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Das Kirchenlexikon - "Papst entscheidet"

von Andreas Brauns

"Im Zusammenhang mit den Meldungen zum Bischof von Limburg habe ich mich gefragt: Warum wird in der katholischen Kirche so viel vom Papst oder von vatikanischen Behörden entschieden?"

Weil der Papst selbst die Bischöfe ernennt oder aber ihre Wahl bestätigt. Das heißt: Ohne Zustimmung des Papstes wird in der katholischen Kirche niemand Bischof. Der Bischof ist der oberste Hirte in einer bestimmten Kirchenregion, in einem Bistum. Er ist zwar nicht der Stellvertreter des Papstes, doch er kann sein Amt nur ausüben in Einheit mit dem Papst und der Gemeinschaft der Bischöfe. Bischof ist man also nicht nur für sich allein und für die Gläubigen in einer bestimmten Region. Bischof ist man auch immer in der ganzen katholischen Kirche.

Papst als oberster Gesetzgeber

In dieser Kirche hat der amtierende Papst die höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt inne. Er ist als Bischof von Rom zugleich eine Art Universalbischof der katholischen Kirche. Zugleich ist er oberster Gesetzgeber der Kirche und niemand kann ihm reinreden, wenn er innerhalb der Kirche etwas anders gestalten möchte. Er kann Personen bestimmte Ämter geben oder sie absetzen.

Der Papst weiß sich verantwortlich für das kirchliche Leben. Seine Amtsgewalt kann er - wenn Sie so wollen als Chef der Kirche - immer und überall frei ausüben. Und nichts und niemand kann ihn daran hindern. Nur er selbst. Er kann anders handeln. Und etwa behutsam Gebrauch machen von der Gewalt seines Amtes. Er kann Berater ernennen, die mit ihm anstehende Entscheidungen diskutieren. Ebenso kann er die Ergebnisse von Kommissionen abwarten, die umstrittene Sachverhalte in der Kirche prüfen.

Päpstliche Behörden unterstützen

Im Vatikan selbst gibt es die einzelnen Behörden der Kurie, die dem Papst zuarbeiten sollen. Die den Überblick haben in bestimmten Teilbereichen der Kirche. Eine dieser Zentralbehörden ist die Kongregation der Bischöfe. Sie ist zuständig für alle Fragen rund um die Bischöfe in der Weltkirche. Darum wurde sie im Zusammenhang mit dem Bischof von Limburg auch in einzelnen Presseberichten genannt.

Doch nicht die Kongregation entscheidet. Die Entscheidung liegt allein beim Papst. Daran hat sich auch unter Papst Franziskus nichts geändert. Er, der in der katholischen Tradition als Stellvertreter Christi gilt, hat die Amtsgewalt. Und er hat im Bistum Limburg jetzt einen Priester eingesetzt, der das Bistum leitet, solange der Bischof sein Amt ruhen lässt.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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