Eine Collage von Schauspieler*innen der #allesdichtmachen-Kampagne: Obere Reihe l-r Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl, mittlere Reihe l-r Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet und untere Reihe l-r Katharina Schlothauer, Peri Baumeister, Richy Müller. © picture alliance/dpa/Internetaktion #allesdichtmachen via Youtube

"Alles dicht machen" und Co.: Die Kultur-Aufreger des Jahres

Stand: 30.12.2021 09:27 Uhr

Die Pandemie hat der Kulturbranche auch 2021 harte Zeiten beschert. Trotzdem haben Kulturschaffende für Aufmerksamkeit gesorgt - einige nicht unbedingt mit ihrer Arbeit. Ein Rückblick auf die Kultur-Aufreger des Jahres.

von Julia Jakob

Mit der Ironie ist das so eine Sache. Die Aktion "Alles dicht machen"im April dieses Jahres machte deutlich: Ironie funktioniert nur, wenn man sie erstens richtig und deswegen zweitens, vor allen Dingen richtig dosiert einsetzt. 50 deutsche Schauspieler, Schauspielerinnen und Regisseure hatten in Videoclips die Corona-Politik der Bundesregierung ironisch aufs Korn genommen.

#Alles dicht machen: Jan Josef Liefers zeigte sich geläutert und geimpft

Der Schuss ging nach hinten los. In der Öffentlichkeit hagelte es Kritik; unangemessen sei die Aktion und respektlos gegenüber Erkrankten und dem Gesundheitssystem. Noch am selben Tag distanzierten sich viele von ihren Aussagen, wie Heike Makatsch, Richy Müller oder auch Ulrike Folkerts. Auch Jan Josef Liefers zeigte sich geläutert und geimpft, als er nach seinem Auftritt auf eine Intensivstation eingeladen wurde.

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Eine Collage von Schauspieler*innen der #allesdichtmachen-Kampagne: Obere Reihe l-r Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl, mittlere Reihe l-r Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet und untere Reihe l-r Katharina Schlothauer, Peri Baumeister, Richy Müller. © picture alliance/dpa/Internetaktion #allesdichtmachen via Youtube

#allesdichtmachen: Trotz und Zerknirschung bei den Machern der Kampagne

Rund 24 Stunden nach Start der umstrittenen Aktion #allesdichtmachen wird klar, wer dahinter steckt. ZAPP hat mit einem der Initiatoren gesprochen. mehr

Sängerin Nena schlägt in Anti-Corona-Kerbe

Auch Sängerin Nena schlug in diesem Jahr in die Anti-Corona-Kerbe. Auf einem Konzert machte sie eine Ansage: "Mir wird gedroht, die Show abzubrechen. Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern was wir uns mit uns machen lassen." Mehrheitlich löste Nena damit aber nur müdes Kopfschütteln und Abwinken aus, die Talente der Sängerin liegen nicht unbedingt auf faktenbasiertem Wissen.

Harald Martenstein spricht im Studio © NDR.de Foto: Andreas Kluge
AUDIO: Martenstein über Nena (5 Min)

Jasmina Kuhnke sagt Auftritt bei Buchmesse Frankfurt ab

Tatsachen sind dagegen die Drohungen gegen die Autorin und Woman of Coulour Jasmina Kuhnke. So sagte Kuhnke ihren Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse ab. Denn direkt neben der Bühne hatte ein rechtsextremer Verlag seinen Stand. Kuhnke soll vor ihrem Auftritt Morddrohungen erhalten haben.

Die Debatte um rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse war - wie schon im Jahr zuvor - in vollem Gange. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler sagte im Interview auf NDR Kultur, dass Kuhnke allerdings auch eine Chance verpasst habe: "Wenn sich ein solcher Verlag direkt neben dem Blauen Sofa aufbaut, ist das erst mal eine Provokation. Die Autorin hätte auch sagen können: 'Hier, das haben wir erreicht. Ich als Person of Color sitze hier auf einer ZDF-Bühne, bitteschön. Und ihr kleinen Rechten, ihr könnt mir jetzt mal dabei zugucken, wie ich den öffentlichen Diskurs mitpräge.' Das wäre aus meiner Sicht eine offensive Position der Stärke gewesen."

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Amanda Gorman verzauberte 2021 die Welt mit ihrem Gedicht "The Hill we Climb" im Rahmen der Amtseinführung des US-Präsidenten Joe Biden. © CNPPool / MediaPunch

Das war 2021: Rückblick auf das Literaturjahr

Der Streit um die Amanda Gorman Übersetzung, das Aus für das Literaturfest Niedersachsen und vieles mehr - NDR Kultur Literaturredakteurin Maren Ahring blickt zurück. mehr

Gil Ofarim und der Insta-Post aus Leipzig

Aufregung gab es auch um den Sänger Gil Ofarim und seinen Instagram-Post aus Leipzig. Der mediale Aufschrei war groß, als der Musiker in einem Instagram-Video behauptete, dass ein Hotelmitarbeiter in Leipzig - und womöglich ein weiterer Gast - ihn antisemitisch angefeindet hätten. Beweise lagen zu dieser Zeit noch keine vor, aber Ofarim hatte in einem Video sehr schwerwiegende Anschuldigungen erhoben.

Der "ZEIT-"Redakteur Martin Machowecz recherchierte mit seiner Kollegin Anne Hähnig und schrieb einen Artikel, wonach es vorerst keinerlei Hinweise darauf gebe, dass Ofarims Anschuldigungen stimmen. Es liege sogar der Verdacht nahe, dass Ofarim mit seiner Anschuldigung dem Hotel-Mitarbeiter schaden wollte, weil er sich zuvor über ihn geärgert hatte.

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Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Demonstration des Bündnis "Leipzig nimmt Platz" stehen vor dem "Westin Hotel" Leipzig.  Foto: Dirk Knofe

Antisemitismus-Vorwürfe: Der Fall Gil Ofarim in neuem Licht

Ist Gil Ofarim Opfer eines Antisemiten oder hat sich der Sänger die Geschichte nur ausgedacht? mehr

Deutsche Rap-Szene kämpft mit Sexismus

Die deutsche Rap-Szene hatte in diesem Jahr mit Vergewaltigungs-Vorwürfen und Sexismus zu kämpfen. In Juni beschrieb die Influencerin Nika Iranie, wie sie ein Jahr zuvor von dem deutschen Rapper Samra vergewaltigt worden sein soll. Samra stritt dies ab. Aber die Geschichte brachte #Deutschrapmetoo ins Rollen. Zahlreiche Betroffene meldeten sich mit ähnlichen Erlebnissen, die Geschichten wurden gesammelt und in Social-Media-Kanälen veröffentlicht. Die - meist - männliche Rap-Szene wehrte sich - nicht nur verbal, sondern auch mit Gewaltandrohungen. Betroffene werden inzwischen aus dem Hintergrund juristisch unterstützt.

Dem Comedian Luke Mockridge wurde von seiner Ex-Parterin Ines Anioli Vergewaltigung vorgeworfen. Die Beweislage ist schwierig, die Staatsanwaltschaft stellte zunächst das Verfahren ein. Dann meldeten sich allerdings mehr als zehn Frauen, die von ähnlichen übergriffigen Erfahrungen mit Mockridge berichteten. Die Untersuchungen laufen noch.

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Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Demonstration des Bündnis "Leipzig nimmt Platz" stehen vor dem "Westin Hotel" Leipzig.  Foto: Dirk Knofe
6 Min

ZEIT-Redakteur Martin Machowecz zum Fall Gil Ofarim

Ist Gil Ofarim Opfer eines Antisemiten oder hat sich der Sänger die Geschichte nur ausgedacht? 6 Min

ZDF Talkshow Lanz am 01.03.17 in Hambug mit Prof. Klaus Pueschel © picture alliance / rtn - radio tele nord | rtn, ulrike blitzner Foto: Ulrike Blitzner

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Rechtsmediziner Klaus Püschel soll beim Hamburger Krimifestival auftreten. Dabei gibt es Rassismus-Vorwürfe gegen ihn. mehr

An einer Wand hängen drei Bilder von denen eines mit "cancel" beschriftet ist. © colourbox Foto: Gumphol Aimjai

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 30.12.2021 | 09:20 Uhr