Eine Collage von Schauspieler*innen der #allesdichtmachen-Kampagne. © picture alliance/dpa/Internetaktion #allesdichtmachen via Youtube

#allesdichtmachen: Youtube-Aktion stößt auf Lob und Kritik

Stand: 26.04.2021 08:23 Uhr

Mit einer Aktion auf Youtube und Instagram unter dem Motto #allesdichtmachen haben Schauspielerinnen und Schauspieler die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie kritisiert. Von Kollegen gab es massive Kritik.

In einer groß angelegten Aktion haben mehr als 50 deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie kritisiert. Am Donnerstagabend veröffentlichten unter anderem Ulrike Folkerts, Meret Becker, Ulrich Tukur, Volker Bruch, Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers ironisch zugespitzte Videos auf Youtube und Instagram. Die Videos, die sich über die Maßnahmen der Bundesregierung lustig machen, ernteten Lob und Kritik.

Makatsch distanziert sich

Vor allem Schauspielerkollegen distanzierten sich und kritisierten die Videos. Marcus Mittermeier twitterte: "Niemand hat mich gefragt, ob ich bei #allesdichtmachen mitmachen will. Gott sei Dank!" Nora Tschirner nannte die Aktion "unfuckingfassbar". Auf Twitter verbreiteten sich die Hashtags #allenichtganzdicht und #allesschlichtmachen. Der Moderator und Notfallsanitäter Tobias Schlegl kommentierte die Aktion: "Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben."

 

Inzwischen haben sich mehrere teilnehmende Schauspielerinnen und Schauspieler von der Aktion distanziert. So schrieb Schauspielerin Heike Makatsch: "Ich habe durch Kunst und Satire den Weg gewählt, die Veränderung unserer Gesellschaft aufzuzeigen und Raum zu schaffen, für einen kritischen Diskurs. Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst." Auch habe sie niemals das Leid der Corona-Erkrankten und ihrer Angehörigen schmälern wollen. Dazu postete sie den Hashtag #womöglichgescheitert.

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Ulrike Folkerts: "Ich habe einen Fehler gemacht"

Ähnlich äußerte sich auch Richy Müller im Interview mit ntv. Er habe niemals "Menschen kränken oder veralbern wollen". Mit der Aktion hätten er und die anderen Beteiligten auf die Menschen aufmerksam machen wollen, die durch die Corona-Maßnahmen mit Problemen zu kämpfen hätten. Müller nannte unter anderem Gastronomen, Kleinkünstler und Einzelhändler. "Tatort"-Regisseur Dietrich Brüggemann habe ihn angesprochen, ob er bei der Aktion mitmachen wolle. Aus "allerlei Vorschlägen" habe er sich dann einen für seinen Videoclip ausgesucht.

Ulrike Folkerts räumte ein, die Videos könnten auch falsch verstanden werden: "Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert", so Folkerts. Die Corona-Maßnahmen bezeichnete sie als "absolut richtig".

Auch "Tatort"-Kollegin Meret Becker zog ihr Video zurück. Kunst müsse Fragen stellen können, schrieb sie auf Instagram: "Aber diese Aktion ist nach hinten losgegangen." Dass diese nun von der rechten Seite instrumentalisiert werde, sei das Letzte, was sie gewollt habe. "Ich möchte auch nicht mit Aluhütchen oder dergleichen verglichen werden", so Becker.

Liefers weist Nähe zu Querdenkern und AfD zurück

Schauspieler Jan Josef Liefers wies eine Nähe zu Querdenkern und zur AfD zurück, nachdem die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar getwittert hatte: "Das ist intelligenter Protest." Liefers konterte mit dem Tweet: "Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern und Ähnliches weise ich glasklar zurück. Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt."

Positive Reaktionen auf #allesdichtmachen von Maaßen und Schmidt-Chanasit

Neben den kritischen Stimmen gab es auch ausdrückliche Zustimmung für die Aktion. Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, bezeichnete die Aktion als "großartig". Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit twitterte, die Aktion sei ein "Meisterwerk".

Kritik von Schauspielverband und Bühnenverein

Unterdessen kommt auch Kritik vom Deutschen Bühnenverein und vom Schauspielverband. Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, sagte, die Aktion "zeigt auch, dass wir uns kümmern müssen und die Widersprüche unserer Zeit aussprechen und diskutieren müssen. Aber bitte konstruktiv und nicht bloß sarkastisch. Das, was sich im Moment falsch anfühlt, ist schließlich bei aller Kritik im Detail im Kern richtig und notwendig", so der SPD-Politiker in Bezug auf die Corona-Maßnahmen. Bei allem Frust könne Zynismus nicht die richtig Haltung sein. Er warb dafür, "jetzt klar und wirklich konsequent gegen die Ausbreitung des Virus handeln, damit eine klare Perspektive für den Neustart der Kultur entsteht. So muss das gehen."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 23.04.2021 | 19:00 Uhr