Stand: 21.02.2019 18:33 Uhr

Anna Olivia Amaya Farias kämpft um ein Cello

Seit 1962 fördert die Deutsche Stiftung Musikleben den musikalisch begabten Spitzennachwuchs in ganz Deutschland. Neben finanzieller Unterstützung spielt dabei der Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds eine wichtige Rolle. Da erhalten die "Streicher-Stars" von morgen die Chance, ganz besondere Musikinstrumente zu leihen. Am Freitag gehen die Wettbewerbe in Hamburg los. Hoffnung auf ein Cello darf sich auch eine junge Musikerin aus Hamburg machen.

Am Wochenende tauscht die 20-jährige Cellistin Anna Olivia Amaya Farias den Bogen gerne mal gegen die Boxhandschuhe. Die Studentin der Hamburger Hochschule für Musik lässt so raus, was ihr nach dem Üben noch an Power bleibt: "Ich glaube, so ein bisschen Sport tut jedem gut, gerade wenn man am Cello sitzt. Ich sitze ja sonst die ganze Zeit. Das ist ein guter Ausgleich."

Boxhandschuhe statt Bogen

Parallelen zwischen Sportlern und Musikern

Ihrem Trainer Gero sind gleich in der ersten Stunde die Hände seiner neuen Schülerin aufgefallen: "Sie hat Hornhaut am Daumen, das ist für mich als Sportler schon beeindruckend. Da kann man mal sehen, wie hart die trainieren und spielen. Es gibt bestimmte Übungen, da ist die Leistungsgrenze schnell erreicht - und sie beißt eben!" Dass Anna Olivia Amaya Farias eigentlich ziemlich zierlich ist, macht nichts. Mädchen seien sowieso die besseren Boxer, sagt der Trainer: "Die verziehen das Gesicht, die leiden richtig. Aber die würden eher sterben, als umzukippen. Die geben nicht auf."

Auch wenn Anna Olivia Amaya Farias beim Boxen natürlich vorsichtig sein muss, damit sie ihre Finger nicht verletzt, sieht sie durchaus Parallelen zum Musiker-Dasein: "Ich spiele ja schon sehr lange Cello und ich habe nie Pause gemacht. Ich glaube, dass ich diese Geduld und Begeisterung habe. Man hat ja immer ein Ziel vor Augen."

"Habe mich ins Instrument verliebt!"

Aktuell hat Anna Olivia Amaya Farias vor allem ein Ziel vor den Augen: Sie möchte ihr Cello behalten, das sie bereits vom Deutschen Musikinstrumentenfond leihen durfte. Es ist von dem französischen Geigenbauer Jean Baptiste Vuillaume und stammt aus Paris, aus dem Jahr 1845. Etwas mehr als sechs Stunden übt sie darauf am Tag. Für den anstehenden Wettbewerb muss sie eine Stunde anspruchsvolles Programm abrufen können.

"Ich habe mich richtig in das Instrument verliebt", strahlt Anna Olivia Amaya Farias und fügt hinzu: "So ein gutes Cello habe ich noch nie in meinem Leben gespielt. Ich habe kein Kind, aber ich glaube, man kann das vergleichen: Ich hab es ins Herz geschlossen und will es nicht hergeben."

Ein eigenes Cello oder einen Bogen hat sie nicht. Das können ihre Eltern im Moment nicht bezahlen. Wenn sie heute den letzten Ton gespielt hat, muss sie das Instrument abgeben.

Neuvergabe von 35 Instrumenten

In diesem Jahr werden bei dem Wettbewerb 35 Streichinstrumente neu vergeben, 60 Musikerinnen und Musiker spielen vor. Die Wertungsspiele sind öffentlich, ein Besuch lohnt sich, meint Stefanie Jaschke-Lohse von der Stiftung Musikleben: "Man kann herausfinden, wie eine echte Stradivari klingt. Was ist das Besondere an diesem Klang? Was macht den feinen Unterschied zwischen einem guten und einem hervorragenden Instrument beziehungsweise Musiker aus? Das hört man da hautnah - auch wenn man keine große Ahnung hat."

Wenn Anna Olivia Amaya Farias entscheiden müsste, ob sie die Boxerhandschuhe oder den Bogen wählen müsste, gäbe es keine Zweifel: "Natürlich das Cello, keine Frage. Das ist das Einzige, was ich mir vorstellen kann, und es ist das Einzige, was mich erfüllt. Ich bin so glücklich, dass ich so etwas habe."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.02.2019 | 06:40 Uhr

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