Stand: 20.07.2020 15:12 Uhr

ARD Radiofestival: 40 Geschichten über das Reisen

Reisen inspiriert, erfrischt, motiviert. Aber Reisen sind in diesem Corona-Sommer beschwerlich - also begeben wir uns während des ARD Radiofestivals auf die Reise - mit 40 fast ausschließlich exklusiven Erzählungen. Anna Hartwich aus der NDR Kultur Literaturredaktion hat das Projekt begleitet und mit einigen Autorinnen und Autoren die Texte im Studio aufgenommen.

Frau Hartwich, welcher Gedanke steckt hinter diesem ARD-Gemeinschaftsprojekt?

Anna Hartwich © NDR Foto: Christian Spielmann
NDR Kultur Redakteurin Anna Hartwich hat das Projekt begleitet.

Anna Hartwich: Genau genommen sind es zwei Gedanken, die dahinter stecken: ein sozialer und ein literarischer. Die Corona-Pandemie hat auch im Literaturbetrieb große Ausfälle verursacht. Messen, Lesungen, alle Veranstaltungen mit Publikum mussten abgesagt werden. Das hat die Kulturradios der ARD bewogen, Autorinnen und Autoren zu unterstützen, indem man ihnen Aufträge für Originaltexte für das Radio gibt. Das ist der soziale Aspekt.

Es gibt aber auch einen literarischen Aspekt, der einen großen Mehrwert für uns darstellt. Wir können auf diese Weise ein ungeheuer breites Spektrum von Literaten präsentieren: Wir haben vier Büchner-Preisträgerinnen und -Preisträger dabei: Felicitas Hoppe, Marcel Beyer, Terézia Mora und Martin Mosebach - aber auch eine große Anzahl von mittelbekannten Autorinnen und Autoren, etwa Judith Kuckart oder Clemens Meyer. Es gibt auch sehr viele junge und noch zu entdeckende Autoren - die Preisträger von morgen oder vielleicht in 20 Jahren. Zum Beispiel die kurdischstämmige Autorin Karosh Taha oder Lisa Kreißler aus unserem Sendegebiet.

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Fantasie im Aufbruch: 40 Geschichten über das Reisen

40 Autorinnen und Autoren haben exklusiv für die Kulturradios der ARD Erzählungen rund ums Thema "Reisen" geschrieben. Erleben Sie sie acht Wochen lang bei uns im Radio und zwölf Monate online. mehr

Wie wurden diese 40 Schriftsteller und Schriftstellerinnen ausgesucht?

Hartwich: Das ist ein großes ARD-Gemeinschaftsprojekt, und die Literaturredaktionen haben jeweils Autorinnen und Autoren vorgeschlagen. NDR Kultur ist zum Beispiel mit sechs Autoren dabei. Auf diese Weise wird das gesamte Spektrum der Literatur in der Bundesrepublik abgebildet.

Das klingt sehr unterschiedlich und facettenreich. Können Sie schon verraten, wovon die Geschichten handeln?

Hartwich: So unterschiedlich wie die Autorinnen und Autoren sind, sind auch die Geschichten. Wobei eine Reise auch eine Metapher für das Leben ist, für eine Lebensreise - und das kann man als Überschrift über alle Geschichten stellen. Es sind Fernreisen dabei, es gibt Zeitreisen, Seelenreisen, Gedankenreisen - es gibt alles, was die Fantasie hergibt. Es gibt zum Beispiel philosophisch gelagerte Texte oder ganz konkrete. Es ist von allem etwas dabei.

Die Geschichte der Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe lautet: "Fieber 17. Unterwegs zwischen Sehnsucht und Heimat". Das deutet an, dass das Reisen auch viel mit Fantasie und Innenwelten zu tun hat. Gibt es ähnliche Beispiele?

Hartwich: Ja, es gibt eine Menge ähnlicher Beispiele unter den modernen Texten, die wir präsentieren. Die Idee mit dem Reisen ist nicht ganz neu. Es gibt ein historisches Vorbild: Der französische Autor Xavier de Maistre hat 1794 "Reise um mein Zimmer" veröffentlicht. Das war eine Zeit, wo viele Entdeckungsreisen in der Welt stattfanden - im Unterschied zu heute. Das nimmt der Autor ein bisschen auf die Schippe. Er wurde nämlich wegen eines Duells zu sechs Wochen Hausarrest verurteilt und hat sein Buch in 42 Kapitel unterteilt - das ist also ein ähnliches Format wie beim ARD Radiofestival. Xavier de Maistre war selbst kein Stubenhocker und er ist durch sein ganzes Zimmer gereist: vom Sessel übers Bett zum Schreibtisch und wieder zurück. Für ihn war die Kunst des Reisens, das Besondere zu entdecken, das abseits der Hauptstrecken liegt, sich an Nebensächlichem zu erfreuen und die Welt seiner Gedanken zu erforschen. Das ist all das, was unsere 40 Autorinnen und Autoren auch tun. Dafür braucht es keine Ortsveränderung.

Es sind auch Autorinnen und Autoren dabei, die wir auf NDR Kultur schon kennen, Lisa Kreißler zum Beispiel. Was haben diese Autorinnen und Autoren geschrieben? Wovon haben sie sich beflügeln lassen?

Hartwich: Lisa Kreißler hat eine der etwas konkreteren Geschichten geschrieben. Darin geht es um eine Reise über Beziehungsgrenzen hinweg. Zwei Paare unternehmen miteinander eine Reise - mit einem etwas bitteren Ende.

Das Gespräch führte Claudia Christophersen.

Anna Hartwich © NDR Foto: Christian Spielmann

AUDIO: ARD Radiofestival: 40 Geschichten über das Reisen (7 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 20.07.2020 | 19:00 Uhr