Stand: 21.03.2018 00:01 Uhr

1968: Auch in der Musik ein Jahr der Umbrüche

von Ocke Bandixen

Die Umwälzungen und Anstöße des Jahres 1968 sind bis heute viel diskutiert - vor 50 Jahren wurden in vielen gesellschaftlichen Bereichen auch kulturell vieles neu gedacht und ausprobiert. Einiges führte zu Irrwegen, anderes war der Anfang für ein neues Selbstverständnis. In der populären Musik war 1968 auch das Jahr der Umbrüche.

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Der Liedermacher und Sänger Hannes Wader, hier 1970 während eines Auftritts in Hamburg, beobachtete 1968 eine "Überpolitisierung".

Auf einmal stellte jemand die Frage: Kann man das noch so machen, einfach nur ein schönes Lied singen? Müsste es nicht politischer sein? "1968 fand eine Überpolitisierung statt", sagt der Liedermacher Hannes Wader. "Das war ein Spiegel der Gesellschaft." Im Sommer 1968 war Wader auf der Burg Waldeck. Hier trafen sich schon seit einigen Jahren Liederfreunde und Sänger. "Da gab's dann auch die Forderungen: Stellt eure Gitarren in die Ecke! Waldeck als Zentrum des Widerstands! Solche grotesken Situationen gab es auch", erzählt Wader.

Nur Unterhaltung? Das reichte nicht mehr

Zupfgeigenhansel, wie in den Jahren vorher auf der Burg Waldeck, das reichte nicht mehr. Oder nur unterhalten wollen. Auch Hanns-Dieter Hüsch musste das auf der Burg erleben. Er wurde 1968 ausgepfiffen. "Mich hat das zutiefst verletzt", erinnert sich Hüsch. "Viele Sachen von mir waren nur unterhaltend, aber das hielten sie nicht mehr für angebracht."

Man wähnte sich im Kampf

1968 aber war auch hier das Wendejahr. In der Schlagerparade sang Heintje seiner "Mama" hinterher. In Vietnam war immer noch Krieg. Martin Luther King: erschossen. Rudi Dutschke: bei einem Anschlag schwer verletzt. Man wähnte sich im Kampf. Wolf Biermann schrieb über das Dutschke-Attentat ein Lied und hatte es, weil er aus Ost-Berlin natürlich nicht auf die Burg Wadeck kommen konnte, Walter Mossmann am Telefon beigebracht. "3 Kugeln auf Rudi Dutschke".

Aufbruch für Polit- und Krautrock

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Kraftwerk: Ralf Hütter, Florian Schneider und Emil Schult (v. li.), hier in ihrem Studio in Düsseldorf im Jahr 1973, experimentierten an Sounds, die später zu Kraftwerk gehörten.

In München experimentierte Amon Düül in ihrer Musikkommune und in Düsseldorf probierten Florian Schneider und Ralf Hütter an Sounds, die sie später zu Kraftwerk führen sollten. Im September 1968 dann brachten die Essener Songtage noch einmal die ganze Bandbreite der populären Musikszene zusammen. Franz Josef Degenhardt und Tangerine Dream. Tim Buckley, Alexis Korner und Ingo Insterburg. Ein Nebeneinander der Spielarten, ein Aufbruch für Polit- und Krautrock. Immer wieder wurden Auftritte gestört, Debatten vom Zaun gebrochen. Ein Dokumentarfilmer des Bayrischen Rundfunks fasste damals zusammen: "Hier kamen sie alle zusammen: die Gammler und Beatniks, die Friedensmarschierer und Blazerträger. Und ihr ungekrönter König war er: Frank Zappa."

Zappa: "Die Leute scheinen lieber über Musik zu reden"

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Frank Zappa, hier bei einem Auftritt im Hamburger Star Club im Jahr 1968, verstand das große Diskussionsbedürfnis nicht.

Das erste Mal spielte Zappa in Deutschland. Kaum einer begriff seinen beißenden Witz. Und er verstand nicht, was das ganze Gequatsche sollte. Und fasste in einem Interview damals unbewusst zusammen, was das zerrissene Popmusikjahr 1968 in Deutschland ausmachte: "Die Leute scheinen lieber über Musik zu reden, als ihr zuzuhören."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 21.03.2018 | 15:55 Uhr

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