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Das Kirchenlexikon - S wie Schicksalsschläge

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Welchen Sinn hat es, dass es Menschen gibt, die von einem Schicksalsschlag zum anderen gejagt werden. Ich bin sicher, dass es da einen Sinn gibt, aber welchen?

Das ist schon ein seltsames Wort - "Schicksalsschlag". Schon dieser Ausdruck macht deutlich, was da geschieht. Da bricht etwas über einen Menschen herein und schlägt zu. Und wenn ein Mensch - wie Sie sagen - ein Leben lang von einem Schicksschlag zum nächsten "gejagt" wird, dann ist das noch dramatischer. Da bleibt keine Zeit, Leid zu verarbeiten oder zu Kräften zu kommen.

Ich kenne Menschen, denen es genau so ergangen ist - erst eine schwere Krankheit, dann der Verlust der Arbeit, schließlich der Tod des Lebenspartners. Ich weiß nicht, wie ich damit klar kommen würde. Manche Menschen zerbrechen daran, andere überstehen das. Aber wie? Und welchen Sinn hat all das?

Hiob kämpft mit genau dieser Frage. Viele kennen seine Geschichte aus der Bibel. Er ist angesehen, reich, hat Familie. Dann folgt ein Schicksalsschlag auf den anderen, und Hiob ist allein, bettelarm und schwerkrank. Aber er gibt nicht auf. Warum? 

Zunächst: Hiob hat Freunde. Sie setzen sich zu ihm und schweigen - die Bibel sagt: sieben Tage und sieben Nächte. Das wünsche ich jedem Menschen, der unter einem Schicksalsschlag leidet. Dass er Menschen hat, die ihn jetzt nicht allein lassen. Und für wen kann ich dieser Freund oder diese Freundin sein?

Und dann redet - endlich, nach der langen Zeit der Sprachlosigkeit und des Schweigens - redet Hiob mit seinen Freunden. Und auch das ist jetzt wichtig. Sich Verbündete suchen und ihnen von Trauer und Schmerz erzählen. Heute gibt es viele Selbsthilfegruppen oder Gesprächskreise für Trauernde. Das macht die Last leichter.

Und schließlich: Hiob hört nicht auf, mit Gott zu ringen. Sicher: Das ist kein einfacher Kinderglaube mehr; das ist ein Glaube, der hart auf die Probe gestellt wird. Hiob sagt: Mein Geist ist zerbrochen. Und zugleich kann Hiob sagen: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Bewundernswert!

Und Sie haben gefragt: Welchen Sinn haben diese Schicksalsschläge? Der Apostel Paulus gab darauf einmal eine ungewöhnliche Antwort. Er litt wahrscheinlich an einer schweren Krankheit, hin und wieder wurde er wie "von Fäusten geschlagen". Darum - so schrieb er einmal in einem Brief - habe er gebetet, Gott möge diese Last von ihm nehmen. Doch Gott antwortete: "Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Paulus erkennt: Gott ist bei den Schwachen. Gott lässt Kranke nicht allein. Gott erspart uns nicht das Leid. Aber er hilft es zu tragen. Ob das eine Antwort ist auf die Frage nach dem Sinn von Schicksalsschlägen?

Autor: Jan von Lingen

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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