Stand: 01.08.2019 08:21 Uhr

Mit "Moby Dick" zur Ikone der Weltliteratur

von Ulrike Sárkány

Als im Oktober 1851 die erste Ausgabe von Herman Melvilles "Moby Dick oder Der Wal" erscheint, erregt der Roman kaum Aufmerksamkeit. Auch beim Tod des amerikanischen Autors 1891 bricht noch keine Begeisterung aus über den Text, der heute zu den Klassikern der Weltliteratur zählt.

Melville: Ein Walfänger wird Literatur-Klassiker

Das Leben beginnt vielversprechend: Anfang des 19. Jahrhunderts ist New York eine aufstrebende, schnell wachsende Metropole, in der viele ihr Glück suchten. Melvilles Eltern, als deren drittes Kind er am 1. August 1819 geboren wird, stammen beide aus noblen Familien - er schottischer, sie niederländischer Herkunft -, doch der Vater ist kein guter Geschäftsmann und geht 1830 bankrott. Aus einer höheren Schulbildung wird danach nichts mehr für den jungen Herman. Er arbeitet in verschiedenen Aushilfsjobs und geht, gerade 20 Jahre alt geworden, zur See.

Ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Jagd auf einen Pottwal mit Harpunen. © picture alliance/CPA Media

Der weiße Wal

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 1. August 1819 wird Herman Melville geboren. Als 20-Jähriger heuert er auf einem Walfänger an. Die Zeit auf dem Schiff inspiriert ihn später zu seinem großen Roman.

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Geschichten von der See

Nach einigen Jahren kehrt Melville zu seiner Familie zurück und erzählt begeistert von seinen Seefahrer-Erlebnissen. Man rät ihm, die Geschichten aufzuschreiben, und sein erster Roman "Typee" ist 1845 ein Verkaufserfolg. Der ein Jahr später erscheinende Tahiti-Roman "Omoo" kommt auch noch gut an beim Publikum, aber schon "Mardi and a Voyage Thither" ist 1849 mit seinen rund tausend Seiten zu anspruchsvoll für die damaligen Leserinnen und Leser. Das Meer und seine Bewohner werden für Melville mehr und mehr zur philosophischen Metapher.

Als Herman Melville sich dann an sein Monumental-Werk vom weißen Wal macht, weiß er schon, dass er dem Lesepublikum einiges zumutet: "Es wird ein seltsames Buch werden," schreibt er. "Tran ist Tran. Man mag zwar Öl daraus gewinnen, aber die Dichtung sickert so dickflüssig wie der Saft aus einem froststarren Ahornbaum. Und um die Sache aufzukochen, muss man ein bisschen Fantasie hinzugeben, die aber - das liegt in der Natur der Sache - genauso schwerfällig sein muss wie die Luftsprünge der Walfische. Aber trotzdem gedenke ich, die Sache wahrheitsgetreu darzustellen."

Zeitlebens nur wenig Anerkennung

Erst etwa 30 Jahre nach Melvilles Tod erweist die Welt seinem Genie die gebührende Ehre. Der Autor bringt seine Familie zuletzt als Zollinspektor durch. Übers Büroleben schreibt er in der Erzählung vom Schreiber Bartleby, die die Moderne um Jahrzehnte, wenn nicht Äonen, vorwegnimmt: "'Ich möchte lieber nicht.' - 'Möchte lieber nicht?' echote ich, stand erregt auf und durchquerte den Raum mit einem Schritt. 'Was meinen Sie? Sind Sie verrückt geworden?' - 'Ich möchte lieber nicht.'"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 01.08.2019 | 06:40 Uhr

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