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Das Kirchenlexikon - P wie Patientenverfügung

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Ich werde jetzt älter und mache mir so meine Gedanken. Meine Frage: Sollten Christen eine Patientenverfügung ausfüllen?

Mir erzählte neulich ein Pastor: "Wenn ich einkaufen gehe, kommen Leute manchmal ganz fröhlich auf mich zu und sagen so nebenbei: Ich hole mir mal bei Ihnen eine Patientenverfügung ab. Und tatsächlich: Woche für Woche kommen Menschen in Gemeindebüros und holen sich die Erklärung." Sicher, wir denken nicht gerne an das Sterben, aber wir wissen auch, Sterben gehört zum Leben dazu wie geboren werden. Und immerhin sterben mehr als 800.000 Menschen in unserem Land Jahr für Jahr.

Und wozu brauche ich eine Patientenverfügung? Leider sterben nicht alle Menschen im Schlaf. Stellen Sie sich vor, Sie sind schwerkrank. Sie werden betreut auf der Intensivstation eines Krankenhauses oder auf einer Pflegestation im Altenheim. Vielleicht liegen Sie seit Wochen oder Monaten im Koma, werden künstlich ernährt, allein die medizinischen Geräte erhalten Sie am Leben. Wie lange soll das weitergehen? Was wäre Ihr Wunsch? Soll mein Leben um jeden Preis verlängert werden? Oder möchte ich - wenn mein Körper es verlangt - auf natürliche Weise sterben?

Dafür gibt es eben die sogenannte Patientenverfügung. Das ist ein schriftlicher Text, in dem ich deutlich mache, was mir wichtig ist und was in meinem Fall beachtet werden soll. Die christliche Patientenverfügung gibt es im Internet oder bei den Kirchengemeinden. Ich brauche sie nur zu unterschreiben und irgendwo zu hinterlegen. Es ist eine Erklärung, die vielen hilft. Dem Patienten, den Angehörigen und den Ärzten. Wenn zum Beispiel während eines Komas eine Infektion auftritt, können Ärzte entscheiden: Wir geben keine Antibiotika, wir lassen der Krankheit ihren Lauf. Und sie begleiten die letzte Phase mit schmerzlindernden Medikamenten. Das ist keine Tötung auf Verlangen - das wäre natürlich strafbar. Es geht um ein bewusstes Sterben lassen. Denn nicht alles, was die Medizin vermag, ist auch für einen Sterbenden hilfreich.

Irgendwann kommen Sie vielleicht an den Punkt, an dem Sie diese Entscheidung treffen möchten. Dann gehen Sie doch einfach in Ihr Gemeindebüro und fragen nach der Patientenverfügung. Ich glaube, Sie tun dann das, was in Psalm 90 gesagt wird: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Autor: Jan von Lingen

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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