Stand: 29.11.2019 13:43 Uhr

Unangepasste Kunst der Sammlung Falckenberg

von Anette Schneider

Die international renommierte Kunstsammlung Falckenberg feiert 25-jähriges Bestehen. Grund genug, die private Sammlung, die seit einigen Jahren den Hamburger Deichtorhallen als Leihgabe angeschlossen ist, in einer großen Ausstellung an ihrem Stammsitz in den Harburger Phönixhallen vorzustellen. Schwerpunkt bilden erstmals die Installationen und Skulpturen der zeitgenössischen Sammlung.

Die Privatsammlung Falkenberg.

25 Jahre Privatsammlung Falckenberg

Hamburg Journal -

Zum 25-jährigen Jubiläum der Sammlung Falckenberg werden über 60 Werke von 45 international renommierten Künstlerinnen und Künstlern erstmals in einer Ausstellung zu sehen sein.

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Immer wieder stößt man auf den vier Etagen auf diese tristen, klaustrophobisch-abgründigen Räume, die sich als Sinnbilder der Gesellschaft entpuppen, die von einem unbehausten Dasein erzählen, von sozialer Ausgrenzung, Konsumterror, Vereinzelung. Mal liegt da ein großer Pappkarton auf einem hohen Holzgerüst, bedruckt mit dem Hinweis "nur für Mitglieder". Oder eine abgedunkelte, begehbare Rauminstallation öffnet Durchblicke in versteckte Zimmer, die so vollgestopft sind mit Alltagsgegenständen, dass nichts und niemand mehr dort hineinpasst.

Sammlung Falckenberg ist "bizarr, skurril und subversiv"

Eine Papphütte hat weder Eingang noch Fenster - nur ein kleines Guckloch. Dadurch zu sehen: ein leerer Stuhl. Daneben bewegt ein Masturbationsapparat einen menschlichen Arm auf und ab. Arbeiten wie diese sind charakteristisch für die Sammlung Falckenberg.

Deichtorhallen-Leiter Dirk Luckow, der die Jubiläumsausstellung kuratierte, schätzt an ihr, "dass sie so unangepasst ist." Sie decke Seiten der jüngeren Kunstgeschichte und der Gegenwartskunst auf, die so in den anderen Häusern in Hamburg nicht gezeigt würden. "Dass es so schön bizarr, skurril, auch subversiv unseren Kunstbegriff immer wieder neu hinterfragt", das zeichne das Konzept der Ausstellung aus.

"Sammel' bloß keinen Mainstream wie Beuys!"

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Harald Falckenberg hörte auf den Rat seiner Freunde Büttner, Oehlen und Kippenberger, bloß keinen Mainstream zu sammeln.

Mitte der 1990er-Jahre begann Harald Falckenberg Kunst zu sammeln. Da hatte er ein Leben als Jurist und eines als erfolgreicher Unternehmer hinter sich, erzählt der Kunstsammler lachend. 1994 lernte er den damals noch verpönten Maler Werner Büttner und mit ihm Albert Oehlen und Martin Kippenberger kennen. Die drei rieten ihm, bloß keinen Mainstream à la Joseph Beuys zu sammeln. "Das hat mir eingeleuchtet. Dann habe ich mich auf diese Kunst konzentriert, einer rebellischen, jugendlichen, die übrigens weltweit entwickelt wurde", so Falckenberg.

Mehr als 2.000 Arbeiten gehören zur Kunstsammlung

Über 2.000 Arbeiten zählt die mittlerweile abgeschlossene Sammlung, die seit 2011 als Leihgabe zu den Deichtorhallen gehört. Sie umfasst Malerei, Zeichnung, Skulptur und Rauminstallationen aus den letzten 50 Jahren von einst oft jungen Wilden. Viele davon werden heute auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt: Büttner und Meese etwa, Philip Guston, Mike Kelley und Sarah Lucas. Für die Jubiläumsausstellung konzentriert sich Dirk Luckow auf Installationen und Skulpturen, die zum Teil direkt in den ersten Räumen der Sammlung entstanden - das war ein altes, etwas heruntergekommenes Pumpwerk am Hamburger Flughafen.

Dazu gehört auch Jon Kesslers albtraumhafte, saalfüllende Installation, die Bezug nimmt auf den "Krieg gegen den Terror": Bestehend aus rund 180 TV-Geräten, kilometerweise aufgehängten Drähten und Kabeln, Überwachungskameras und ununterbrochen flackernden Kriegsbildern, führt sie sarkastisch Manipulation und Überwachung als staatlichen Terror vor.

Installation mit Affen des Schweizers Olaf Breuning

Während die Hamburger Kunsthalle gerade die weltfremden Impressionisten feiert, lassen sich jenseits der Elbe Künstlerinnen und Künstler entdecken, die in ihren Arbeiten um eine Haltung zu den Misständen unserer Zeit ringen. So wie Gregor Schneider mit seinem beklemmenden Nachbau einer aseptischen, gleißend hell ausgeleuchteten Isolationszelle aus Guantanamo.

Exponate der Jubiläumsausstellung 25 Jahre Falckenberg

Oder wie der Schweizer Künstler Olaf Breuning: Angesichts unserer unglaublichen Ignoranz gegenüber den weltweiten Folgen ständigen Wirtschaftswachstums inszeniert er in einem abgedunkelten Raum eine vorzeitliche Urlandschaft: Zwischen hohen Büschen hocken einige menschengroße Affen, denen trotz immer bedrohlicher aufflackernden roten Lichts nichts anderes einfällt, als stumpfsinnig vor sich hin zu grunzen.

Unangepasste Kunst der Sammlung Falckenberg

Bizarr, skurril und subversiv: Die Hamburger Deichtorhallen zeigen eine Jubiläumsausstellung mit 100 Exponaten der renommierten Kunstsammlung Falckenberg, die seit 25 Jahren besteht.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen Hamburg in den Phoenix Fabrikhallen
Wilstorfer Straße 71, Tor 2
21073   Hamburg-Harburg
Telefon:
040/428131-0
E-Mail:
sammlungfalckenberg@deichtorhallen.de
Preis:
15 EUR, ermäßigt 12 EUR, Kinder und Jugendliche sowie Studierende der HFBK frei
Öffnungszeiten:
Geöffnet jeden ersten Sonntag im Monat von 12 bis 17 Uhr, ohne Anmeldung
Sonst nur mit Anmeldung zur Führung an folgenden Tagen:
Donnerstag und Freitag um 18 Uhr, Sonnabend um 15 Uhr
Sonntag und Feiertag 12 bis 15 Uhr
Besonderheit:
Am Eröffnungstag Eintritt frei
Anmeldung:
für Gruppen gesonderte Preise
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 29.11.2019 | 19:00 Uhr

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