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Franziskaner, Dominikaner, Benediktiner. Warum gibt es eigentlich immer noch so viele katholische Orden? Alle klagen doch über fehlenden Nachwuchs. Warum tun sich Orden nicht zusammen, um z.B. gemeinsam ein Haus zu führen?

Das liegt an den unterschiedlichen Ausrichtungen und Tätigkeiten der einzelnen Ordensgemeinschaften. Alle - Ordensfrauen wie Ordensmänner - leben die Nachfolge Jesu in besonderer Weise: Sie gestalten ihr Leben nach den sogenannten evangelischen Räten Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Das heißt, sie verzichten auf eigenen Besitz, verzichten auf die Ehe und geloben Gehorsam der jeweiligen Ordensleitung gegenüber. Doch das sind dann auch schon fast die Gemeinsamkeiten. Dann ist da noch die berühmte Ordensregel aus dem 6. Jahrhundert: "Ora et labora", bete und arbeite. Diese Regel des heiligen Benedikt prägt das Ordensleben bis heute.

In Deutschland gab es im Jahr 2008 mehr als 23.000 Ordensfrauen. Sie gehörten 111 verschiedenen Ordensgemeinschaften an. Die 5000 Ordensmänner gut 60 Orden. Jeder einzelne Orden hat seine Tradition, hat seine eigenen Arbeitsschwerpunkte, Gewohnheiten und Regeln, die sich z.B. auch in der Gestaltung des Gewandes widerspiegeln. Es gibt Ordensfrauen und -männer, die leben in ihrem Kloster abgeschieden von der Welt. Sie beachten ein strenges Schweigegebot und sehen ihre erste Aufgabe darin, die Heilige Schrift zu betrachten. Ganz anders z.B. die Franziskaner: Sie leben zwar auch im Kloster, arbeiten aber jenseits der Klostermauern: in Suppenküchen oder als Seelsorger in Kirchen-gemeinden. Und Franziskanerinnen arbeiten z.B. in der Krankenpflege.

Einige Gemeinschaften wurden gegründet, als im 19. Jahrhundert in Europa viele Menschen verelendeten. Diese noch jungen caritativen Orden waren eine Antwort auf die Nöte der Zeit. Und noch heute sehen sie es als ihre Aufgabe an, Not zu lindern, in Deutschland und in anderen Ländern. 

Fast alle Ordensgemeinschaften arbeiten international. Nicht nur in Europa. Viele haben Niederlassungen in Indien, Indonesien oder Südamerika. Hier kommt es mehr und mehr zur Zusammenarbeit. Länderübergreifend, nicht ordensübergreifend. Denn ein Predigerorden wie die Dominikaner lässt sich nicht so einfach mit einem Orden zusammenlegen, der vor allem Armen hilft. Beides, Predigt und Linderung der Armut, sind wichtig und ein Zeugnis des Glaubens, doch nicht alle können alles. Und diese unterschiedlichen jahrhundertealten Traditionen sind nicht von heute auf morgen aufzuheben. Leben Menschen sie doch seit Jahrzehnten.

Autor: Andreas Brauns

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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