Stand: 04.06.2020 10:35 Uhr  - NDR 90,3

Altonale: Den Geist des Mitmach-Festes ins Internet retten

von Patricia Seeger

Mehrere 100.000 Menschen pilgern jeden Sommer nach Altona - denn da findet alljährlich Hamburgs größtes Kulturfestival statt -die Altonale. Nun wäre es eigentlich wieder losgegangen, wenn nicht Corona dazwischen gekommen wäre. Trotz offizieller Absage haben sich die Festival-Macher etwas einfallen lassen - und setzen für die Zukunft auf eine Schutzpatronin.

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Die Altonale sucht Corona-Interpretationen der Altonia - hier das Original "Die Schutzgöttin Altonia" auf einem Gemälde von Otto Marcus, 1900.

Erhaben und kämpferisch steht sie über allem bei der Altonale in diesem Jahr. Die Schutzgöttin Altonia, die in einem Gemälde von Otto Marcus aus dem Jahr 1900 über die Elbe schippert: Wie eine Galionsfigur auf einer Fischerscholle steht sie da, selbstbewusst mit wehenden Haaren und hochgekrempelten Ärmeln. Wirklich kampfbereit. Das Gemälde kann man sich im Altonaer Museum angucken. Ayhan Salar ist dort Community Kurator: "Die Altonia ist eine fiktive, eine erfundene Person. Altona war ja im Gegensatz zu Hamburg keine Kulturstadt, keine Bürgerstadt, sondern ist aus einem Fischerdorf entstanden. Und sie hat ein Wappen in der Hand. Dieses Altonaer Wappen symbolisiert so ein bisschen die Offenheit und Weltgewandtheit der Altonaer."

Altonale-Fans sollen zur Altonia werden

Dieses Gemälde der Schutzgöttin sollen die Altonale-Fans jetzt nachstellen - vielleicht  Zuhause in der Badewanne mit Plastikbarkasse oder im Kinderzimmer mit Lego und Playmobil-Figuren. Für ein schönes Foto oder ein selbstgemaltes Bild sei alles erlaubt, sagt Gerhard Fiedler, der künstlerische Leiter der Altonale. Gerade in Corona-Zeiten brauche man das doch, eine Schutzgöttin.

Mitmach-Aktionen im Internet

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Kunstwerke wird es in diesem Jahr voraussichtlich nur im Internet geben (ein Foto aus dem Jahr 2016).

Auch wenn die Altonale offiziell abgesagt ist und alle Veranstaltungen wegen Corona gecancelt wurden, war es den Altonale-Machern wichtig, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Deshalb findet die Altonale in diesem Jahr digital statt. Der Geist des Festivals soll ins Internet gerettet werden - mit vielen Mitmach-Aktionen. Denn die Beteiligung der Besucher und Anwohner im Viertel gehöre zur DNA der Altonale, so Fiedler.

Bei der Aktion "Lieblingsmensch" sind die Altonaer zum Beispiel aufgerufen, für eine Online-Ausstellung jemanden aus dem Stadtteil zu fotografieren, der ihnen viel bedeutet. Brigitte Kreiner, die seit über 20 Jahren in Altona wohnt und arbeitet, hat etwa ein Foto von ihrem Bäcker gemacht, "weil er einen immer so fröhlich begrüßt und mich total beschwingt in den Tag schickt. Da gehen unglaublich viele Leute hin und alle gehen mit einem Lächeln wieder von dannen."

Kein Ersatz für die "echte" Altonale

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So präsentiert sich die Altonale normalerweise: farbenfroh, draußen - und mit vielen Besuchern (ein Foto aus dem Jahr 2013).

Auch wenn es viele charmante Internet-Aktionen gibt, können die natürlich nicht die "echte" Altonale ersetzen. Die lebt ja gerade davon, dass an jeder Ecke in Altona etwas stattfindet - von kleinen Lesungen in privaten Wohnzimmern bis zum wuseligen Straßenfest. Aber diesmal wird selbst auf beliebte Veranstaltungen wie das Balkon-Theater der Anwohner verzichtet, obwohl das nach den neusten Corona-Lockerungen unter Auflagen nun theoretisch wieder möglich wäre. Die Altonale ist aber nicht so organisiert, dass ein Gremium oder Einzelpersonen bestimmte Abläufe und Regeln festlegt. "Es ist ein Kollektiv und deshalb können wir manchmal nicht so schnell reagieren wie andere das können", erläutert Fiedler.

Im Herbst aber könnte es das Balkon-Theater vielleicht wieder geben. Wenn Corona es zulässt, wollen die Festival-Macher dann nämlich eine kleine Altonale auf die Beine stellen.

Für den Moment aber kann man erst mal im Internet dabei sein - die Altonale digital ist seit heute online und wird täglich mit Bildern und Aktionen aktualisiert.

Altonale: Den Geist des Mitmach-Festes ins Internet retten

Mehrere 100.000 Menschen pilgern jedes Jahr zur Altonale, Hamburgs größtem Kulturfestival. Trotz offizieller Absage wollen die Festival-Macher den Geist des Kulturfestes aufrechterhalten - im Netz.

Art:
Fest
Datum:
Ende:
Ort:
Altona/Ottensen

Hamburg
Hinweis:
Wegen Corona entfällt die diesjährige Altonale. Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern werden große und kleine Projekte im Internet umgesetzt.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.06.2020 | 19:00 Uhr

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