Stand: 13.06.2018 10:02 Uhr

Auch eine Theaterform: Seife aus Menschenfett

Einen Firmenrundgang zum modernen Ablasshandel bietet Julian Hetzel in seiner "Schuldfabrik".

Theaterkünstler Julian Hetzel will provozieren - das scheint klar angesichts seines Werks "Schuldfabrik", das beim Festival Theaterformen in Braunschweig erstmals in Deutschland zu sehen ist. Es gibt keine Vorführung auf der Bühne, sondern eine Führung durch einen Laden in einer Einkaufspassage. Das einzige Produkt: Seife aus menschlichem Körperfett.

Mit abgesaugtem Fett von Schuld freikaufen

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"Menschliche Seife" - unangenehm. Und so muss sich die Auseinandersetzung mit Schuld nach Hetzels Ansicht auch anfühlen.

Das Fett soll aus Abfällen von Schönheitsoperationen stammen - Erinnerungen an den Hollywood-Film "Fight Club" werden wach, in dem reichen Frauen, ohne dass sie es wissen, ihr abgesaugtes Fett als edles Stück Seife zurückverkauft wird. In der "Schuldfabrik" soll der Besucher dagegen bewusst handeln: Der Mensch aus der Überflussgesellschaft kann sich dem Künstler zufolge von Schuld freikaufen. Der Erlös komme einem Brunnenbauprojekt in der Demokratischen Republik Kongo zugute.

"Es gibt keinen Ausweg"

Es geht um modernen Ablasshandel, um den Versuch, sich im doppelten Sinne reinzuwaschen. "Julian Hetzel macht in seiner Theaterarbeit 'Schuld' zu einem Rohstoff, der verarbeitet, produziert und objektiviert wird", schreiben die Festival-Veranstalter. "Doch trotz des verlockenden Angebots, sich freizukaufen, gibt es keinen Ausweg: Wer sich einmal als Teil der 'Schuldfabrik' begreift, hat keine Entschuldigungen mehr."

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Historisch vorbelastet

Polarisierung scheint gewollt, und bei Aufführungen in Österreich und weiteren europäischen Ländern gab es denn auch Kritik an der Installation. Die Idee sei nicht neu, hieß es etwa - siehe "Fight Club". Im Hinblick auf die NS-Zeit und die Verwertung menschlicher Körper in Konzentrationslagern sei das Werk zudem problematisch, schrieb ORF.at: Im Konzentrationslager Stutthof nahe Danzig hätten die Nazis mit der Seifenfabrikation aus Leichen experimentiert. "Ich verstehe, dass Leute das schwierig finden", sagt der 37-jährige Hetzel. "Aber ich denke, dass Schuld ein sensibles Thema ist, das unangenehm sein muss."

Die "Schuldfabrik" ist noch bis 17. Juni täglich in der Burgpassage in Braunschweig zu sehen. Informationen zu Uhrzeiten und Eintrittspreisen gibt es auf der Website der Veranstalter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 07.06.2018 | 17:00 Uhr

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