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von Andreas Brauns

"Weihnachten gibt es doch im Fernsehen wieder diese Sendung mit dem Papst. Dann steht er auf dem Balkon der Peterskirche in Rom, segnet die Menschen und spricht in vielen Sprachen. Warum macht er das?"

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An Weihnachten und Ostern spendet der Papst den Segen "Urbi et orbi".

Weil er als Bischof von Rom und als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche den Gläubigen einen besonders feierlichen Segen spenden möchte: "Urbi et orbi", das ist der Segen für die Stadt und den ganzen Erdkreis.

Er wird in dieser Form nur vom Papst gespendet - zweimal im Jahr: Weihnachten und Ostern. Außerdem direkt nach einer Papstwahl. Der neue Papst steht dann auf den mittleren Balkon des Petersdomes in Rom, trägt zum ersten Mal seine neuen Gewänder und spendet der Stadt und dem Erdkreis seinen Segen.

Dieses Ritual stammt aus dem 13. Jahrhundert. Damals wie heute segnet der Papst die Menschen, die sich auf dem Petersplatz in Rom versammelt haben. Heute erreicht er mit seinen Worten jedoch nicht nur die Pilger, sondern über die Medien Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Und der Segen, der durch die Medien vermittelt wird, gilt. Egal, ob ich ihn am Bildschirm verfolge, im Radio oder im Internet.

Der Segen gilt selbst dann, wenn der Papst die Segensworte nicht mehr sprechen kann. Wie etwa Papst Johannes Paul II. am Osterfest im Jahr 2005, wenige Tage vor seinem Tod. Die große Segenszeremonie macht deutlich: Katholiken gehören keiner kleinen Sekte an, sie leben in vielen Ländern dieser Erde. Oft genug in multikulturellen Gesellschaften, in Ländern, in denen das Christentum offiziell verboten ist.

Ein Segen in vielen Sprachen

Damit der Papst auch verstanden wird, spricht er die Menschen in vielen Sprachen an, um ihnen "Frohe Weihnachten" zu wünschen. Die Segensformel "Urbi et orbi" geht übrigens auf Dokumente zurück, die im römischen Reich veröffentlicht wurden. Sie enthielten Regelungen für die Stadt Rom und für das gesamte römische Reich. Für die Stadt und den Erdkreis.

Nach dem Verständnis der katholischen Kirche wird mit dem päpstlichen Segen "Urbi et orbi" ein vollkommener Ablass gewährt. Das heißt: Es werden Strafen für begangene Sünden erlassen. In der Regel müssen Katholiken dafür wenigstens eine Wallfahrt machen. Der große Segen des Papstes erspart ihnen dies jedoch. Allerdings nur, wenn sie den Segen in frommer Gesinnung empfangen, wenn sie guten Willens sind, so heißt es offiziell. Automatisch wirkt der Segen also nicht. Und einfach nur zugucken ist zu wenig.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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