Stand: 15.01.2019 10:37 Uhr

"Unwort des Jahres" steht fest

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"Anti-Abschiebe-Industrie" wurde zum Unwort des Jahres 2018 gewählt.

Das "Unwort des Jahres" 2018 ist "Anti-Abschiebe-Industrie". Das gab die Sprecherin einer unabhängigen und sprachkritischen Jury, Linguistik-Professorin Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt bekannt. CSU-Politiker Alexander Dobrindt hatte den Begriff im Mai in einem Interview benutzt. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag hatte Klagen gegen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber als Sabotage des Rechtsstaats bezeichnet und von einer "Anti-Abschiebe-Industrie" gesprochen. Janich sagte, eine solche Äußerung von einem wichtigen Politiker einer Regierungspartei zeige, "wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern."

508 Begriffe standen zur Auswahl

Glosse
NDR Kultur: Klassisch unterwegs

Unwort des Jahres: "Anti-Abschiebe-Industrie"

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Es gab rund 900 Einsendungen, nun steht das "Unwort des Jahres" 2018 fest. Es heißt "Anti-Abschiebe-Industrie". Glossierende Anmerkungen von Ulrich Kühn. mehr

508 verschiedene Begriffe waren als Vorschläge für das "Unwort des Jahres" eingegangen. Nur etwa 60 davon entsprachen aber überhaupt den Kriterien der sprachkritischen Aktion, wie Janich sagte. Knapp 15 Wörter habe die Jury in die engere Wahl einbezogen. Im Vergleich zu den Vorjahren hatten sich diesmal etwas weniger Menschen an der sprachkritischen Aktion beteiligt. Insgesamt waren knapp 900 Vorschläge eingegangen - darunter zum Teil dieselben Begriffe, wie Janich sagte. Seit Mitte der 1990er-Jahre waren sonst stets mehr als 1.000 Einsendungen gezählt worden, in einigen Jahren sogar mehr als 2.000. Das neue "Unwort des Jahres", die "Anti-Abschiebe-Industrie", war zehnmal eingesandt worden.

Weniger Vorschläge als in den Vorjahren

Für das Jahr 2016 war die Wahl auf "Volksverräter" gefallen, für 2017 auf "Alternative Fakten". Zum "Unwort des Jahres" wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das "Prinzip der Menschenwürde" oder gegen "Prinzipien der Demokratie" verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder "euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend" ist.

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NDR Info | Nachrichten | 15.01.2019 | 10:15 Uhr

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