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von Jan von Lingen

"Die evangelische Kirche hat sich bisher immer für Ehe und Familie eingesetzt. Jetzt sollen auch Patchworkfamilien von der Kirche stärker anerkannt werden. Mein Mann und ich sagen: Wir bleiben zusammen, auch wenn es schwierig ist. Sind wechselnde Patchworkfamilien wirklich eine Lösung bei Ehekonflikten?"

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Viele Menschen leben heute in Deutschland in sogenannten Patchworkfamilien zusammen.

Vielleicht, liebe Hörerin, verstehen Sie Ihre Ehe ja so, wie es Martin Luther im kleinen Katechismus formuliert hat: Als "göttliche Stiftung, durch die Mann und Frau ein Leben lang verbunden sind". Darüber habe ich auch neulich mit einem jungen Brautpaar gesprochen und gefragt: Wollen Sie, dass ich als Pastor bei der Trauung den Satz "bis dass der Tod Euch scheidet" sage, oder soll ich ihn auslassen? Die beiden entschieden so: "Dass wir bis zum Tod zusammenbleiben, ist doch unser Wunsch und unser Ziel. In dem Moment, in dem wir vor den Traualtar treten, können wir das ruhig zeigen. Also: ja!"

Evangelische Kirche: Ehe kein "unauflösliches Sakrament"

Ich finde es wunderbar, wenn Paare am Beginn ihrer Ehe oder nach Jahrzehnten das sagen können: Wir gehören zusammen und wollen unser Leben miteinander verbringen. Darum versuchen viele Menschen, ihre Ehe ganz bewusst mit christlichen Werten zu führen wie Zeit nehmen und zuhören, einander treu bleiben und vergeben. Ehe und Familie sind nach wie vor ein christliches Leitbild.

Trotzdem wird mehr als jede dritte Ehe noch vor der Silberhochzeit geschieden (30.07.2013 / Statistisches Bundesamt). Und wenn Ehepartner wirklich alles Menschenmögliche versucht haben und doch scheitern, dann können sie nach evangelischem Verständnis guten Gewissens sagen: Es ist besser, wenn wir uns trennen. Denn für die evangelische Kirche ist die Ehe kein "unauflösliches Sakrament" wie in der katholischen Kirche, sondern eben auch ein "weltlich Ding", so sagte es Martin Luther.

Verlässliche Strukturen wichtig, besonders für Kinder

Später finden Eltern und Kinder oft zu neuen Patchworkfamilien zusammen. Zum leiblichen Vater, zur leiblichen Mutter kommt in einer Patchworkfamilie ein weiteres soziales Elternteil hinzu. Dazu hat die evangelische Kirche in einem viel diskutierten Orientierungshilfe zum Thema Ehe und Familie sehr deutlich geschrieben: Kinder, die unter der Trennung der Eltern leiden, sollen die Chance haben, neue verlässliche Strukturen zu erleben. Darum wünschen wir uns - so wörtlich - eine "Wiederherstellung von Verbindlichkeit".

In diesem Sinne fördert die evangelische Kirche Patchworkfamilien. Sicher: Die Kirche stellt sich - so wie der Staat in seiner Gesetzgebung - der Realität. Manche kritisieren diese Haltung und sagen: Die Kirche passt sich an. Andere sagen: Natürlich bleiben - trotz aller Vielfalt - für die Kirche Ehe und Familie die Nummer eins.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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