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von Jan von Lingen

"Bei Sonne heißt es, Petrus sorgt für gutes Wetter, bei Regen hat Petrus die Schleusen des Himmels geöffnet. Wieso sagen wir das eigentlich? Was hat Petrus mit dem Wetter zu tun?"

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"Petrus macht das Wetter. Und manchmal sogar Regen!" Hier konnte er sich wohl nicht entscheiden.

"Weißt Du, wer Petrus ist?" Das fragte mich meine Tochter, als sie drei Jahre alt war. Und dann zeigte sie auf den Himmel und behauptete: "Petrus wohnt da hinten, hinter den Wolken und macht das Wetter. Und manchmal sogar Regen!"

Wo in aller Welt hat meine Tochter das aufgeschnappt? Es dauerte einen Moment, bis bei mir der Groschen fiel: Die Oma war zu Besuch. Und da mischte sich manch Volkstümlich-Unterhaltsames in die Erziehung. Petrus, der in einer Wolke wohnt und das Wetter macht?

Ein Vertrauter Jesu

Längst hat meine Tochter - heute 13 Jahre alt - den "richtigen" Petrus kennengelernt. Den aus der Bibel. Er war ein Fischer am See Genezareth und wurde einer der engsten Vertrauten von Jesus. Als dieser von Soldaten festgenommen wurde, war Petrus der Einzige der Jünger, der ihn - mit dem Schwert in der Hand - verteidigen wollte. Es war aber auch derselbe Petrus, der bald darauf Jesus verriet und aus Angst vor Verfolgung behauptete: "Nein, ich kenne ihn nicht." Dennoch wurde er zu dem Apostel Petrus, "der Fels", auf dem die Kirche gebaut wurde. Denn der Name Petrus ist lateinisch und heißt übersetzt "Fels".

Aber was hat dieser Petrus mit dem Wetter zu tun? Das hat religionswissenschaftliche Gründe. Als sich in Europa nach und nach das Christentum durchsetzte, glaubten die Menschen noch an die alten Religionen. Da gab es den germanischen Gewittergott Thor oder den römischen Gott Janus, der "die Schlüssel zum Himmel" in den Händen hielt und das Wetter bestimmte. Und auf diese alten "Wettergötter" wollten die Menschen - auch als sie Christen wurden - einfach nicht verzichten. Darum wurde Petrus bei der Christianisierung sozusagen zum Nachfolger der Wettergötter.

Petrus hat die Schlüssel zum Himmel

Aber warum ausgerechnet Petrus? Aus gutem Grund: Denn auch er verfügt über die "Schlüssel zum Himmel". Eine Bibelgeschichte erzählt, dass Jesus zu ihm sagt: "Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben" (Matthäus 16,19). Dies zeigt die besondere Bedeutung des Petrus für die junge Kirche. Darum wird Petrus bis heute auf Bildern oder in Skulpturen meist mit einem Schlüssel in der Hand dargestellt.

Allerdings haben weder Jesus noch Petrus bei dieser "Schlüsselübergabe" an Sonne oder Regen gedacht: Dennoch machte diese biblische Geschichte aus dem schlichten Fischer vom See Genezareth - im Volksmund - eine Art "Wetterapostel". Und wenn er mit seinem Schlüssel in der Hand die Schleusen des Himmels aufschließt - na, dann gibt's halt Regen!

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.