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Ich wollte gerne wissen, wie funktioniert eigentlich die Kirchenorgel? Was ist das Besondere an der Kirchenorgel?

Das Wort "organon" kommt aus dem griechischen und bedeutet "Instrument". Daher stammt das Wort "Orgel". Sie besteht aus Pfeifen, Gebläse (Windversorgung) und Klaviatur. Das Besondere an einer Orgel ist zunächst, dass sie ein riesengroßes Instrument ist. Mit mehreren Manualen, mit dem Pedal, mit Hunderten von Pfeifen und mit vielen anderen technischen Details mit den Registern, die gezogen werden müssen. Früher mussten sogar Pedale getreten werden, die einen Blasebalg bedienten. So wurde Luft in die Pfeifen gepumpt. Heute geschieht das natürlich elektrisch.

Das Besondere an einer Orgel ist außerdem, dass sie verschiedene Klangfarben hat. Wenn man ein Register zieht, ertönt beispielsweise nur ein Flötenton. Dann kann man ein weiteres hinzuziehen, dann kommt ein Zimbelton hinzu. Schließlich zieht der Organist noch das Register vox humana - es ist der menschlichen Stimme nachempfunden -, und schon entsteht wieder eine ganz andere Klangfarbe. Und wenn alle Register gezogen sind oder "organo plenum" eingestellt ist ("volle Orgel"), dann hat man fast den Eindruck, es sitze ein ganzes Orchester in der Kirche.

Diese vielfältigen Klangmöglichkeiten gibt es bei keinem anderen Instrument. So lässt sich der Klang der Orgel gut variieren. Außerdem kann der Organist mal ganz leise spielen, dann wieder so laut, dass fast die Wände wackeln.

Früher wurden Orgeln durchweg mechanisch bedient, heute wird die Musik längst durch elektrische Impulse und sogar durch Computertechnik unterstützt. Doch nach wie vor werden die Töne durch Luft und Pfeifen erzeugt. Allerdings gibt es auch neuere Orgeln, die (zusätzlich) auf künstliche Klänge setzen - dies bedeutet weniger Pflege und Reparaturaufwand.

Orgeln gibt es eigentlich schon seit 2000 Jahren, aber damals hatten sie eine andere Funktion. Sie wurden am Hof der Cäsaren eingesetzt. In der Kirche gibt es die Orgel erst seit dem 9. Jahrhundert, 811 bekam Karl der Große vom Kaiser aus Byzanz eine Orgel geschenkt und stellte sie dann im Aachener Dom auf. Danach begann der Siegeszug der Orgel in der westlichen Welt. Da baute man immer größere Orgeln, Zunächst Orgeln mit 400 Pfeifen etwa, später im 15. Jahrhundert mit 4000 Pfeifen.

Mit den Jahrhunderten und den verbesserten technischen Möglichkeiten wurden die Orgeln immer größer. Im Dom zu Passau steht die größte Kirchenorgel der Welt mit mehr als hat 17.000 Pfeifen und vier Glockenspielen. Noch größer ist die Theaterorgel in Atlantic City in New Jersey: Sie hat mehr als 30.000 Pfeifen und benötigt Hochdruckregister. Allerdings ist diese bis heute nicht voll bespielbar.

Autor: Jan von Lingen

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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