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Das Kirchenlexikon - O wie Offene Kirche

von Jan von Lingen

"Im Urlaub an der Küste haben wir mehrere Kirchen besichtigt, die Türen standen einfach so offen. Aber muss man da nicht Angst haben, dass Kunstschätze aus der Kirche gestohlen werden oder dass in der Kirche etwas beschädigt wird?"

Ach, Sie gehören auch zu den Kirchentouristen! Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Denn jeder zweite Deutsche rechnet Kirchen und Klöster zu den beliebtesten Zielen im Urlaub. Schließlich sind sie Sehenswürdigkeiten am Urlaubsort - zum Beispiel die schnuckelige Dorfkapelle in der Heide, die kunstvoll gearbeitete Holzkirche im Oberharz, die gotische Hallenkirche in der Stadt oder die Warftkirche in Ostfriesland.

Auf das blaue Hinweisschild achten

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Das Hinweisschild verweist auf offene Kirchen.

Erkennbar sind diese offenen Kirchen an einem blauen Hinweisschild. Es zeigt eine weiße Kirche mit weit geöffneten Türen. Das bedeutet: Von April bis September stehen hier die Türen an mindestens fünf Tagen die Woche für mehrere Stunden offen. Und viele Besucher genießen den Moment in den alten Mauern, zünden vielleicht Kerzen an oder notieren ihre Namen im Gästebuch. Inzwischen gibt es sogar Radwegekirchen, die auch Fahrradständer und Rastplätze bereithalten.

Schutz gegen Diebstahl

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Das Portal des Kaiserdoms in Königslutter.

Aber wie ist das nun mit der Sicherheit? Nur wenige große Kirchen können sich Alarmanlagen leisten. In anderen Kirchen gibt es zum Beispiel "Kirchenfreunde" - Menschen aus der Gemeinde, die Gäste begrüßen und dabei auch aufpassen. Aber in vielen Gemeinden ist das nicht zu leisten. Darum gibt es Richtlinien. Zum Beispiel stehen in offenen Kirchen keine wertvollen Kreuze oder Kerzenleuchter auf dem Altar. Sie werden verschlossen und nur zu Gottesdiensten hingestellt. Außerdem wurden alle Bilder und die geschnitzten Figuren mancher Altäre sorgfältig fotografiert und dokumentiert. Im schlimmsten Fall kann sich die Polizei damit auf die Suche machen. Seit zwölf Jahren gibt es die vielen offenen Kirche in Niedersachsen - und zum Glück ist noch nichts Schlimmes passiert.

Vielleicht weil Kirchen eben besondere Räume sind, vor denen Menschen einfach Respekt haben. So stehen die Türen vieler Kirche auch weiterhin offen - "auf treu und glauben", wie man so schön sagt. Und die Erfahrung zeigt: das klappt!

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.