Stand: 22.05.2020 10:22 Uhr

Zyklisches Universum

Der Weltraum, unendliche Weiten. Und die dehnen sich aus, seit gut 14 Milliarden Jahren. Aber eines Tages wird sich dieser Prozess umkehren. Anna Ijjas will das beweisen. Dafür ist die Kosmologin von Harvard nach Hannover gewechselt – ans Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik.

Wir leben in einem zyklischen Universum, so die 35-jährige Wissenschaftlerin: "Der springende Punkt ist eben, dass es keinen Anfang und kein Ende gibt. Genauso wie die Jahreszeiten. Ein sich Wiederholen von einer Phase, in der sich das Universum ausdehnt und nach der Ausdehnung sich dann zusammenzieht. Das würde sich dann unendlich oft wiederholen. Das ist die Idee des zyklischen Universums."

Gott als letzter Grund des Universums

Anna Ijjas wird 1985 in Ungarn geboren. Nach dem Abitur studiert sie in München Physik, Mathematik, Religionsphilosophie, geht anschließend für eine Zeit lang in die USA. Ihr kommen Zweifel an der Theorie vom Urknall, als sie neue Daten der Weltraumbehörden auswertet. Die Idee des zyklischen Universums könne die Gestalt unseres Kosmos viel besser erklären. Dennoch müssten sich Gläubige nicht von den ersten Worten der Bibel verabschieden, "im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" (1. Mose 1,1): "Dass vielleicht der Anfang nicht zeitlich gedacht werden sollte, sondern als der letzte Grund. Und Christen werden ihn Gott nennen, Juden werden ihn Gott nennen. Und er der Grund für alles sein sollte."

Das Universum verändert sich stetig

Die ersten Kosmologen der Menschheit sind Priester gewesen. Sie haben den Nachthimmel beobachtet und im Lauf der Sterne Antworten auf die Frage nach dem Woher und Wohin unserer Welt gesucht: "Wie alle sind von der Frage getrieben, warum gibt es das Universum? Können wir eine naturwissenschaftliche Erklärung liefern oder müssen wir dafür zur Philosophie gehen, zur Religion? Ich hoffe natürlich, dass die Antwort naturwissenschaftlich ist. Weil, das wäre doch schön!", sagt Ijjas.

Der Weltraum, die unendlichen Weiten dehnen sich aus. Das wird wohl noch eine ganze Zeit lang so weitergehen. Erst in ein paar Milliarden Jahren zieht sich das Universum wieder zusammen, um sich anschließend erneut auszudehnen. So die Theorie von Anna Ijjas. Sollten aber neuere Forschungsdaten die widerlegen, wäre das für die Kosmologin kein Rückschlag: "Das ist das Schöne an der empirischen Wissenschaft, dass man diese Ideen aufgeben kann, wenn sie an der Erfahrung scheitern."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 21.05.2020 | 08:20 Uhr

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