzieht. Und das war auch der Grund, weswegen wir diesen Ort ausgewählt haben für Lyrik."

Und zu hören sein soll der neue Audiowalk zur Literatur Hannovers im kommenden Frühjahr.

Dieses Thema im Programm:

Klassisch in den Tag | 25.11.2020 | 09:20 Uhr