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Wie ist das mit Spenden? Wie viel soll man eigentlich Spenden? Stimmt es, dass in der Bibel steht, man soll den 10. Teil abgeben?

Ja, das stimmt. Tatsächlich gibt es in der Bibel die Aufforderung, den zehnten Teil aller Einnahmen zu spenden. Und das hat einen Grund: In Israel gab es den großen Tempel in Jerusalem, ein Heiligtum. Priester sorgten für den Gottesdienst. Sie besaßen kein eigenes Land und mussten versorgt werden. Darum sollte das Volk Israel den zehnten Teil der Ernte an die Priester und den Erhalt des Tempels abgeben.

Diese Spenden spielen in manchen Jesusgeschichten eine wichtige Rolle. Einmal sieht Jesus, wie viele Reiche ihre Gaben in den Tempelkasten legen. Spendet jemand viel, verkündet ein Priester die Summe mit lauter Stimme. Ist die Summe sehr hoch, blasen sogar Posaunen. Da kommt eine arme Witwe, sie legt lediglich "zwei Scherflein" ein - so heißt es. Das waren die kleinsten Münzen zur Zeit Jesu - also zwei Cent. Niemand nimmt Notiz - außer Jesus. Er sagt: "Diese arme Witwe hat mehr geopfert als alle Reichen." Es kommt also bei Spenden nicht auf die Summe an. Es kommt darauf an, dass wir sie mit offenem Herzen und nach unseren Möglichkeiten geben.

Im Mittelalter war das wieder anders. Da spielte der zehnte Teil eine wichtige Rolle. Es gab in vielen Dörfern sogar große "Zehntscheunen", dort wurden die Abgaben gesammelt. Ob Holz, Getreide, Wein oder Tiere - alles wurde besteuert. Für die Bauern, die von früh bis spät die Felder bewirtschafteten, war das oft eine schwere Last. Auch Handwerker mussten den zehnten Teil ihrer Produktion abliefern bzw. auslösen. Von dem Ertrag wurden Kirchen gebaut, Arme und Pilger versorgt und die Priester bezahlt. Heute gibt es dafür die Kirchensteuer. Sie beträgt natürlich nicht 10 Prozent, sondern im Durchschnitt ein bis maximal dreieinhalb  Prozent des Bruttoeinkommens. In vielen Freikirchen dagegen spenden Mitglieder noch heute den zehnten Teil ihres Einkommens.

Auch ein wohlhabender Spender hat diese alte biblische Idee wieder aufleben lassen. Seine Name ist geheim, er nennt sich "Mister Zehnprozent". Jedes Jahr spendet er anonym den zehnten Teil seines Einkommens an eine Hilfsorganisation. Unter einer Bedingung: Es müssen mehr als 400 Menschen mitmachen und ebenfalls den zehnten Teil spenden. Die letzten Jahre hat das immer geklappt. Da kam viel zusammen, zum Beispiel 200.000 Euro für Schulprojekte in Indien und Afrika. Sie sehen: Wenn viele Menschen für ein Projekt 10 Prozent spenden - egal ob Schüler, Rentner oder Unternehmer - dann kommt da schon einiges zusammen und kann viel Gutes bewirken.

Heute spielen Stiftungen eine immer größere Rolle. Allein durch die Zinsen können Projekte in Kirchengemeinden und sogar Stellenanteile in Pfarrämtern finanziert werden. Auch in Testamenten wird manchmal der Kirchengemeinde etwas vermacht.

Es ist ein bisschen wie mit "Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland". Der ahnte, wie knauserig sein Sohn sein würde und ließ sich eine Birne ins Grab legen. Die trug sogar über seinen Tod hinaus Früchte:

Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her, so flüstert's im Baume: "Wiste 'ne Beer?"
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: "Lütt Dirn, kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn."

Und Theodor Fontane schließt seine berühmte Parabel über die Großzügigkeit: "So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland."

Autor: Jan von Lingen

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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