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Was sind eigentlich die Unterschiede zwischen einem Pfarrer, einem Priester und einem Propst? Das hätte ich gerne erläutert...

... und das ist gar nicht leicht, kann ich ihnen sagen. Ich bin zum Beispiel Pastor, so sagen die Leute in Norddeutschland. Moin, Herr Pastor. Im Süddeutschen würde es heißen: Grüß Gott, Herr Pfarrer! Sie merken schon. Das hat auch etwas mit der Region zu tun.

Doch obwohl ich norddeutscher Pastor bin - das Wort ist lateinisch und bedeutet "Hirte" - ist meine offizielle Berufsbezeichnung "Pfarrer". Ich wurde zum Pfarrer ordiniert, das heißt, ich darf predigen, taufen, das Abendmahl austeilen. In dem alten Wort "Pfarrer" steckt das Wort "Pfarrherr" und zeigt, dass ein Pfarrer eine Gemeinde leitet. Und man kann auch das griechische Wort "paroikia" darin lesen, das bedeutet: Nachbarschaft oder Gemeinde.

Nun habe ich einen Kollegen, der ist nicht nur norddeutscher "Pastor" und von Beruf "Pfarrer", sondern auch noch "Propst"! Da musste sogar ich ihn fragen, was das bedeutet: Tja, Propst - hat er mir erklärt - kommt von dem lateinischen Wort "präpositus", das bedeutet: der Vorgesetzte. Und tatsächlich sind Pröpste Theologen, die ein besonderes Leitungsamt haben und meist an einer größeren Stiftskirche arbeiten. Aber da gibt es auch viele Varianten in der evangelischen und der katholischen Kirche. Meist arbeitet ein Propst an einer Hauptkirche und ist der Chef von anderen Pfarrern.

Und wie war das jetzt mit dem "Priester"? Jetzt wird's noch komplizierter. Priester gibt es in allen Religionen. Sie sind Mittler zwischen Himmel und Erde, sie segnen, sollen Unheil abwenden und Riten feiern. Katholische Geistliche sind "Priester", evangelische aber nicht. Warum? In der katholischen Kirche werden die Geistlichen zu Priestern geweiht. Diese "Priesterweihe" ist ein Sakrament. So werden Priester zu etwas besonderem, sie sind die Mittler zwischen der Gemeinde und Gott.

In der evangelischen Kirche gibt es keine "geweihten Priester" - oder genauer gesagt: Alle Gemeindeglieder sind Priester. Denn Martin Luther hat vom "Priestertum aller Gläubigen" gesprochen. Pastoren sind also keine besonderen Heilsvermittler. Sie haben lediglich eine besondere Aufgabe, sind von der Gemeinde beauftragt zu predigen und die Sakramente zu spenden. 

Pastor, Pfarrer, Priester, Propst - jetzt schwirrt Ihnen der Kopf? Dann will ich Sie nicht weiter verwirren! Wenn Ihnen ein Geistlicher über den Weg läuft, sprechen Sie ihn einfach mit Namen an. Oder Sie sagen - zumindest in Norddeutschland: "Herr Pastor!" Egal ob evangelisch oder katholisch - Pastor passt eigentlich immer.

Autor: Jan von Lingen

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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